Vereint in Heek
Wiedersehen auf Dauer für Familie Omar

Heek -

Vater Sherzad rechts, Mutter Hanan links, die Kinder Raman und Ayaz dazwischen: Einmal lächeln – und das Familienfoto ist im Kasten. Es ist das erste nach langem Warten, Hoffen und Bangen. Drei Jahre und zehn Tage war der Syrer Sherzad Omar von seiner Familie getrennt. Bis vergangenen Dienstag.

Dienstag, 31.10.2017, 06:00 Uhr

Einmal zusammenrücken bitte: Etwas schüchtern, aber glücklich blickt Familie Omar vom Sofa ihrer neuen Wohnung in die Kamera.
Einmal zusammenrücken bitte: Etwas schüchtern, aber glücklich blickt Familie Omar vom Sofa ihrer neuen Wohnung in die Kamera. Foto: Mareike Katerkamp

Vater Sherzad rechts, Mutter Hanan links, die Kinder Raman und Ayaz kuscheln sich in die Mitte: Einmal lächeln – und das Familienfoto ist im Kasten. Es ist das erste auf dem Sofa ihrer neuen Heimat. Das erste nach langem Warten, Hoffen und Bangen. Drei Jahre und zehn Tage war der Syrer Sherzad Omar von seiner Familie getrennt. Bis vergangenen Dienstag.

Schon früh sind die Vier an diesem Morgen wach. Die Jungs schlafen derzeit auf einer Ausziehcouch im Wohnzimmer, ihre Eltern in einem kleinen Schlafzimmer nebenan. Vor dem Pressegespräch steht bereits der erste Behördengang an, im Beisein des Flüchtlingshelfers Manfred Falkenberg wollen die Eltern Kindergeld beantragen. Die Jungs Raman und Ayaz sind schon morgens voller Energie, nur schwer können sich der Sieben- und der Elfjährige auf den Stühlen halten.

Erster Schultag am Montag

Deutsch sprechen die Mutter und Kinder bislang nicht. Doch das wollen alle drei schnell ändern. Hanan geht zwei Mal die Woche zum Sprachkurs und lernt zusätzlich mit einer Ehrenamtlichen. Für die Jungs ist Montag der große Tag. Dann geht es zum ersten Mal in die Grundschule.

Nicht nur für die Kinder ist alles noch aufregend und neu. Auch Vater und Mutter müssen sich an das Zusammenleben wohl erst noch gewöhnen. Denn viel Zeit ist vergangen, seitdem sie das letzte Mal als Familie zusammen auf dem Sofa saßen. Zeit, die von einschneidenden Erlebnissen geprägt war.

2014 geflohen

2014 machte sich Sherzad Omar nach Deutschland auf. Zuvor hatte er Agrarwissenschaften in Syrien studiert, danach viele Jahre als Beamter gearbeitet. Doch während des Kriegs verlor er seine Arbeit, wurde politisch verfolgt, wie er erzählt.

Zwei Monate war der heute 43-Jährige unterwegs, mal zu Fuß, mal mit dem Auto. Seine Route führte über die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn bis nach Deutschland. Im November 2014 kam er dann in Heek an, nur wenige Tage später begann er, Deutsch zu lernen und beim Bauhof zu arbeiten. Doch bis er seine Aufenthaltserlaubnis bekam, sollte es noch fast drei Jahre dauern.

Denn registriert worden war der Vater schon in Ungarn, gemäß der Dublin-Verordnung hätte er also dorthin abgeschoben werden müssen. Doch das Verwaltungsgericht in Münster entschied sich dagegen. Also hieß es noch einmal warten. Vor Kurzem dann hielt er zum ersten Mal ein kreditkartengroßes Dokument in der Hand – seinen auf drei Jahre befristeten Aufenthaltstitel.

Flucht über die Türkei

Seine Frau und die zwei Kindern kehrten der Heimat in Syrien vor einem Jahr den Rücken. In ihrer Wohnung war zuvor Dynamit hochgegangen. Die 35-Jährige wählte die gleiche Route wie ihr Mann, zehn Monate mussten sie und die Kinder unter anderem in Serbien ausharren, bis es weiterging.

Sherzad Omar ging währenddessen auf Jobsuche – und hatte Erfolg. Als Lagerarbeiter ist er mittlerweile bei einer Firma in Münster tätig, jeden Tag pendelt er mit dem Schnellbus dort hin. Bauzaun, Radlader, Maurerschnur – die Worte kommen ihm längst problemlos über die Lippen.

Schließlich kam auch seine Familie in Deutschland an, zunächst ging es für die drei nach Münster und Schöppingen, vor einer Woche dann endlich nach Heek. Und jetzt? „Möchten wir unser neues Leben leben und in Heek bleiben“, sagt Sherzad Omar und lächelt. Seinen Lebensmut hat er in all den Jahren nicht verloren.

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