12.000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer
Landgericht verurteilt 20-jährigen Gescheraner

Gescher/ Münster -

Emotionslos hat am Mittwochnachmittag der angeklagte 20-jährige Gescheraner das Urteil der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster entgegengenommen. Das Gericht hat den jungen Mann wegen versuchten Totschlags und Bedrohung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, einem Polizisten (55) am 7. März 2018 einen lebensbedrohlichen Messerstich zugefügt zu haben. Der Beamte leidet noch heute körperlich und psychisch unter den Folgen.

Mittwoch, 19.09.2018, 18:26 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 17:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 19.09.2018, 18:26 Uhr
Das Gericht hat einen jungen Mann aus Gescher wegen versuchten Totschlags und Bedrohung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Das Gericht hat einen jungen Mann aus Gescher wegen versuchten Totschlags und Bedrohung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Foto: dpa

Das Gericht wandte Jugendstrafrecht an und folgte damit den Gutachtern, die dem Angeklagten eine fehlende persönliche Reife bescheinigten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Der Verteidiger hatte auf fünf Jahre Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 20-Jährige den Polizisten mit Tötungsabsicht attackiert hat. Er habe das Messer bewusst und gezielt gegen den Beamten gerichtet und ihm eine acht Zentimeter tiefe Stich- und Schnittverletzung zugefügt, die nur um einen Zentimeter dessen Herz verfehlte. Der Angeklagte habe versucht, die Tat als Unfall zu schildern.

Bisher nicht gekanntes Ausmaß an Aggressivität

Nach der Tat habe er in den Rettungswagen gerufen, wo der der schwer verletzte Polizist versorgt wurde: „Ich hoffe, du verreckst, du Hurensohn.“ Der 20-Jährige habe keine Reue oder Einsicht gezeigt, sagte der Staatsanwalt. Die Mutter des Verurteilten hatte am 7. März die Polizei gerufen, weil sie wiederholt ein Hausverbot für ihren drogenabhängigen Sohn durchsetzen wollte, der bei einem vorangegangenen Streit in bisher nicht gekanntem Ausmaß aggressiv geworden sei.

Als die zwei herbeigerufenen Polizisten den 20-Jährigen nach Drogen untersuchen wollten, war dieser ausgerastet. Der Vorsitzende Richter betonte, dass der Angeklagte nicht die Chance eines Geständnisses genutzt habe, was sich strafmildernd ausgewirkt hätte. Beim Strafmaß berücksichtigte das Gericht, dass dem Angeklagten bereits eine einjährige Jugendstrafe auferlegt worden sei, weil er auf „diversen Feldern“ kriminell in Erscheinung getreten sei und die Messerattacke in seine Bewährungszeit gefallen war.

Messerattacken kein Einzelfall

Der Anwalt des Polizeibeamten forderte ein Schmerzensgeld von mindestens 50.000 Euro für seinen Mandanten. Das Gericht legte eine Summe von 12.000 Euro fest. Der Nebenkläger redete dem teilnahmslosen 20-Jährigen ins Gewissen: „Sie sind kein Held, weil Sie einen Polizeibeamten abgestochen haben, sondern wenn sie eine Wende in Ihrem Leben hinbekommen.“ Leider seien Messerattacken in der heutigen Gesellschaft kein Einzelfall, so der Nebenkläger.

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