Prozessauftakt am Landgericht Münster
Familiendrama: 30-Jähriger stach auf Mutter und Schwester ein

Münster/Dülmen -

Bierkonsum mit fatalen Folgen: Stark alkoholisiert geriet im April 2017 ein 30-Jähriger in Streit mit seiner Mutter. Die Auseinandersetzung eskalierte, der Dülmener stach mit einem Messer auf die Frau und seine Schwester, die hinzugeeilt war, ein. Seit Donnerstag steht der Mann als Angeklagter vor Gericht - wegen versuchten Totschlags.

Donnerstag, 26.10.2017, 11:35 Uhr

Prozessauftakt am Landgericht Münster: Familiendrama: 30-Jähriger stach auf Mutter und Schwester ein
Das Bild zeigt den Angeklagten (l.) mit seinem Anwalt. Foto: Klaus Möllers

Zum Prozessauftakt am Landgericht Münster am Donnerstagmorgen wurde zunächst in der Anklageschrift der Ablauf der Geschehnisse am 28. April 2017 geschildert. Zum Tatzeitpunkt hielten sich der Angeklagte, seine Schwester (32) und die Mutter in der gemeinsamen Wohnung in Dülmen auf. Der Ehemann war der 52-jährigen Frau war nicht Zuhause. Der 30-Jährige saß in seinem Zimmer, arbeitete am Computer an Musikstücken und trank dabei Starkbier.

Von der Lautstärke in der Wohnung fühlte sich der Dülmener dann bei seiner Tätigkeit gestört und fing in der Küche einen Streit mit seiner Mutter an. Die verbale Auseinandersetzung eskalierte daraufhin: Der 30-Jährige nahm ein Küchenmesser, dessen Klinge 21 Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit war, und stach unvermittelt auf die Frau ein. Sie erlitt Stichverletzungen im Brustkorb, in der Wange und im Nacken.

In der Zwischenzeit war die Schwester des Angeklagten der Mutter zu Hilfe geeilt, auch sie wurde daraufhin Opfer der Messerattacke. Drei Mal stach der Bruder auf die 32-Jährige ein, bis sie aus der Küche flüchtete. Der Angeklagte stoppte danach direkt selbst seinen Gewaltausbruch, reichte der verletzten Mutter das Messer und verließ die Wohnung. Der 30-Jährige wurde wenig später von der Polizei aufgefunden und festgenommen.

Unerklärlicher Gewaltausbruch

Während der Verhandlung wurden die familiären Umstände beschrieben. Die Familie war aus Kasachstan nach Deutschland ausgewandert, der Angeklagte, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ist nicht vorbestraft. Zum Zeitpunkt der Tat hatte er rund vier Liter Starkbier getrunken, eine Blutuntersuchung ergab einen Alkoholwert von 2,97 Promille.

Der 30-Jährige, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, legte zu Prozessbeginn ein Geständnis ab und rätselt selbst, wie es zu seinem Gewaltausbruch kommen konnte: "Ich habe keine Erklärung, warum ich sowas Schlimmes getan habe." Während der Verhandlung saß auch der Vater des Angeklagten im Zuschauerraum, der - wie später auch die Mutter - bei Schilderung der Tatumstände weinen musste. Seine Frau und Tochter waren als Zeugen vorgeladen, beide machten aber Gebrauch vom Zeugnisverweigerungsrecht und sagten nicht aus.

30-Jähriger zeigt Reue

Im Verlauf der Verhandlung wandte sich der 30-Jährige auch direkt an seine Mutter: "Was ich getan habe, kann ich nie wieder gutmachen. Mir ist klar, dass ich nie wieder Teil dieser Familie sein kann. Ich möchte sagen, dass es mir unendlich leid tut." Die 52-Jährige erwiderte jedoch, dass ihr Ehemann und sie dem Sohn verziehen haben.

Die Schwester war nicht bereit, sich die Entschuldigung ihres Bruders anzuhören.  

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