Kritik am EU-Gesetz
Neue Datenschutzverordnung gefährdet Luftballonwettbewerbe

Warendorf/Freckenhorst -

Die heute in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung der EU sorgt nicht gerade für Begeisterungsstürme und stellt sogar lieb gewonnene Traditionen in Frage. Zum Beispiel Luftballonwettbewerbe für Kinder.

Donnerstag, 24.05.2018, 23:00 Uhr

Geht es nach Achim Hensdiek (kleines Foto), wird es für Kinder wie Jonah auch in Zukunft Luftballonwettbewerbe geben, dann aber in anonymisierter Form (Foto rechts).
Fallen Luftballonwettbewerbe der neuen Datenschutzverordnung zum Opfer? Foto: Joke Brocker

Sie treibt schon jetzt seltsame Blüten, die heute in Kraft tretende Datenschutz-Grundverordnung der EU. So wird es ab sofort aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr so einfach möglich sein, Luftballon-Wettbewerbe auf die Beine zu stellen.

Einverständnis beider Elternteile sind Pflicht

Minderjährige dürften die an den Ballons hängenden Karten nur dann mit Namen und Adresse versehen, wenn beide Erziehungsberechtigten ausdrücklich ihr Einverständnis erklärten, berichtet André Auer, vom Stadtmarketing in Warendorf, aus einer Fortbildung mit einem Rechtsanwalt.

Anlass für Auer und seine Kollegen, über Alternativen zum Luftballonwettbewerb auf der Warendorfer Mariä-Himmelfahrts-Kirmes nachzudenken. Vielleicht sei es ja auch an der Zeit für eine reizvolle Alternative, meint Auer, der der Vermüllung der Landschaft durch herumliegende Luftballon-Reste ohnehin nichts abgewinnen kann. Denkbar sei zum Beispiel ein Glücksrad mit Direktgewinnen. Noch, betont er, sei aber nichts entschieden.

Alternative Verfahren überzeugen nicht

„Da stirbt eine Tradition“, ärgert sich Achim Hensdiek vom Freckenhorster Krüßing-Arbeitskreis über die Auswirkungen der Datenschutz-Grundverordnung. Sein Arbeitskreis halte am Luftballonwettbewerb zur Krüßing-Kirmes fest. Um nicht gegen Recht und Gesetz zu verstoßen, wird das Verfahren jedoch mit Hilfe eines Doppelloses anonymisiert: Die Karte, die mit den Ballons auf die Reise geht, wird künftig mit einer Nummer versehen sein, die sich auch auf einem Kartenabschnitt befindet, den der Teilnehmer behält.

Schickt der Ballon-Finder dann die Karte zurück, sollen die Gewinner-Nummern in der Zeitung und auf der Internet-Homepage des Arbeitskreises veröffentlicht werden. Ein Verfahren, dass André Auer nicht hundertprozentig überzeugt: „Ob die Auswärtigen die Zeitung vor Ort lesen?“

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