Betrug im Internet und per Telefon
Ein Kampf gegen Windmühlen

Greven -

Die Banden sind international. Sie arbeiten hochprofessionell. Und immer wieder fallen alte Menschen auf ihre Tricks rein. Aktuell gibt es fünf neue Anzeigen im Kreis Steinfurt.

Donnerstag, 26.10.2017, 11:46 Uhr

 
  Foto: dpa

Elisabeth Müller (Name von der Redaktion geändert) hat es ganz heftig erwischt. Vor knapp einem Jahr hat man ihr im Rewe-Markt die Tasche geklaut. In der Tasche zwei EC-Karten. Noch bevor sie die kurze Entfernung zur Sparkasse zurückgelegt hatte, waren die Ganoven aktiv und hoben viel Geld von ihrem Konto ab. „Die haben sogar die Kamera am Geldautomaten zugehalten“, erzählt die 77-Jährige. Jetzt, knapp ein Jahr später, hat jemand aus Spanien Geld von ihrem Konto abgebucht. Und ein paar Tage später rief jemand bei ihr an, der unter einem Vorwand ihre Kontodaten haben wollte.

Die alte Dame geriet also gleich mehrfach ins Visier von Ganoven. Wie auch viele andere, vor allem ältere Menschen in Greven. Aktuell vermeldet die Polizei wieder mehrere Enkeltrick-Versuche. Also Anrufe von Ganoven bei alten Leuten, die sich als deren Enkel ausgeben und angeblich ganz dringend Geld benötigen.

Positiv: Alle Betroffenen sind nicht darauf hereingefallen. Aber das ist pures Glück. Denn: „Die Täter machen dies und auch die anderen Tricks so professionell, dass auch Menschen darauf hereinfallen, die eigentlich bestens Bescheid wissen“, erklärt Jochen Laschke, Pressesprecher der Kreispolizei Steinfurt.

Ob Enkeltrick, Lottogewinn-Versprechen oder angebliche Polizeianrufe: „Was diese Leute da machen, ist bis ins kleinste Detail durchgeplant, da rufen bestens geschulte Profis an“, weiß Laschke.

So auch der Vorfall, der sich kürzlich ereignete. Die ältere Frau, die gerne Kreuzworträtzel ausfüllt und einschickt, bekommt einen Anruf, dass sie gewonnen habe. Damit sie aber ihren Gewinn bekommen könne, müsse zunächst eine entsprechende Steuer beglichen werden. Die Frau überwies 3000 Euro. Was den Ganoven aber nicht genug war. Beim zweiten Anruf kam aber der Sohn dazwischen, der Schlimmeres verhinderte. „Für die Ermittler wird es immer schwieriger gegen solche Ganoven vorzugehen“, verdeutlicht Laschke.

Denn: Es handle sich häufig um europaweit agierende Banden. Und dieser Sumpf nehme immer weiter zu. „Wir hören hier jede Woche von irgendwelchen neuen Tricks.“ Und: „Es ist wirklich unglaublich welche Sicherheiten die Ganoven einbauen, die denken an alles, was passieren könnte.“

Und das ist auch schon die Antwort auf die Frage, ob diejenigen, die auf diese Tricks hereinfallen, dumm oder naiv sind. „Ganz klar nein“, sagt der Polizeibeamte. Noch vor kurzem habe er mit den Kindern einer älteren Frau gesprochen, die andere vor solchen Tricks gewarnt habe, dann aber selbst auf so etwas herein gefallen sei. Laschke: „Da sind Emotionen im Spiel, und da sind Profis am Werk.“

Die Chancen der Polizei, diese Ganoven zu erwischen, würden dagegen immer geringer. „Diese Leute sind übervorsichtig. Wenn die Polizei eingeschaltet wird, bekommen die das immer irgendwie mit“, verdeutlicht Laschke.

Solche Betrugsfälle gebe es jedenfalls reichlich, weiß der Polizeisprecher. „Viele werden erst spät angezeigt, weil die Betrogenen sich aus Schamgefühl erst spät an ihre Angehörigen wenden.“ Und zu vermuten sei, dass es auch eine große Dunkelziffer gebe, also Fälle von Betrugsdelikten, die gar nicht erst angezeigt würden, weil die Betrogenen sich schämen.

Erfolge gegen diese Betrüger-Banden könnten nur in Kooperation mit vielen anderen Polizeibehörden in Deutschland und Europa erzielt werden. Und sogar dann scheint es oft ein Kampf gegen Windmühlen zu sein.

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