Sommer-ABC: N wie Nachbarn
Schlichter am Gartenzaun

ochtrup -

Das Sommer-ABC landet heute am Gartenzaun. Meist sind es Kleinigkeiten, die zum Streit unter Nachbarn führen. Damit diese nicht gleich vor Gericht landen, gibt es sogenannte Schiedsleute. Einer von ihnen ist Arnold Kleining aus Ochtrup.

Freitag, 17.08.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.08.2018, 06:00 Uhr
Streit am mit den Nachbarn? Schiedsmann Arnold Kleining (kl. Bild) kümmert sich. Seine Erfolgsquote ist hoch, aber immer schafft er es nicht, eine Lösung zu finden.
Streit am mit den Nachbarn? Schiedsmann Arnold Kleining (kl. Bild) kümmert sich. Seine Erfolgsquote ist hoch, aber immer schafft er es nicht, eine Lösung zu finden. Foto: imago/Thomas Trutschel/stev

Hatten Sie schon mal Streit mit ihren Nachbarn? So richtig? Eine Auseinandersetzung in der Art, dass es einen Streitschlichter braucht? Wenn ja, kennen Sie vielleicht Arnold Kleining. Denn der Ochtruper ist ehrenamtlicher Schiedsmann in der Töpferstadt. Er ist gefragt, wenn sich Nachbarn in der Wolle haben.

Seit sieben Jahren bekleidet der 71-Jährige dieses Ehrenamt. Insgesamt waren es bisher knapp 40 Fälle, in denen Kleining als Mediator tätig wurde. Oft wird er von den Beteiligten engagiert, manchmal ruft ihn das Amtsgericht hinzu. Denn bevor es zu einer Verhandlung komme, versuchten die Gerichte vor allem bei unbedeutenden Nachbarschaftsstreitigkeiten, Lösungen auf diesem Wege zu erreichen.

Und Kleinigs Erfolgsquote kann sich sehen lassen. Nach seinen Schätzungen liegt sie bei 85 bis 90 Prozent. Was da so bei ihm auf dem Tisch landet? „Oftmals sind es wirklich Kleinigkeiten. Das ist manchmal schon traurig, worüber Menschen streiten können“, kann Kleining nur den Kopf schütteln. Details darf er natürlich nicht erzählen. Denn für ihn gilt die Schweigepflicht. Manchmal ist es der Ast eines Baumes, der über den Zaun auf das andere Grundstück ragt und der Nachbarn zu Kampfhähnen werden lässt. Ein anderes Mal ist es die zu laute Musik, die die Nebenbewohner ärgert. Die heutigen oftmals eng geschnittenen Grundstücke sind laut Kleining ebenfalls ein Grund, warum es schon mal zu Streit am Gartenzaun kommen kann. „Wenn die Leute so eng zusammensitzen, bleibt das nicht aus“, weiß er.

Wenn er zu einer Auseinandersetzung hinzugerufen wird, sucht er meist zunächst das persönliche Gespräch. „Das ist immer besser“, weiß der Schiedsmann aus Erfahrung. Doch bevor er überhaupt tätig werden darf, „muss ich einen Vorschuss nehmen“, erklärt der 71-Jährige. Je nach Fall setzt der Ochtruper eine Gebühr von etwa zehn bis 15 Euro an. Die Hälfte geht an die Stadt Ochtrup, die andere Hälfte ist für den Ehrenamtlichen bestimmt.

Erzielt Kleining im Laufe seiner Tätigkeit eine Einigung, hält er diese in einem Protokoll fest, das von allen Beteiligten unterschrieben wird. „Das ist dann gültig. Verstößt einer gegen diese Auflagen, kann ein Bußgeld verhängt werden“, erklärt Kleining. Doch das sei in Ochtrup noch nie vorgekommen.

Trifft er sich mit streitenden Nachbarn, stellt die Stadt in der Regel dafür einen Raum zur Verfügung. Und bei solchen Gesprächen können auch schon mal die Fetzen fliegen. „Einmal hat ein städtischer Mitarbeiter geklopft und gefragt, ob er mir helfen könne“, erzählt Kleining lachend. Damals sei das Gespräch sehr laut geworden. Welche Äußerungen bei solchen Streitereien manchmal von „verhältnismäßig gescheiten Leuten“ getätigt werde, sei schon verwunderlich, findet er.

Der Schiedsmann hat zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit einen dreitägigen Lehrgang absolviert. Zudem wurde ihm entsprechende Literatur zum Nachbarschaftsgesetz zur Verfügung gestellt. Bei manchen Themen sei auch er überfordert, doch da gelte es, sich einzulesen, hat Kleining gelernt. „Ich gebe mir immer Mühe, alles vernünftig zu machen.“ Doch manchmal sei eben keine Einigung zu erzielen. Im Bereich des Zivilrechtes stellt der Schiedsmann dann eine Erfolglosigkeitsbescheinigung aus, im Bereich des Strafrechtes (Bedrohung, Beleidigung) eine Sühnebescheinigung. Dann kann der Klageweg beschritten werden. „Das machen aber nur wenige, weil dann natürlich Kosten für Rechtsanwälte entstehen“, weiß der 71-Jährige. Grundsätzlich setzt er auf gegenseitige Rücksichtnahme. Ohne die könne eine Nachbarschaft einfach nicht funktionieren.

Zum Thema

Bei Streitigkeiten mit den Nachbarn kann das Schiedsamt angerufen werden. Für den Innenstadtbereich ist Arnold Kleining (Grüner Weg 22, Telefon 0 25 53 / 7 22 05 88), für die Bauerschaften sowie die Ortsteile Franz Heuing (Wester 218, Telefon 0 25 53 / 29 29) zuständig. Beide Schiedspersonen vertreten sich im Verhinderungsfall gegenseitig.

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