Katalanen in Ahlen
Unabhängigkeit würde zu nichts führen

Ahlen -

Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza stammt gebürtig aus Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens. Der Gastronom und seine Frau verfolgen die politischen Entwicklungen gespannt. Und haben eine eindeutige Haltung.

Dienstag, 31.10.2017, 15:00 Uhr

Blicken besorgt nach Spanien: Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza hält nichts von einer Abspaltung. Ein Banner mit einem Herzen aus den Flaggen Kataloniens, Spaniens und Europas tragen Menschen bei den Protesten.
Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza hält nichts von einer Abspaltung. Ein Banner mit einem Herzen aus den Flaggen Kataloniens, Spaniens und Europas tragen Menschen bei den Protesten. Foto: dpa

Als Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza zusammen mit Ehefrau Manuela am Sonntagmittag das spanische Spezialitätenrestaurant „El Alba Espanol“ am Marktplatz öffnet, demonstrieren in seiner Geburtsstadt Barcelona Hunderttausende gegen die Abspaltung Kataloniens von Spanien und fordern gar die Gefängnisstrafe für Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont. Die aktuellen politischen Entwicklungen um den Katalonien-Konflikt verfolgt das Ehepaar von Ahlen aus nun schon seit Wochen. Und das nicht ganz sorglos, zumal Augusto de las Casas Dezas Sohn, seine Schwestern und der Schwager in Spanien leben. Der Inhaber des „El Alba“ stammt zwar aus der katalanischen Hauptstadt Barcelona, betont aber: „Ich fühle mich in erster Linie als Spanier.“ Und stellt klar: „Eine Unabhängigkeit Kataloniens würde zu nichts führen.“

Die Einschätzung des Gastronomen und leidenschaftlichen Kochs teilen derweil nicht nur tausende Demonstranten, auch dessen Ehefrau Manuela. Sie meint genauso, dass eine Loslösung Kataloniens „sinnlos“ wäre. Viele Unternehmen hätten sich in jüngster Zeit bereits aus der Region zurückgezogen, gibt sie zu bedenken. Während der sich zuspitzenden politischen Eskalation, die zum Unabhängigkeitsvotum und dann letztlich zur Absetzung der katalanischen Regierung geführt hat, habe sie sich Gedanken darüber gemacht, ob die Zutaten aus Barcelona tatsächlich noch in Ahlen ankommen würden, erzählt sie. Schließlich stehen auch katalanische Spezialitäten auf der Speisekarte des „El Alba“, das den Großteil der Waren aus Spanien bezieht.

Politische Entwicklungen könnten also – immerhin sahen manche Kommentatoren zwischenzeitlich sogar die Gefahr eines spanischen Bürgerkriegs – recht schnell weitreichende negative wirtschaftliche Auswirkungen für eine nach Autonomie strebende Region nach sich ziehen. Sei es auch „nur“, dass eine „Katalanische Wurstplatte“ von der Speisekarte in Ahlen und anderswo gestrichen werden müsste. Dazu ist es indes nicht gekommen.

Am Wochenende schienen die Emotionen in Spanien laut Medienberichten zwar noch sehr aufgeheizt, nachdem Ministerpräsident Mariano Rajoy die Absetzung der Regionalregierung verkündet hatte. Dass den separatistischen Bestrebungen nun Einhalt geboten wurde und Katalonien jetzt unter der Zwangsverwaltung der Zentralregierung in Madrid steht, finden Manuela und Augusto Munoz Ramírez de las Casas Deza indessen eher beruhigend. „Bis die Katalonien-Krise überstanden ist, wird es wohl noch eine Weile dauern“, räumen sie dabei ein. Vor allem aber hofft das Ehepaar nicht ohne südländische Gelassenheit – „Es wird schon nichts allzu Schlimmes passieren“ – auf eine baldige Entspannung der politisch aufgeheizten Lage. Dass es nach den dramatischen Entwicklungen der letzten Tage laut der jüngsten Nachrichtenmeldungen aus Spanien nicht zu den befürchteten gewaltsamen Ausschreitungen gekommen ist und selbst die große Demonstration in Barcelona am Sonntag weitgehend friedlich verlief, gibt ihnen in dieser Hinsicht zunächst einmal Recht.

Und auch den Lieferungen von katalanischen Spezialitäten aus Augusto de las Casas Dezas Geburtsstadt Barcelona nach Ahlen steht, wie es zurzeit aussieht, wohl nichts im Wege.

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