Karl Schabhüser
Saxofon-Schüler wird heute 91 Jahre alt

Warendorf -

Mit 91 Jahren geht manchem schon mal die Puste aus. Nicht so Karl Schabhüser: Am 26. Oktober 2017 wird er 91 Jahre alt - und kann sich sein Ständchen selbst spielen. Der Warendorfer lernt seit drei Jahren Saxofon - und ist vielleicht der älteste Musikschüler des Münsterland.

Donnerstag, 26.10.2017, 15:45 Uhr

Jeden Donnerstag trifft Karl Schabhüser Musiklehrerin Eva Karger zum Unterricht. An seinem Geburtstag aber muss er alleine üben - es sind Ferien.
Jeden Donnerstag trifft Karl Schabhüser Musiklehrerin Eva Karger zum Unterricht. An seinem Geburtstag aber muss er alleine üben - es sind Ferien. Foto: Gunnar A. Pier

Neulich im Warendorfer Theater am Wall: Konzert der Musikschüler. Fleißige Kinder mühen sich durch Etüden, stolze Eltern spenden begeistert Applaus. Dann kommt einer, der ­dreimal so alt ist. Dreimal so alt wie die Eltern, wohl­gemerkt: Karl Schabhüser greift zum Saxofon und spielt „California Blue“. ­Heute wird er 91 Jahre alt – und ist damit vermutlich der älteste Musikschüler des Münsterlands.

Die zwei Treppen hoch in seine Wohnung nimmt er so leichtfüßig wie ein Jungspund. Die Wohnung ist klein, die Wände sind beigegelb gestrichen, im Wohnzimmer stehen eine Quetschkommode, ein Keyboard und ein Instrumentenkoffer. Aus den Laut­sprechern säuseln Saxofon-Arrangements großer Hits. Karl Schabhüser ist ein Fan von „Captain Cook und sei nen singenden Saxophonen“. Er eifert ihnen nach.

Besuch bei Saxofon-Schüler Karl Schabhüser (91)

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  • Zusammen mit Musiklehrerin Eva Karger übt Karl Schabhüser jeden Donnerstag.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Puste geht ihm auch mit 91 Jahren nicht aus.

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  • Eins seiner Lieblingsstücke: "California Blue".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zuhause im Wohnzimmer steht auch ein Keyboard.

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Alles begann mit einer Quetschkommode

Dabei ist es gar nicht so, dass sein ganzes Leben im Zeichen der Musik stand. Gut: Früher, also ganz früher, so vor gut 80 Jahren, da spielte er begeistert die kleine Quetschkommode, die er seinem Bruder abgeluchst hatte. „Ich hatte keine Ahnung davon. Aber mein Großvater hat es mir gezeigt.“ Bald konnte der kleine Karl erste Kirchenlieder und „Hohe Tannen“ spielen, später mischte er zusammen mit Freunden so manche Hochzeitsfeier auf. „Das schallte durch ganz Hörste!“

Die Musikleidenschaft verstaubte

Doch dann kam der Krieg, danach viele Jahrzehnte auf dem Bock großer Tanklaster. Schabhüser fuhr flüssige Lebensmittel quer durch Europa. Fürs Musizieren blieb keine Zeit. Weil er auch im Rentenalter weiterfuhr, verstaubten Quetschkommode und Musikleidenschaft weiter. „Aber Musik hatte ich immer im Kopp.“

Vom Beruf direkt in den Musikladen

Als Schabhüser 88 Jahre alt war, hängte er nach ziemlich genau 60 Jahren den Job an den Nagel. „Mein erster Weg führte mich in einen Musikladen.“ Dort kaufte sich der Senior ein kleines Keyboard und nahm jeden Montag eine Stunde Unterricht. Als er hört, dass in einer Saxofon-Schnuppergruppe ein Platz frei ist, sagte er: „Schreib mich mal auf! Das hat mich immer schon interessiert, ein Saxofon sieht so schön aus.“

„Zunächst kam kein Ton“

Zusammen mit anderen Schülern, 70 oder 80 Jahre jünger als er, griff der Renter zum Instrument. „Zunächst kam kein Ton“, erinnert er sich und macht das tonlose Pfeifen mit dem Daumen im Mund nach. Doch er ließ sich nicht entmutigen, „und irgendwann hatte ich den Dreh raus.“ Mit 88 Jahren.

„Karl hat echt Puste, das ist beeindruckend – ein Vorbild!“

Von da an gab es kein Halten mehr. Inzwischen trifft er sich jeden Donnerstag mit Eva Karger. Zusammen üben sie „Sierra Madre“, „Happy Birthday“ und „Stille Nacht“. „Karl hat echt Puste, das ist beeindruckend – ein Vorbild!“, findet die 33-jährige Musiklehrerin.

Umfrage

Gut möglich, dass Karl Schab­hüser der älteste Musikschüler des Münsterlands ist. Oder kennt jemand einen älteren? Dann melden Sie sich gerne bei uns unter der Nummer 0251 / 690 - 90 71 21 oder per E-Mail an regio@zgm-muensterland.de

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"Das muss ich halt üben"

Merkt er denn nie, dass er keine 21 mehr ist? „Nee, das will ich nicht sagen“, sagt Schabhüser. Bei den hohen Tönen rutscht ihm manchmal der Daumen von der Oktavklappe. „Das ist ein bisschen schwierig, aber das muss ich halt üben.“

Dazu hat er im Unterricht Gelegenheit, aber auch ­zwischendurch kann er „mal so richtig loslegen.“ Dann schließt ihm jemand einen Raum in der Schule auf, ­damit er im acht-Parteien-Haus nicht die Nachbarn aufschreckt.

Ziele? Karl Schabhüser möchte noch richtig Keyboard lernen. Später. „Das kann ich ja immer noch ­machen.“

Musiktherapeutin: „Man sollte seinem Herzen folgen!“

Prof. Dr. phil. Rosemarie Tüpker ist Diplom-Musiktherapeutin an der Universität in Münster und vertritt die These: Jeder hat ein Recht auf Kultur, also auch auf Musik.

Frau Tüpker, Sie emp­fehlen auch älteren Menschen, ein Instrument zu lernen. Warum?

Tüpker: Ich bin überzeugt, dass jede musikalische Aktivität die Lebensqualität steigert. Die große Freude, die das bereitet, wirkt sich auch gesamtgesundheitlich aus. Ich denke, dass sich das jeder zutrauen sollte – man muss ja ­ nicht gleich für die Aufnahmeprüfung zum Musikstudium üben.

Welches Instrument eignet sich besonders?

Tüpker: Das kann man so allgemein gar nicht sagen, weil der individuelle Zugang unterschiedlich ist. Das Klavier halte ich für relativ einfach, weil ja die Töne schon da sind. Geige gilt als schwierig – aber wenn einem das liegt, kann die Geige genau das Richtige sein. Man sollte seinem Herzen folgen.

Was fällt einem alten Musikschüler schwerer?

Tüpker: Die Finger sind weniger beweglich. Und die Koordination kann schwerfallen – zum Beispiel beim Klavierspielen, weil beide Hände etwas Unterschiedliches tun. Das ist aber eine tolle Herausforderung! Und viele Popmusiker zeigen ja, dass man bis ins hohe Alter Musik machen kann. 

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