Zwischen Adrenalin und Wartezone
Physiotherapeut Peter Müller behandelte Leichtathleten bei der EM in Berlin

Sendenhorst -

Das Publikum bejubelte die Sieger bei der Leichtathletik-EM in Berlin. Doch die harte Arbeit hinter den Kulissen auf dem Weg zur EM bleibt verborgen. Einer, der weiß, wie es dort zugeht, ist Physiotherapeut Peter Müller, der am Montag von den Europameisterschaften aus Berlin zurückkehrte und dort viele erfolgreiche Sportler behandelt hat.

Donnerstag, 16.08.2018, 18:29 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.08.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 16.08.2018, 18:29 Uhr
Peter Müller macht hier den Sprinter Julian Reus fit. Reus war beteiligt an dem spektakulären Sturz bei der letzten Staffelübergabe im Vorlauf der 4x100-Meter-Staffel der Männer.
Staffel 4 x 100 m Vorlauf, Männer: Lucas Jakubczyk (l.) aus Deutschland stürzt beim Wechsel mit Julian Reus (r.) aus Deutschland. Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Elf Sekunden – dann ist alles vorbei, der Wettkampf der 100-Meter-Sprinterinnen schon entschieden. Über Stunden dehnt sich dagegen das Warten auf den Start; der Weg dorthin ist jahrelanges Training. Das Publikum bejubelt die Sieger, doch die harte Arbeit hinter den Kulissen bleibt verborgen. Einer, der weiß, wie es dort zugeht, ist Physiotherapeut Peter Müller, der am Montag von den Europameisterschaften aus Berlin zurückkehrte und dort viele erfolgreiche Sportler behandelt hat.

Kugelstoßer David Storl, Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz, Diskuswerfer Christoph Harting und natürlich die Sprinterinnen, allen voran Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto: Sie vertrauten in Berlin auf die physiotherapeutische Behandlung von Peter Müller. Noch kurz vor der EM hatte er die beiden schnellen Frauen im St.-Josef-Stift behandelt (die WN berichteten). Die Wettkampftage verbrachte Müller auf dem Einlaufplatz, wo er das Vorbereitungstraining begleitete: „Ich war nicht ein einziges Mal im Stadion, sondern habe die EM auf der großen Videoleinwand miterlebt.“

Lange Nächte sind tabu

Adrenalin pur gab es bereits zu Beginn der Europameisterschaften, als Gina Lückenkemper auf der 100-Meter-Strecke zu Silber lief. Als neues, sympathisches Gesicht der deutschen Leichtathletik gefeiert, musste sie nun bis zum letzten Wettkampftag ausharren, ehe sie in der Staffel am Sonntagabend noch einmal Edelmetall ins Visier nahm. „Den Spannungsbogen in diesen Tagen hochzuhalten, stellt eine gewisse Belastung dar“, weiß Müller. Die Tage pendeln zwischen täglichem Training und Hotelzimmer-Lethargie, denn ausgedehntes Stadtbummelprogramm und lange Nächte sind absolut tabu.

Noch am Wettkampftag wurde die Aufstellung der Staffel geändert. „Das brachte noch einmal etwas Unruhe, aber der Bundestrainer wollte auf Nummer sicher gehen“, erzählt Müller. So kam Rebekka Haase ins Team, die zwar läuferisch nicht in ihrer Bestform war, aber eine Bank bei den Stabwechseln ist. „Das kann eine gute Zehntelsekunde bringen und auf dieser Distanz entscheidend sein.“

Herausforderungen am laufenden Band

Zwischen Vorlauf und Finale dehnten sich noch einmal zwei Stunden des Wartens und Vorbereitens. Auf dem Einlaufplatz war das Staffelquartett Zeuge des spektakulären Sturzes im deutschen Männerstaffelteam. „Der Muskelfaserriss von Schlussläufer Lucas Jakubczyk war für die Männer sehr ärgerlich. Für die Mädchen bedeutete es, sofort weg von der Videoleinwand und wieder auf die eigene Vorbereitung konzentrieren. Alles andere wäre kontraproduktiv gewesen.“ In Einzelrennen sind Gina Lückenkemper, Tatjana Pinto, Rebekka Haase und Lisa-Marie Kwayie Konkurrentinnen, in der Staffel bilden sie ein Team. Auch diese Herausforderung haben sie gemeistert und am Ende Bronze geholt.

"Das hat der Leichtathletik gut getan"

„Die EM in Berlin war eine sehr gelungene Veranstaltung: Die Leistung der Athleten, das Event einschließlich der Siegerehrung am Breitscheidplatz und das sehr faire Berliner Publikum – alles passte. Das hat der Leichtathletik gut getan“, meint Müller. Auch der Heimvorteil habe den Medaillenregen etwas ergiebiger ausfallen lassen.

In gut zwei Wochen packt Peter Müller schon wieder seine Sachen für „Berlin fliegt“ am Brandenburger Tor und das ISTAF in Berlin. Sein nächstes großes Ziel: 2019 die WM in Katar. Und natürlich: Olympia 2020 in Tokio.

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