Schweinezucht
Bundesrat lehnt Verlängerung betäubungsloser Ferkel-Kastrationen ab

Berlin/Münsterland -

Schweinezüchter dürfen ab 2019 Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastrieren. Die männlichen Ferkel werden kastriert, um den von vielen als unangenehm empfundenen Ebergeruch zu vermeiden. Tierschützer sind gegen das betäubungslose Kastrieren.

Freitag, 21.09.2018, 14:12 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 13:38 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 21.09.2018, 14:12 Uhr
Schweinezucht: Bundesrat lehnt Verlängerung betäubungsloser Ferkel-Kastrationen ab
Menschen mit Tiermasken nehmen an einer Aktion Deutscher Tierschutzbund zur betäubungslosen Ferkelkastration zu Beginn der Bundesratssitzung vor dem Gebäude der Länderkammer teil. Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++ dpa-Bildfunk

Der Bundesrat lehnt eine mögliche Verschiebung des Verbots der betäubungslosen Kastration von Ferkeln in der Landwirtschaft zum 1. Januar 2019 ab. In der Länderkammer fanden Initiativen, die derzeitige Praxis noch bis Ende 2020 oder sogar bis Ende 2023 zu ermöglichen, am Freitag keine Mehrheit.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne eine Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Jungebern eine strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Antrag auf Fristverlängerung gescheitert

Das Ende für die umstrittene Methode war mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden. Der Bauernverband hatte auch angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und verweist darauf, dass keine praktikablen Alternativverfahren zur Verfügung stünden. Tierschützer forderten, am Verbot ab 2019 festzuhalten.

Schweinezüchter sind mit ihrer erhofften Fristverlängerung für das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln im Bundesrat damit gescheitert. „Das ist ein harter Schlag für alle Sauenhalter in Deutschland“, sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Dienstag.

Akzeptanz für Impfverfahren erreichen

Auch Dr. Bernhard Schlindwein, Veredlungsexperte des WLV, beschrieb bereits am Dienstag das Szenario: „Sollte das Verbot zum 1. Januar nächsten Jahres greifen, müssten viele Ferkelerzeuger aufgeben“. Er sprach vor rund 150 Landwirten auf der öffentlichen Veredlungsausschusssitzung des WLV-Kreisverbandes Steinfurt in Rheine. 

Auch Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke wertet das Abstimmungsergebnis als herbe Enttäuschung und sprach von einem „schwarzen Freitag“.

Niedersachsen hatte den Antrag gestellt, das betäubungslose Kastrieren bei Ferkeln übergangsweise für drei Jahre weiterhin zuzulassen. Bis dahin sollten Ergebnisse von laufenden Studien ausgewertet, in der Praxis umgesetzt und eine breitere Akzeptanz für ein spezielles Impfverfahren (Immunokastration) erreicht werden.

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