Seminar in Rheine
Nikolaus kann nicht jeder

Rheine -

Bis Weihnachten ist es noch ein Weilchen hin. Aber vorher kommt ja auch noch der Nikolaus. Und Nikolaus kann nicht jeder. Das muss man lernen. Im Roncalli-Haus fand am Samstag erstmals in Rheine ein ganztägiges Nikolaus-Seminar statt, bei dem die Teilnehmer das nötige Rüstzeug für diese verantwortungsvolle Aufgabe erwerben konnten. 

Montag, 30.10.2017, 15:55 Uhr

Stück für Stück verwandelt sich Kai-Uwe Richter in den Nikolaus.
Stück für Stück verwandelt sich Kai-Uwe Richter in den Nikolaus. Foto: Klaus Dierkes

Weil es bei der Öffentlichkeitsar­beit im Vorfeld wohl irgendwo gehakt hatte, kamen leider nur vier Teilnehmer. Die waren dafür aber mit ganzem Herzen bei der Sache.

Zum Beispiel Josef Markfort aus Rheine. Der 56-Jährige war in jungen Jahren im Einzelhandel tätig. „Und als Neuling musste man da auch schon mal den Nikolaus spielen“, erzählt er schmunzelnd. Später ist er dann dabei geblieben und heute ein begeisterter Nikolausdarsteller.

Aus Hamm ist Kai-Uwe Richter angereist und hat gleich seine beiden Kinder Adriana und Richard mitgebracht. Während Papa sich in Rheine den letzten Schliff für den nächsten Nikolausauftritt holt, lassen sich seine beiden Kinder als „Nikolaus-Begleitpersonal“ ausbilden – Adriana als Weihnachtsengel und ihr Bruder Richard als Elf. „Erst wollte ich Knecht Ruprecht werden. Aber der ist immer so streng. Elf gefällt mir besser“, erzählt Richard.

Gute Vorbereitung erleichtert Auftritt

Gehalten wurde das über das Erzbistum Köln organisierte Seminar von den beiden erfahrenen Nikoläusen Matthias Degener aus Neuss und Dennis Artmeier aus Augsburg. Degener ist seit zwölf Jahren als Nikolaus un­terwegs, Artmeier seit sechs Jahren.

Breit war das Themenspektrum des Seminars. Es umfasste das gesamte Nikolaus-ABC von (A)dvent bis (Z)ipfelmütze. Das aus 13 Tei­len bestehende Gewand des Nikolaus wurde vorgestellt. Die Teilnehmer lernten den wahren, historischen Nikolaus kennen. Heiligen-Legenden, Weihnachtslieder und der Umgang mit Kindern und Eltern gehörten auch zum Programm. Was ist bei Besuchen in Kindergärten, Flüchtlingsunterkünften oder Senioreneinrichtungen zu beachten? Eine gute Vorbereitung erleichtert den Auftritt auf jeden Fall, wissen Degener und Artmeier.

Es fehlt der Nachwuchs

„Ein wenig Psychologie gehört natürlich auch immer dazu, wenn man zum Beispiel in einen fremden Haushalt kommt. Aber der Nikolaus kann mit seinem Auftritt nicht das reparieren, was die Eltern vielleicht an 364 Tagen im Jahr falsch gemacht haben“: Matthias Degener kennt seine Grenzen als Nikolaus-Darsteller. Nach knapp sechs Stunden ist das Programm durch – und die Nikoläuse sind gerüstet für die Saison. Das bekommen sie sogar schriftlich in Form ei­nes Zertifikates. Der Samstag endete mit der Kostümanprobe und der Aussendung der frisch gebackenen Nikoläuse durch Pfarrer Erich Elpers in der Krypta der Herz-Jesu-Kirche.

Das Seminar hatte durchaus einen ernsten Hintergrund: „Viele Menschen kennen den historischen Nikolaus gar nicht mehr und verwechseln ihn mit dem Weihnachtsmann. Den hat aber die Getränkefirma Coca-Cola erst vor rund 80 Jahren erfunden“, erläutert Matthias Degener. Das Vorbild des echten Nikolaus, den Bischof Nikolaus von Myra, hat es wohl wirklich gegeben. Er soll im 4. Jahrhundert nach Christus in Kleinasien gelebt, Wunder gewirkt und Geschenke verteilt haben. Sein Gewand war ei­ne rote Bischofsrobe.

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Doch der Nikolaus hat noch weitere Probleme: Es fehlt der Nachwuchs. Degener: „Die alten Nikoläuse treten irgendwann ab, ohne Nachfolger angelernt zu haben. Mit unserem Seminar versuchen wir deshalb, das nötige Wissen weiterzuvermitteln.“

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