Mittelalter-Fans üben alte Technik
Der elegante Schwertkampf

Kreis Warendorf -

Aus der ehemaligen Fünfkampfhalle in Warendorf klingt es recht metallisch. Laut klirrt Stahl auf Stahl. Da wird gefochten. Aber nicht mit dem olympischen Florett oder Degen.

Freitag, 27.10.2017, 13:49 Uhr

Lieben die mittelalterliche Schwertkunst (v. l.): Julius Wälz aus Telgte und Marian Marklein aus Beckum.
Lieben die mittelalterliche Schwertkunst (v. l.): Julius Wälz aus Telgte und Marian Marklein aus Beckum. Foto: Peter Schniederjürgen

Hier geht’s anders zur Sache. Lange Schwerter hauen funkenstiebend gegeneinander. Es ist die Zeit des mittelalterlichen Schwertkampfs.

„Eigentlich beschäftige ich mich mit der Darstellung der Sachsen in dieser Gegend, so um das achte Jahrhundert“, sagt Marian Marklein aus Beckum. Er hat den Mittelalternamen „Meinulf fon Bekehem“ – als sächsischer Edelmann und Sattelmeier einer der Getreuen von Herzog Widukind, der den Widerstand gegen Karl den Großen führte.

Seit über 13 Jahren bin ich in der Mittelalterszene aktiv und habe dabei meine Liebe zur Schwertkunst entdeckt.

Marian Marklein aus Beckum alias „Meinulf fon Bekehem“

„Seit über 13 Jahren bin ich in der Mittelalterszene aktiv“, berichtet der Beckumer. Dabei hat er sein Liebe zur Schwertkunst entdeckt. Gar nicht so einfach. „Leider gab es die zur Zeit Widukinds noch gar nicht“, bedauert der Fechter. Doch das Mittelalter ist eine lange Epoche. Meinulf alias Marian macht aus der Not eine Tugend und demonstriert die Entwicklung über ein paar Jahrhunderte. Jetzt ist er im Spätmittelalter. Noch an der Grenze zur Renaissance gab es die Zweikämpfe zum Beispiel als Gottesurteil. „Da entstand die Kunst des Schwertkampfes, die mich sehr fasziniert“, so der Mittelalter-Fan. Doch diese Begeisterung in Sport umzusetzen war nicht einfach. Es gibt viele Schaukampfgruppen, doch das war nicht Markleins Sache. „Mehr als draufhauen sollte es schon sein“, sagte er sich und suchte. Fündig wurde er beim Fechtsportverein in Warendorf. „Hier gibt es nicht nur eine kleine, aber feine Gruppe für den Schwertkampf, hier fand ich auch den kompetenten Lehrer Michael Zimmermann“, freut sich Marklein.

Unter Zimmermanns Anleitung beginnt die Ausbildung in der Kunst, das lange Schwert sicher zu führen. Eine Wissenschaft für sich. Schon die Auswahl des Schwertes ist nicht einfach. „Die schaukampftauglichen Waffen beginnen bei 200 Euro, doch besser sind sie ab 300 und aufwärts“, zeigt der Trainer. Dabei legt er großen Wert auf das Wort Waffe. „Zwar ist das Schwert stumpf und die Spitze abgeflacht, aber mit 1,5 Kilo Gewicht besitzt es bei unsachgemäßem Gebrauch ein gewaltiges Gefährdungspotenzial“, stellt Zimmermann klar.

So trainieren seine Schüler Marian Marklein und der Telgter Julius Wälz auch mit modernen Schutzausrüstungen. Doch für das Foto geht‘s auch schon mal ins fast historische Gewand. Zwar hat der Fechtmeister Sicherheitsbedenken, doch die Optik verlangt es. Dabei sind Zimmermanns Sorgen verständlich. „Wenn ich sehe, wie auf Mittelalterveranstaltungen bei Schaukämpfen draufgehauen wird, mache ich mit oft Sorgen“, so der Sportler.

Es gibt den harten historischen Kampf, auf Biegen und Brechen – einschließlich der Knochen. „Beliebt bei Schlachtdarstellungen.“ Oder den szenischen Kampf. Dabei wird der Treffer nur angedeutet. Hier müssen die Kämpfenden eine genaue Choreographie beachten. Genau das ist es, was in der Sporthalle geübt wird.

Nach diesen Erklärungen wenden sich Wälz und Marklein wieder dem Schwertkampf zu. Hell schlagen die Klingen aufeinander. Fetzen fliegen hier zwar keine  –  gelegentlich aber Funken. Schließlich schwirren zwei Schwerter.

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