Beuteltier auf der Flucht
Ausgebüxtes Känguru sitzt an der Osnabrücker Straße

Lengerich -

Da mussten Stefan Leugermann und Hartmut Großholtmann schon zwei Mal hinschauen: Wenige Meter von ihnen entfernt saß ein Känguru. Das Tier war ausgerissen, wie sich herausstellte. Es wieder einzufangen, war nicht ganz einfach.

Montag, 23.10.2017, 12:21 Uhr

Ganz unschuldig schaut der kleine Ausreißer in die Kamera. Am Sonntagabend hatte das Känguru einige Lengericher auf Trab gehalten.
Ganz unschuldig schaut der kleine Ausreißer in die Kamera. Am Sonntagabend hatte das Känguru einige Lengericher auf Trab gehalten. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Stefan Leugermann und Hartmut Großholtmann hatten am Sonntag kurz nacheinander den gleichen Gedanken: Konnten sie ihren Augen noch trauen? Ja, sie konnten. Beide waren unabhängig voneinander auf ein Känguru aufmerksam geworden. Um kurz nach 21 Uhr ging die Geschichte los, irgendwann nach 23 Uhr war sie beendet. Da saß das Beuteltier endlich in einer Pferdebox, sein Ausflug in die Freiheit war vorbei.

Begonnen hatte das kleine Abenteuer völlig unspektakulär: Hartmut Großholtmann verabschiedete sich auf seinem Hof gerade von einem Freund, mit dem er auf Jagd gewesen war. Als der Bekannte sein Auto anmachte, erschien im Lichtkegel das Känguru. Es saß wenig weiter in aller Seelenruhe auf dem Rasen. Dann trat der Hund des Hauses mit Gebell auf den Plan, und der tierische Besucher nahm Reißaus in die Dunkelheit.

Weit lief das Känguru nicht. Direkt an der Osnabrücker Straße, nur einige Meter von der Hofzufahrt zu Großholtmanns, ließ es sich bereits wieder nieder. Dort kam wenig später Stefan Leugermann mit seinem Pkw vorbei. „Von Weitem dachte ich erst, das wäre ein Hase, der auf seinen Hinterläufen sitzt. Als ich näher kam, sah ich aber, dass die großen Ohren fehlten.“ Beim Vorbeifahren war auch ihm klar: Das ist ein Känguru. Stefan Leugermann drehte mit seinem Wagen, hielt nahe des Tieres an, setzte die Warnblinker und informierte die Polizei.

Als Hartmut Großholtmann bemerkte, dass an der Straße etwas passiert war, schaltete er schnell: „Da ist das Känguru also, habe ich gedacht.“ Er wie auch zwei Jungen aus der Nachbarschaft kamen hinzu. Zusammen mit zwei Polizeibeamten ging es nun auf Känguru-Jagd. Recht schnell gelang es, dass Tier zurück auf das eingezäunte Grundstück von Hartmut Großholtmann zu treiben. Die Torzufahrt wurde geschlossen, die Einfangaktion fortgesetzt.

Der schwierigere Teil sollte nun erst folgen. Auf zwei, drei Meter habe der Ausreißer sie zwar herankommen lassen, erzählen Stefan Leugermann und Hartmut Großholtmann. Aber das habe nicht gereicht, um ihn zu schnappen. Nach über einer Stunde habe man es schließlich mit Hilfe von Pferdedecken geschafft, das Känguru zu fassen.

Die Nacht verbrachte es in einer Pferdebox. Hartmut Großholtmanns Tochter Jana berichtet, dass zunächst auch noch ein Schlupfloch in dem Stall abgedichtet werden musste, um dem ungewöhnlichen Gast keine Chance zu geben, erneut zu verschwinden. Im Laufe des Montags wollte die Eigentümerin – sie war schnell ermittelt – vorbeikommen und ihr Känguru abholen.

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