Sagen und Mythen
Gruselige Orte im Münsterland

Münsterland -

Es soll keiner glauben, dass wir hier unter uns sind: Teinuhrshund und Jungfer Eli, mordende Landsknechte, der Rentmeister Schenkewald, der Teufel sowieso. Es gruselt überall im Münsterland. Wir haben die unheimlichsten Geschichten zusammengetragen.

Dienstag, 31.10.2017, 10:37 Uhr

Sagen und Mythen: Gruselige Orte im Münsterland
Das Venner Moor: Im Jahre 2002 wurde hier eine Moorleiche entdeckt. Allerdings nur im Film und zwar für den ersten in Münster-Tatort: "Der dunkle Fleck". Foto: Dieter Klein

Also: Nackenhaare hochstellen. Pupillen weiten, Angstschweiß fließen lassen. Eine Expedition in eine sagenhafte Welt.

 

Das sind die unheimlichsten Orte im Münsterland

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  • Die Teufelseiche in der Davert bei Davensberg steht für diese unwirtliche Gegend voller Wiedergänger und Spukgestalten. In die Davert wurden Geister wie der Rentmeister Schenkewald verbannt, der viele Leute ungestraft um Hab und Gut gebracht hatte. Nach seinem Tod fand er im Grab keine Ruhe, sondern musste im Schloss Drensteinfurt umgehen. Besonders in der Schreiberstube wühlte er in den Papieren herum und brachte alles durcheinander – bis ihn ein Pater aus Münster in die Davert verbannte. Noch heute sieht man ihn dort auf wilder Fahrt in einer Kutsche.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Teinuhrshund ist die münsterländische Antwort auf den Hund von Baskerville. Er muss pechschwarz gewesen sein, so schwarz wie die Nacht, in der er umging. Er starrte einen mit seinen zwei bösen Augen an mit einem furchtbaren Blick. „Twee Augen äs ne füerige Klucke“, abends gegen zehn Uhr zog er bis zum „Hunnebaum“ und schleppte dabei eine eiserne Kette hinter sich her. Die Leute schlossen die Fenster, bekreuzigten sich und „biewerten“ mit angehaltenem Atem. Sie flüsterten: „He gaiht wier üm!“ Solange, bis ihn ein mutiger Kerl mit Hilfe eines Leiterwagens bannte.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Kinder von Emsdetten hatten einen guten Grund, das Venn nicht zu betreten: „dat Vienmörken“, das Vennmütterchen. Und mit dem drohten die Eltern: „Dat Vienmörken haalt di!“, das Vennmütterchen holt dich. Hinter einem Torfstapel soll die Alte hin und wieder aufgetaucht sein. Und keiner kann einem sagen. War das Vennmütterchen ein böser oder ein guter Geist?

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Mersche zu Tilbeck in Havixbeck war die Frau des Meiers von Tilbeck. Sie kam in ein Gasthaus, um dort ihren Durst zu löschen. Es war schon in den Abendstunden. Als die gute Frau bezahlen wollte kramte sie in einem Beutel, der sehr prall war. Dabei murmelte sie vor sich hin: „Dusend, dusend, kinen Deut“. Das beobachteten Landsknechte, die ihr später auflauerten, sie erschlugen und ihre Geldkatze stahlen. Dabei trug die Frau gar kein Geld, sondern nur lauter Schusternägel mit sich. Diese Nägel waren es, die die Männer überführten. Sie wurden dort hingerichtet, wo heute noch das Mordkreuz Mersche Tilbeck steht. Das Mordkreuz soll Passanten dazu bewegen, für die arme Seele der Mersche Tilbeck zu beten. Da sie vor ihrem Tod nicht mit den Sterbesakramenten versehen wurde, blieb ihr der Weg in das Reich Gottes versperrt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • In der Nähe der Teufelsklippen in Tecklenburg gab es eine Höhle. Darin trafen sich Hexen und Zauberer, um ihre Zaubertränke zu brauen. Als einmal ein Tecklenburger Graf vorbeikam und das Kreischen und Johlen der Hexen hörte, sank er betäubt nieder. Alle Bewohner des Schlosses hielten ihn für tot. Nur seine Frau nicht. Die ging in der nächsten Nacht in einem weißen Gewand und mit einem Kreuz in der Hand betend zu den Teufelsklippen. Dort stieg aus einem Spalt höhnisch lachend der Teufel empor. Doch die Gräfin betete laut und hielt dem Teufel das Kruzifix entgegen. Der Teufel verschwand, die Gräfin aber kehrte in die Burg zurück und fand ihren Mann wohlauf

    Foto: Christoph Steinweg, LWL-Museum für Naturkunde
  • Im Haus Marck in Tecklenburg steckt ein Schreckstein in einer Wand, der an einen Kinderkopf erinnert. Er soll die „Weiße Frau“ oder „Witte Juffer“ daran hindern, den Bewohnern zu nahe zu kommen.

    Die Weiße Frau war zu Lebzeiten eine junge Gräfin in Tecklenburg, der ihre Schönheit wichtiger war als alles andere. Als ihr jedoch vorhergesagt wurde, dass ihre sieben Töchter viel schöner als sie selbst werden würden, ermordete sie die ersten fünf Kinder und beschuldigte die Kindfrau des Mordes.Als sie merkte, dass auch die beiden letzten Mädchen viel schöner wurden als sie selbst, schreckte die Gräfin vor neuen Morden nicht zurück und schob einer alten Frau die Morde in die Schuhe.

    Deswegen fand ihre Seele nach ihrem Tod keine Ruhe. Seitdem streift sie durch die Wälder rund um die Burg Tecklenburg und das Haus Marck. Und wer sie dabei sieht, muss sterben.

    Foto: Christoph Steinweg/LWL-Museum für Naturkunde
  • Der einstige Herr des Hauses Merfeld in Dülmen, der „tolle Merode“, hatte einen Hund, den außer ihm niemand sehen konnte. Er aß mit ihm an einem Tisch. Dabei konnte man nur sehen, wie das Futter weniger und weniger wurde. Wenn aber jemand aus der Familie Merfeld-Merode bei Dülmen sterben musste, ließ sich immer vorher ein Hündchen sehen – so wie das Freifräulein Therese. Das schoss auf den Hund, als es ihn entdeckte. Doch das Tier wurde größer und größer und sprühte Funken aus seinen glühenden Augen, bis die Therese vor Schreck in Ohnmacht fiel und ein böses Nervenfieber erlitt.

    Foto: Dülmener Zeitung
  • Die Spinnleonore war ein altes Weib, das oft mit einer Haspel (einer Spule, die beim Spinnen verwendet wird) in der Hand auf einem Schlagbaum gesehen wurde. Zu Lebzeiten hatte sie mit einer zu kurzen Elle die Leute betrogen und musste daher nach ihrem Tod in der Davert ununterbrochen haspeln.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sieht schön aus, aber am Grund spielen sich fürchterliche Dinge ab: Da, wo jetzt da heilige Meer bei Hopsten liegt, hat vor alten Zeiten ein Kloster gestanden, dessen Mönche ein gottvergessenes, ruchloses Leben führten. Da sie es gar zu arg trieben und sich nicht bessern wollten, hat der liebe Gott endlich ein Einsehen gehabt und die Mönche samt ihrem Kloster von der Erde getilgt. Damit es nicht wieder aufgebaut werden konnte, ließ er an derselben Stelle ein Meer entstehen. Noch jetzt kann man im Wasser Balken und Trümmer des Gebäudes erblicken, ja, zu gewissen Zeiten, namentlich in der Weihnachtszeit, hört man sogar in der Tiefe des Sees die Glocken läuten und die Mönche singen.

    Foto: Oliver Langemeyer
  • Im Stift Freckenhorst, vom dem nur noch ein Kreuzgang und eine alte Treppe existieren, lebte einst die Jungfer Eli. Sie war böse, geizig und gottlos. Als ihre Todesstunde kam, schickte man nach dem Pfarrer. Die Jungfer Eli war darüber so erbost, dass sie rief: „Ich sterbe nicht. Schert Euch zum Kuckuck.“ Nach ihrem Tod fing die Eli an, auf Treppen und Gängen, in der Küche und in den Ställen zu spuken. Oft sauste sie wie ein Wirbelwind durch die Abtei. Die Äbtissin fand schließlich einige Geistliche, die die Spukgestalt in die Davert verbannten. Von dort aus kommt sie einmal im Jahr nach Freckenhorst und fährt wie ein Wirbelwind durch das Stift.

    Foto: Joke Brocker

 

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Quelle: Dietmar Sauermann, „Sagenhafte Stätten. Ein Begleiter durch die Sagenwelt Westfalens.“ Ardey-Verlag 1993. (Das Buch ist nicht mehr lieferbar).

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