Besuch beim Greenkeeper
Hier wird der Rasen gebügelt

Greven -

Das leidige Thema Rasenmähen kennt wohl jeder Gartenbesitzer. Gerne schiebt man die Aufgabe vor sich her, nimmt jede Ausrede dankend an, dann fängt es auch schon wieder an zu regnen, und urplötzlich ist der Rasen viel zu lang geworden.

Freitag, 27.10.2017, 20:00 Uhr

Maik Stenkamp war ursprünglich Gärtnermeister und hat eine zweijährige Fortbildung zum Greenkeeper gemacht. Er arbeitet beim Golfclubs Aldruper Heide. Das Green ist gerade mal 3,5 Millimeter hoch.
Maik Stenkamp war ursprünglich Gärtnermeister und hat eine zweijährige Fortbildung zum Greenkeeper gemacht. Er arbeitet beim Golfclubs Aldruper Heide. Das Green ist gerade mal 3,5 Millimeter hoch. Foto: Jan-Philipp Jenke

Über solche Probleme können die Greenkeeper des Golfclubs Aldruper Heide nur lächeln. Bei ihnen ist jeden Montag Mähtag . . . und am Mittwoch . . . und Freitag. „In der Saison eigentlich sieben Tage die Woche“, sagt Klaus Benjack. Aber da „Mähen Stress für den Rasen ist“, wird er zwischendurch gebügelt. Dabei wird mit einem Roller der Rasen umgelegt.

Benjack ist einer von fünf fest angestellten Greenkeepern im Golfclub. Er ist Quereinsteiger. „Früher habe ich im Stahlbau gearbeitet, aber mein Rücken und meine Bandscheibe sind kaputt.“ Deshalb habe er umgesattelt, vor 21 Jahren, zunächst als Greenkeeper in Mesum, seit 2011 in Greven. Er hat eine zweijährige Fortbildung zum Greenkeeper gemacht. „Dafür braucht man drei Jahre Berufserfahrung im Greenkeeping – egal ob auf dem Golf- oder Fußballplatz“, erklärt sein Kollege Maik Stenkamp, der zehn Jahre dabei ist und eigentlich Gärtnermeister ist. Diese Fortbildung wird nur an zwei Standorten in Deutschland angeboten. Darauf folgt noch der Head-Greenkeeper, eine weitere Fortbildung, für die man drei Jahre lang als Greenkeeper gearbeitet haben muss. „In den USA und England ist das Greenkeeping ein Studiengang“, betont Benjack. Das versuche man jetzt auch in Deutschland. In Osnabrück startet zum Wintersemester 2017/2018 der Studiengang „Nachhaltiges Rasenmanagement“.

Bewässerung mit Tablet gesteuert

Genug der grauen Theorie. Schließlich gibt es draußen genug zu tun. Die Saison geht von April bis Oktober. 56 Turniere hat Benjack gezählt, dazu kommen die wöchentlich wiederkehrenden Turniere für Herren, Damen, Senioren und mehr. Und die Golfspieler wollen einen perfekten Platz haben. Heißt: Der Tag beginnt im Sommer um 6 Uhr (bis 15 Uhr). „Die ersten vier Stunden sind die Wichtigsten für uns, dann ist wenig Publikum auf dem Platz“, verrät der Greenkeeper. Zu bearbeiten sind 10.000 Quadratmeter Green-Fläche, 200. 000 Quadratmeter Fairway, die Abschläge, das Vorgrün, die Driving-Range sowie die Nebenflächen. In großen Teilen wiederholen sich die Arbeiten: mähen, vertikutieren, stacheln, Topdressing (das feine Besanden, „damit die Bälle nicht paniert werden“, so Benjack), Löcher stechen, Bunker harken (40 Stück), Fehlstellen reparieren (die Stücke dafür werden von einem Ersatz-Green gestochen und eingesetzt) und vieles mehr.

Das 3,5 Millimeter hohe Green bedarf besonderer Pflege. „Es könnte ohne uns gar nicht leben“, sagt Stenkamp: „Es ist mehr ein Sandaufbau.“ Die Versorgung mit Wasser, Luft und Dünger erfolgt künstlich, die Bewässerung in der Regel nachts über ein computergesteuertes System. „Wenn es besonders trocken ist, müssen wir tagsüber mit dem Bewässerungswagen drüber“, ergänzt Benjack. Per Tablet kann die Bewässerung heute vor Ort gesteuert werden. Früher lief das über Funk. Zwischendurch wird überdies die Ballgeschwindigkeit gemessen. „Das ist schon alles eine Wissenshaft für sich und braucht viel Zeit“, resümiert der Greenkeeper.

Golf auch im Winter

Das Fairway ist übrigens 16 Millimeter hoch und laut Stenkamp mit dem heimischen Sport- und Spielrasen vergleichbar.

Zahlreiche Maschinen kommen zum Einsatz: von Bügler über Grünmäher, Abschlagmäher, Fairwaymäher, (für die verschiedenen Höhen gibt es nicht eine Maschine) bis zur Bunkerharke. Herr der Maschinen ist Michael Berkenheide, Kraftfahrzeugtechniker, der die komplette Technik betreut. „Er ist der Wichtigste hier, ohne ihn läuft nichts“, so Benjack.

Ziel der Greenkeeper ist es, so früh wie möglich vom Platz verschwunden zu sein. „Es ist ja schließlich eine Sportanlage, auf der die Golfer ihre Freizeit genießen wollen“, sagt Benjack. Und Bernd-Uwe Marbach, Vizepräsident des Vereins, ergänzt: „Die Mannschaft macht tolle Arbeit, mit großer Rücksichtnahme auf die Golfspieler – das beruht nicht immer auf Gegenseitigkeit.“

Und im Winter werden die Überstunden abgefeiert? „Ja“, sagt Benajck: „Aber einer ist immer hier. Die anderen sind in Bereitschaft und vor Ort, wenn es schneit oder mal ein Baum umfallen sollte.“ Schließlich werde auch im Winter gespielt.

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