Landgericht Osnabrück
Verurteilt nach 21 Jahren: Ex-IRA-Terrorist muss ins Gefängnis

Osnabrück/Lotte -

Mehr als 21 Jahre nach einem Anschlag hat das Osnabrücker Landgericht am Mittwoch einen ehemaligen IRA-Terroristen zu vier Jahren Haft wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes verurteilt.

Mittwoch, 25.10.2017, 15:38 Uhr

Landgericht Osnabrück: Verurteilt nach 21 Jahren: Ex-IRA-Terrorist muss ins Gefängnis
Der Angeklagte stand mehr als 21 Jahre nach einem Terroranschlag in Osnabrück als mutmaßlicher Täter vor Gericht. Foto: dpa

Der Anschlag sei verübt worden, um der britischen Armee deutlich zu machen, dass sie auch auf dem Kontinent verfolgt und angegriffen werden könne, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Kirschbaum in der Urteilsbegründung. Als Mitglied der Provisional Irish Republican Army (PIRA), einem militanten Arm der IRA, war der heute 48 Jahre alte angeklagte Ire am 28. Juni 1996 an einem Anschlag auf eine britische Kaserne in Osnabrück beteiligt.

Das Anschlagsziel befand sich im Osnabrücker Stadtteil Atter - unmittelbar an der Grenze zu Büren, einem Ortsteil von Lotte, und damit zugleich an der Grenze von Niedersachsen zu Nordrhein-Westfalen. 

Der Angeklagte und seine vier Komplizen hatten mit einer Mörserbatterie auf das Gelände der Kaserne geschossen, wo sich zur Tatzeit etwa 150 Soldaten bei einem Fest befanden. Nur eins der Geschosse explodierte. Menschen wurden nicht verletzt oder getötet.

dpa_1496B200C745B280

Der 48-jährige Angeklagte betritt den Gerichtssaal. Foto: dpa

Abkehr von der IRA

Mit einem optimistischen Lächeln und erhobenem Daumen in Richtung seiner anwesenden Familienangehörigen betrat der siebenfache Familienvater am Mittwochmorgen den Schwurgerichtssaal im Osnabrücker Landgericht. Der 48-jährige Ire sitzt seit einem Jahr in Deutschland in Untersuchungshaft.

Mittlerweile hat sich der Mann, der als Bühnentechniker und Musiker in Belfast ein bürgerliches Leben führte, von der IRA distanziert. Zu Lasten des Angeklagten sprach die Gefährlichkeit seiner Tat und, dass er eine zentrale Figur in der Gruppe gewesen sei, so der Richter.

Späte juristische Aufarbeitung

Für den Iren brachte er ins Spiel, dass er schon zu Prozessbeginn geständig war und sich vom Ehrenkodex der PIRA - über verübte Anschläge zu schweigen - lossagte. Den 1998 eingeleiteten Friedensprozess in Nordirland habe der Angeklagte unterstützt, so der Richter weiter. Für die mehr als 20-jährige Verzögerung des Prozesses wurde dem Angeklagten ein Jahr als Kompensation angerechnet.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde der Ire mehrere Male verhaftet. Zum ersten Mal fünf Monate nach dem Anschlag in Irland. Im Oktober 2004 erließ die Bundesanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl. Doch erst elf Jahre später sei er in die englische Sprache übersetzt und den irischen Behörden übermittelt worden. Der Mann wurde abermals kurz inhaftiert und wieder frei gelassen.

dpa_1496B20054DC71FC

Der Angeklagte wurde als zentrale Figur bei der Anschlagsdurchführung eingestuft. Foto: dpa

Schließlich stellte er sich am 13. September 2016 freiwillig den Behörden am Flughafen in Dublin. Von dort wurde er nach Frankfurt gebracht, wo er von der deutschen Polizei verhaftet wurde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5245908?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker