„Naturpott“: Campingplatz Borkenberge erhält neues Gesicht
Bungalows weichen Naturbad

Seppenrade -

Thomas Fischer weiß, worauf er sich eingelassen hat. Anfang des Jahres hat er den Campingplatz gegenüber des Flugplatzes Borkenberge übernommen. „Der Platz hat einen desaströsen Ruf“, sagt Fischer. Das will er nun ändern – und modelt das Areal komplett um.

Mittwoch, 15.08.2018, 13:14 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 15.08.2018, 13:14 Uhr
Die Bungalows von 60 Parzellen im vorderen Bereich des Campingplatzes lässt der Geschäftsführer Thomas Fischer abreißen. An deren Stelle sollen ein Spielplatz und ein Schwimmteich entstehen. Das neue und moderne Duschhaus wird bereits genutzt.
Die Bungalows von 60 Parzellen im vorderen Bereich des Campingplatzes lässt der Geschäftsführer Thomas Fischer abreißen. An deren Stelle sollen ein Spielplatz und ein Schwimmteich entstehen. Das neue und moderne Duschhaus wird bereits genutzt. Foto: Niklas Tüns

Um klare Worte ist Thomas Fischer, der Geschäftsführer des Campingareals gegenüber des Flugplatzes Borkenberge, nicht verlegen. „Der Platz hat einen desaströsen Ruf.“ Dass dieser Satz ausgerechnet aus seinem Mund stammt, mag zunächst verwundern. Doch mit dem alten Konzept des Campingplatzes will der Halterner nicht in Verbindung gebracht werden. Im Zuge der Übernahme am 1. Januar vollzog er einen „radikalen Cut“, wie er selbst sagt. Er möchte dem Platz ein neues Gesicht verpassen.

Die Maßnahmen hierfür sind bei einem Gang über das Gelände unübersehbar. Schuttberge türmen sich entlang der Wege auf, halb abgerissene Bungalows warten verlassen auf den Bagger. 60 Parzellen am Eingang des Campingplatzes weichen im Laufe des Jahres einem neuen Freizeitbereich. „Hier wurde viele Jahre nichts investiert“, sagt Fischer. „Der touristische Anteil war gleich null.“ Er möchte das ändern. Ein Spielplatz in Zechen-Optik und ein Naturbad sind geplant. Das Empfangsgebäude und das Restaurant werden umgebaut sowie ein Kilometer Wasserrohre verlegt. Das neue Duschhaus ist bereits in Betrieb.

Mit insgesamt drei Jahren Bauzeit für den Platz, der nun „Naturpott Borkenberge“ heißt, rechnet Fischer. Für 2022 erhofft er sich 22 500 Übernachtungen. Neben 180 Jahrescampern sollen auch 70 Kurzzeit-Stellplätze für Touristen sowie Zeltmöglichkeiten dazu beitragen. „Wir haben das Ruhrgebiet vor der Haustür“, so der 30-Jährige. „Was die Leute möchten, ist spontan über das Internet buchen, wenn das Wetter gut ist.“ Ein Touristencamper lasse zudem im Vergleich zum Dauercamper mehr Geld vor Ort.

Fischer hält die Neuausrichtung für notwendig, um wirtschaftlich zu überleben. „Als ich den Platz übernommen habe, waren von den 320 Stellplätzen nur 50 Prozent belegt“, sagt er. „Es wurde sich auf die Jahrescamper verlassen. Wäre das so weitergelaufen, hätte der Platz in ein paar Jahren komplett schließen müssen.“

Unmittelbare Auswirkungen hat die Neustrukturierung selbstverständlich auf die langjährigen Bewohnern. „Das war hart“, meint der Halterner dazu, dass einige Camper nach teils 30 Jahren ihre Parzellen wegen der Bauarbeiten verloren haben. Zwölf von ihnen sind innerhalb des Geländes umgezogen. Im vergangenen Dezember führte er mit jedem der 160 Parzellenpächter des Platzes Einzelgespräche, bei denen er seine Entscheidung erklärte. Fischer ist optimistisch, dass die Bestandscamper nicht nur die Bauarbeiten und gestiegenen Pachtpreise, sondern auch die touristischere Ausrichtung des Platzes akzeptieren werden. „Die Quote an Leuten, die sich beschweren, ist deutlich geringer als erwartet“, sagt er. „Und die Jahrescamper freuen sich auch auf den Schwimmteich.“ Zudem existiere eine räumliche Trennung zwischen Dauer- und Touristencamper.

Wir suchen den Weg zurück zu dem, was wir dürfen.

Thomas Fischer

Die 144 Personen, die ihren Erstwohnsitz auf dem Leversumer Platz angemeldet haben, können weiterhin auf diese Art dort leben. Neuen Campern bleibt das verwehrt, so der Geschäftsführer. Strenger greift er bei der Behausungsgröße durch. Die in der Campingplatzverordnung erlaubten 50 Quadratmeter seien mitunter deutlich überschritten worden. „Wir suchen den Weg zurück zu dem, was wir dürfen.“

Mehrfach bekräftigt Fischer, dass er von dem Eine-Million-Euro-Projekt und von Camping als Erholungsmöglichkeit überzeugt ist. „Wenn ich sehe, wie Familien anreisen und eine geile Zeit haben, freut mich das.“ Ihm selbst wurde die Campingbegeisterung in die Wiege gelegt. Seine Eltern betreiben seit den 1980er Jahren einen Platz in Hausdülmen.

 

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