Hans Günter Winkler ist tot
„Nichts kann eine Medaille ersetzen“

Warendorf -

Der erfolgreichste Springreiter aller Zeiten ist gestorben: Hans Günter Winklers Leben hat kurz vor seinem 92. Geburtstag sein Ende gefunden. Der 1926 in Barmen geborene Ehrenbürger Warendorfs ist ein Inbegriff sportlichen Ehrgeizes.

Montag, 09.07.2018, 09:20 Uhr aktualisiert: 09.07.2018, 19:26 Uhr
Die Stadt feierte ihren Ehrenbürger und Reitsportlegende Hans Günter Winkler, hier mit Tochter Jytte, anlässlich seines 90. Geburtstatsg mit einem triumphalen Empfang.
Die Stadt feierte ihren Ehrenbürger und Reitsportlegende Hans Günter Winkler, hier mit Tochter Jytte, anlässlich seines 90. Geburtstatsg mit einem triumphalen Empfang. Foto: Jonas Wiening

Er ist für Deutschland geritten – und das war ihm zeitlebens eine Ehre. Am Montag ist Hans Günter Winkler, der erfolgreichste Springreiter aller Zeiten, im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Ehrenbürger der Stadt Warendorf wäre am 24. Juli 92 Jahre alt geworden.

Olympische Medaillen, Weltmeistertitel, Turniersiege und höchste Ehrungen wie das Bundesverdienstkreuz sind Stationen auf einem Weg, der in ganz kleinen Verhältnissen begann. Mit fünf Goldmedaillen war HGW, wie er abgekürzt in Reiterkreisen genannt wurde, der erfolgreichste Springreiter in der Geschichte des olympischen Sports. Genauso berühmt wie Winkler selbst ist seine Stute Halla, die den verletzten Reiter 1956 zu Gold trug und auch Reitsport-Laien ein Begriff ist.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Warendorf

Hans Günter Winkler hat nach dem Zweiten Weltkrieg quasi mit nichts angefangen – und sich konsequent einen Platz in der Gesellschaft erarbeitet und erobert. Mit Hilfe des Reitsports wurde er zu internationalen Berühmtheit. Weltweit unterwegs und erfolgreich, aber solide verwurzelt auf seinem Anwesen Birkenhof in Warendorf, wo er 1950 ankam, das seine Heimat wurde – und bis zu seinem Tod geblieben ist.

Hans Günter Winkler: Einer der populärsten Sportler der 50er und 60er Jahre

1/18
  • Springreiter-Legende Hans Günter Winkler ist nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung vom Montag im Alter von 91 Jahren gestorben. Foto: Z1004 Peer Grimm
  • Mit fünf Goldmedaillen ist Winkler der erfolgreichste Reiter der Olympia-Geschichte. Winkler gewann in seiner Karriere außerdem eine Silber- und eine Bronzemedaille.

    Foto: dpa
  • Springreiter Winkler lenkte seine Stute Halla trotz starker Schmerzen fehlerfrei durch den zweiten Umlauf im olympischen Nationenpreis von Stockholm und sicherte sich die Einzel- und der deutschen Equipe die Mannschafts-Goldmedaille. Seit dem Gold-Ritt ranken sich zuweilen märchenhafte Erzählungen um die große Sternstunde des deutschen Reitsports im Sommer 1956.

    Foto: A9999 DB
  • Berühmt wurde der Reiter vor allem durch seine Ritte mit der Stute Halla bei den Olympischen Spielen 1956. Hier steht Hans-Günter Winkler vor dem Standbild aus Bronze der Wunderstute "Halla", aufgenommen anlässlich der feierlichen Enthüllung vor dem Deutschen Olympiade-Komitee für die Reiterei.

    Foto: Roland Scheidemann
  • Winkler verletzte sich in der ersten Runde der Einzel- und Mannschafts-Entscheidung so schwer, dass er beim Reiten starke Schmerzen hatte. Foto: Dominique Leppin
  • Angeführt vom erfolgreichen Reiter Hans-Günter Winkler, der die Fahne trägt, marschiert die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland am 17.07.1976 bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele in das Olympiastadion von Montreal ein.

    Foto: dpa
  • Obwohl er Halla beim zweiten Durchgang kaum helfen konnte, trug ihn die Stute ohne Fehler zum Doppel-Gold. Foto: Friso Gentsch
  • Ludger Beerbaum, Hans Günter Winkler und Ulrich Kirchhoff (v.l.) stellen sich am 04.08.1996 in Atlanta nach der olympischen Entscheidung im Springreiten-Einzel, das Kirchhoff mit seinem Pferd Jus de Pommes für sich entscheidet, zum Gruppenfoto.

    Foto: dpa
  • Der Reiter, der oft mit seinem Spitznamen „HGW“ gerufen wurde, gewann zweimal den Einzel-Titel bei Weltmeisterschaften. Foto: Marion Bulla
  • Handball-Weltmeister-Coach Heiner Brand (r.) hält die "Goldenen Sportpyramide 2007" mit den Gewinnern der vergangenen Jahre, Franz Beckenbauer, Roland Matthes, Ingrid Mickler-Becker, Uwe Seeler, Hans Günter Winkler, Rosi Mittermaier-Neureuther und Manfred Germar (v.r.) am 25.05.2007 in Berlin.

    Foto: dpa
  • Winkler startete in mehr als 100 Nationenpreisen für die deutsche Mannschaft. Seine Karriere beendete Winkler 1986 in Aachen, wo er dreimal beim CHIO den Großen Preis gewann. Foto: Uwe Anspach
  • Er erhielt später zahlreiche Auszeichnungen, darunter das große Bundesverdienstkreuz. Winkler war viermal verheiratet. Foto: Lowinski
  • Hans-Günter Winkler bei seiner Verabschiedung bei den Löwen Classics 2014 am 09.03.2014 in der Volkswagenhalle in Braunschweig. Foto: Dominique Leppin
  • Winkler wurde 1926 in Barmen (bei Wuppertal) geboren. Foto: Friso Gentsch
  • Winkler trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Warendorf ein. Foto: Wiening
  • Der ehemalige Springreiter Hans Günter Winkler posiert am 16.03.2016 im Trophäenraum in seinem Haus in Warendorf vor seinen Pokalen. 

    Foto: dpa
  • Der frühere deutsche Springreiter Hans Günter Winkler im westfälischen Warendorf vor dem Stall seines Hengstes Cellini. Foto: Bernd Thissen
  • Springreiter-Legende Hans-Günter Winkler ist beim CHIO, dem Großen Preis von Aachen, zu Gast.

    Foto: Friso Gentsch

Diese Verbundenheit war der Stadt vor zwei Jahren ein Empfang anlässlich des 90. Geburtstags von HGW wert. Nicht nur das: 60 Jahre nach dem gigantischen Empfang für Olympiasieger Hans Günter Winkler auf dem Warendorfer Marktplatz rollte die Stadt ihrem Ehrenbürger wieder den „roten Teppich“ aus: Mit einem großen Festumzug mit anschließendem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Winkler fuhr mit Tochter Tochter Jytte in der Kutsche vor.

Es gibt nur einen Weg zur großen Spitze. Der ist schwierig, mit vielen Hindernissen gespickt, aber es lohnt sich, dafür auf vieles zu verzichten.

Hans Günter Winkler

Er hat sich immer für den Reitsport und für Warendorf im Besonderen eingesetzt. Warendorf als „Stadt des Pferdes“ hat so nationale und internationale Bekanntheit erhalten. Seit 1950 war die Stadt Warendorf sein Lebensmittelpunkt.

Über den Tod seiner vierten Ehefrau, der Amerikanerin Debby Malloy, kam HGW nie richtig hinweg. Am 18. Februar 2011, nach einer Trainingseinheit, stürzte die Springreiterin von ihrem Pferd. Drei Tage später erlag Debby Winkler (51) ihren schweren Verletzungen. Das Paar hatte 1994 geheiratet.

Ein Mann mit Rückgrat

Zwei Ziele hatte Hans Günter Winkler im Leben: Er wollte für Deutschland reiten. Und er wollte der Beste sein. Beides hat er geschafft. Mehr als das. Er ist zu einer Legende des Springsports geworden. Seine Initialen: HGW, ein Begriff. Er sagte einmal im WN-Interview: man muss eine Linie haben im Leben. Er hatte eine Linie. Und er hatte eine klare Priorität: „Der Sport war meine Nummer eins. Das hatte absolut Vorrang.“ Für den Sport brauche man Kopf, betonte er, und man müsse ein Mensch sein, der sich durchsetzen kann.

Die letzten Jahre zwei Jahre war es ruhig geworden um HGW. In der Öffentlichkeit sah man ihn weniger, Ämter hatte er abgegeben. Das Alter hatte seine Haltung gebeugt. Aber spürbar war die Kraft vergangener Tage und das Bewusstsein für das, was er geleistet hat. Ein Mann mit Rückgrat.

Der Nachwuchsförderung galt auch im hohen Alter seine besondere Aufmerksamkeit. Er war Initiator des HGW-Nachwuchschampionats. Ein Sprungbrett, das auch schon Spitzenreiter wie Daniel Deußer, Mario Stevens und Eva-Maria Bitter genutzt haben. Um sein Lebenswerk zu erhalten, hat er eine Stiftung ins Leben gerufen, Debby Winklers besonderer Herzenswunsch. Dazu soll auch sein Gut Birkenhof gehören, dessen Leitung Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt inne hat.

Mit der Stiftung sollen auch künftig junge Talente unterstützt und Nachwuchsprüfungen gesichert werden. „Der Sport hat mir unheimlich viel gegeben, vielleicht kann ich etwas zurückgeben.“ Der Sport und der sportliche Wille waren es, um was es Winkler immer ging: „Es gibt nur einen Weg zur großen Spitze. Der ist schwierig, mit vielen Hindernissen gespickt, aber es lohnt sich, dafür auf vieles zu verzichten. Denn nichts kann eine Medaille ersetzen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5891678?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker