Klinik äußert Bedenken gegen Rodelbahn
Patientenwohl oder Rodelspaß?

Tecklenburg -

Bedenken, die habe es von Anfang an gegeben. Und sie seien auch mehrfach geäußert worden. Beim Bürgermeister zum Beispiel. Aber die Sorgen der Klinik Tecklenburger Land wurden bislang wohl nicht ernst genommen. Sie hat Befürchtungen, dass das Haus in seiner Existenz bedroht ist, wenn in direkter Nachbarschaft eine Rodelbahn gebaut wird. 

Freitag, 21.09.2018, 20:11 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 21.09.2018, 20:11 Uhr
Franz Fuest, Michael Stangenberg und Sascha Busert (kleines Bild, von rechts) im neuen Raum für medizinische Trainingstherapie, der in diesem Jahr für rund 500 000 Euro eingerichtet worden ist. In die Klinik wird regelmäßig investiert.
Franz Fuest, Michael Stangenberg und Sascha Busert (kleines Bild, von rechts) im neuen Raum für medizinische Trainingstherapie, der in diesem Jahr für rund 500 000 Euro eingerichtet worden ist. In die Klinik wird regelmäßig investiert. Foto: Ruth Jacobus

Schriftlich, telefonisch und im persönlichen Gespräch sei sowohl der Stadt als auch den Investoren mitgeteilt worden: „Wir wollen das nicht.“ Michael Stangenberg, Verwaltungsleiter des Hauses, und Geschäftsführer Sascha Busert fühlen sich im Stich gelassen.

Nichts gegen eine Rodelbahn als touristischen Anziehungspunkt, doch in direkter Nachbarschaft zu einer Reha-Klinik, die sich auf Psychosomatik und Onkologie spezialisiert hat, ist sie nach Ansicht von Franz Fuest völlig fehl am Platz. Er ist Vorstandsvorsitzender der Fuest-Familienstiftung. Diese betreibt unter anderem drei medizinische Reha-Kliniken.

„Unsere Aufgabe als Rehabilitationseinrichtung ist es, unsere Patienten zu befähigen, mit ihrer Krankheit selbstbestimmt umgehen zu können und gemeinsam Wege zu finden, auf denen unsere Patienten trotz Einschränkungen ihren Platz in Familie, Beruf und Gesellschaft wieder einnehmen können. Dabei hängt erfahrungsgemäß der Erfolg einer Behandlung auch mit der Umgebung der Klinik zusammen“, erläutert Fuest im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Umgebung wirke tief auf die Psyche der Patienten.

Eine Rodelbahn in unmittelbarer Nähe der Klinik gefährde den Behandlungserfolg. „Die Patienten brauchen ein ruhiges und unaufdringliches Umfeld, um sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen und diese annehmen zu können.“

Dieses Umfeld ist rund um die Kurklinik gegeben. Bevölkern in der Hochsaison unzählige Touristen den Parkplatz am alten Bahnhof und rodeln jauchzend den Berg hoch und runter, sieht das anders aus. „Wir sind hier ein Kur- und Erholungsgebiet. Unsere Patienten sind krank und erschöpft. Sie müssen ihre innere Ruhe finden“, schildert Sascha Busert. „Die Grundlage unserer seit 1980 erfolgreichen Tätigkeit am Standort Tecklenburg – die ruhige Lage und die einmalige Natur – sehen wird jedoch nun durch den Versuch einer übermäßigen Vermarktung bedroht.“

Warum das so ist, verdeutlicht Michael Stangenberg: „Die 157 Mitarbeiter sehen ihre Arbeitsplätze durch einen Belegungsrückgang unserer Klinik langfristig in Gefahr. Unsere Patienten haben per Gesetz die Möglichkeit der freien Wahl der Klinik für ihre Rehabilitation. Sie suchen bewusst nach Ruhe und der Möglichkeit, sich ohne Störung auf sich selbst konzentrieren zu können. Wir befürchten nun, dass mehr Patienten diese Voraussetzungen eher an der See oder im Bayrischen Wald erfüllt sehen werden als im Tecklenburger Land.“

Über 2000 Patienten werden in diesem Jahr nach Angaben der Klinik behandelt. Gehe die Zahl zurück, könne die Klinik nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, argumentiert Busert. Die Fuest-Familienstiftung sei gegründet worden, um die Einrichtungen für die Zukunft zu erhalten. Darauf sei man ausgerichtet.

Die Klinik rechne in 2018 mit über 40 000 Übernachtungen und sei damit auch der größte Zahler von Kurabgaben an die Stadt. Außerdem stelle das Land Nordrhein-Westfalen Tecklenburg beachtliche finanzielle Mittel als Kneipp-Kurort zur Verfügung. Diesen Status habe die Stadt bisher nur aufrecht erhalten können, weil in der Klinik Tecklenburger Land Kneipp-Anwendungen durchgeführt würden, fügt Fuest hinzu.

Außerdem sei beträchtlich in den Ausbau, die Modernisierung und somit den Erhalt der Klinik investiert worden – seit 2010 ein zweistelliger Millionenbetrag, informiert Busert.

Wie geht es nun weiter? Am Dienstag, 25. September, tagt ab 17 Uhr der Stadtrat in öffentlicher Sitzung im Kulturhaus. Dann geht es um die Vorstellung der Pläne und den Beschluss über die frühzeitige Beteiligung. Wird der gefasst, hat die Klinik die Möglichkeit, sich im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens dazu zu äußern. Und sie wird die Gelegenheit nutzen. Denn da ist immer noch die gemeinsame Hoffnung von Fuest, Stangenberg und Busert, dass sich das Gremium letztendlich gegen die Rodelbahn und für die Klinik entscheidet.

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