Herbizid
Ungewisse Zukunft von Glyphosat

Münster/Brüssel -

Wie lange werden Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat noch auf Felder und Äcker gesprüht? Während die EU-Kommission eine Verkürzung der Zulassung für den Wirkstoff in Europa auf fünf Jahre vor­geschlagen hat, zweifeln Experten an der wirtschaft­lichen Zukunft des Herbizids zumindest in Deutschland. 

Freitag, 27.10.2017, 17:49 Uhr

Herbizid: Ungewisse Zukunft von Glyphosat
Wo Glyphosat gesprüht wird, wächst sprichwörtlich kein Gras mehr - und auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Foto: Patrick Pleul

„Der Glyphosat-Einsatz wird aus meiner Sicht für die Bauern in Deutschland immer schwieriger, weil das Thema in der Öffentlichkeit überwiegend emotional diskutiert wird“, sagt Bernhard Rüb, Sprecher bei der Landwirtschaftskammer NRW. Die von Umweltverbänden und Nichtregierungsorganisationen angestoßene Debatte über eine Krebsgefahr und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt hätte dafür gesorgt, dass der Widerstand sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene zu groß geworden ist.

Ob Landwirte in Europa Glyphosat weiterverwenden dürfen, darüber entscheidet die EU. Viele Nationalstaaten sind sich nicht einig. Auch Deutschland konnte sich bisher nicht zu einer einheit­lichen Meinung durchringen – das von der CSU geführte Bundesagrarministerium ist für eine weitere längere Zulassung, das noch von der SPD geführte Umweltministerium dagegen für ein Verbot. Die Zulassung in Europa läuft Mitte Dezember aus. Da die EU-Kommission für eine Verlängerung um zehn Jahre keine Unterstützung fand, schlug sie fünf Jahre vor. Die Grünen kämpfen als Partner einer möglichen „Jamaika“- Koalition gegen Glyphosat.

Verbote laufen Entwicklung hinterher

Solche Bedenken werden in anderen Gebieten der Erde nicht geteilt. „Vor allem in Nord- und Südamerika, aber auch in den riesigen Weiten Russlands und der Ukraine werden Glyphosat und Co. bedenkenlos und vor allem intensiver eingesetzt als bei uns“, so Rüb weiter. Während in Deutschland unter verschiedenen Auflagen maximal zwei Liter pro Hektar „versprüht“ werden, sind es dort vereinzelt bis zu 20 Liter pro Hektar. „Dies führt dazu, dass der Landwirt dort einen extremen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinem deutschen Kollegen hat.“

Dabei könnten Verbote der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung hinterherlaufen. Große Chemie- und Pflanzenschutzfirmen sehen ihre Zukunft schon heute stärker in die Entwicklung neuer Sorten und kaufen deshalb schon seit Jahren ent­sprechende Patente und Firmen.  

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