Forschungsexpedition auf die Azoren
Leben mit Walen und Delfinen

Greven -

Nele Löw (14) hat an einer Forschungsexpedition auf die Azoren teilgenommen. Dort wurde Wale gezählt und registriert. Anstrengend, aber auch spannend.

Samstag, 18.08.2018, 16:10 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 18.08.2018, 16:03 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 18.08.2018, 16:10 Uhr
Für den Laien ist eine Flosse eine Flosse. Doch, so erzählt Nele Löw, könne man anhand der Flossen die Tiere genau unterscheiden.
Für den Laien ist eine Flosse eine Flosse. Doch, so erzählt Nele Löw, könne man anhand der Flossen die Tiere genau unterscheiden. Foto: Privat

Azorenhoch und Islandtief – wie oft hat man das schon im Wetterbericht gehört. Island – damit können die meisten etwas anfangen. Aber Azoren? Da weiß kaum jemand, wo das ist. Nele Löw hingegen weiß das sogar sehr gut, eben aus eigener Erfahrung. Denn die Schülerin hat an einer Forschungsexpedition auf die Azoren teilgenommen. Und: Sie ist total begeistert.

Die Azoren umfassen neun größere und mehrere kleinere Inseln, die 1369 Kilometer westlich vom europäischen Festland liegen. Nele war auf der Ilha do Pico, einer Insel, auf der gerade einmal 6000 Menschen leben. Zusammen mit 14 weiteren Jugendlichen – unter ihnen auch Joshua Lequen ebenfalls aus Greven – hatte sie die Aufgabe, Delfine und Wale in dem Gebiet rund um die Inseln zu zählen und zu registrieren.

Die Forschungsreise wurde vom Institut für Jugendmanagement aus Heidelberg durchgeführt. Kontakt bekam Nele zu diesem Institut durch Zufall. „Ein Lehrer hatte meine große Schwester auf diese Möglichkeit hingewiesen. Und ich bin sofort neugierig geworden.“

Sie bewarb sich für die Forschungsreise und wurde relativ schnell angenommen. Dafür musste sie allerdings einen Rettungsschwimmer in silber, einen Erste-Hilfe-Kursus und einen Computer-Führerschein nachweisen. Und: Sie benötigte einen Sponsor. Denn: Ganz billig war diese Reise nicht, 2500 Euro musste jeder Teilnehmer auf den Tisch legen. „Aber ich habe mit Hilfe meines Vaters schnell einen Sponsor gefunden“, erzählt die 14-Jährige.

Am 19. Juni trafen sich die 15 Teilnehmer in Heidelberg für eine Einführung. „Ich hatte befürchtet, dass da nur irgendwelche Streber dabei sind, aber das stimmte nicht. Die waren alle super nett“, erzählt Nele und lacht.

Schon bei der Einführung wurde klar, dass Schlaf in den nächsten Tagen ein rares Gut sein würde. „Das Einführungstreffen ging bis 3 Uhr morgens, um 5 Uhr mussten wir schon wieder aufstehen und wurden zum Flughafen Frankfurt gefahren.“

Die Gruppe kam sehr spät am Ziel an – und musste sehr früh wieder raus aus den Betten. „Der Tagesablauf war fast immer gleich“, erzählt die junge Grevenerin. 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr dreistündige Ausfahrt mit dem Boot zum Katalogisieren der Delfine und Wale, Mittagessen, dann Arbeit in vier Themengruppen, nachmittags wieder dreistündige Ausfahrt mit dem Boot und anschließend wurden Präsentationen der erarbeiteten Ergebnisse erstellt. „Wir waren jeden Tag rund 19 Stunden auf den Beinen“, erzählt Nele.

Aber natürlich war nicht alles nur Arbeit. „Wir durften sogar mit den Walen und den Delfinen schwimmen“, erzählt Nele, und man kann an ihrem schwärmerischen Blick sehen, wie begeistert sie von dieser Erfahrung ist. Und sie hat sogar einen sehr seltenen Wal zu Gesicht bekommen: Den True Beaked Wal. Der lebt in der Regel in rund 1000 Metern Tiefe, sein Leben ist völlig unerforscht und Bilder gibt es nur ganz wenige. „Das war schon sehr aufregend, als wir den gesehen haben.“

Die Expedition fand übrigens nicht in den Ferien, sondern während der Schulzeit statt. „Wir mussten dafür freigestellt werden“, erzählt Nele. Und natürlich ging es bei der Expedition weniger um Spaß, sondern um harte und seriöse Forschungsarbeit. „Aber Spaß gemacht hat es trotzdem“, erzählt sie mit einem Lachen. Schließlich konnte sie die Gelegenheit nutzen, einen Tauchschein zu erwerben.

Und: Wäre diese Forschungsarbeit für ihre berufliche Zukunft? Da hat Nele jetzt schon ganz genaue Vorstellungen. „Ich möchte bei der Bundeswehr Luft- und Raumfahrttechnik studieren und Jet-Pilotin werden“, erzählt sie. Aber wenn das nicht klappen würde, wäre die Forschung sicherlich eine Option, sagt sie.

Aber zunächst muss sie erst einmal ihre 100-seitige Präsentation über die Ergebnisse der Forschungsreise präsentieren. Und dann, später einmal, könnte sie sich auch weitere Expeditionen nach Island oder in die Arktis vorstellen. „Das kostet aber sehr viel Geld.“

Letztendlich hat sie die Teilnahme an der sehr anstrengenden Expedition nicht bereut. „Das waren einmalige Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst.“

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