Neubau der Autobahn-Talbrücken
In zwei Monaten soll der A1-Verkehr auf drei neue Brücken umgeleitet werden

Lengerich -

Vor zwei Jahren haben die Arbeiten begonnen. Jetzt ist fast die Hälfte geschafft beim Neubau der drei Talbrücken Exterheide, Smanforde und Habichtswald im Zuge der Autobahn 1 zwischen Lengerich und Lotter Kreuz. Ein Gang über die Baustelle.

Samstag, 01.07.2017, 13:51 Uhr aktualisiert: 01.07.2017, 14:00 Uhr
 
  Foto: Michael Baar

Dumpf hallen die Schritte durch die Betonröhre. Neonlampen erhellen notdürftig den sich leicht gekrümmt dahinziehenden Bau. Der Einstieg ist nur noch ein kleiner heller Fleck im Hintergrund. Der Blick nach vorne zeigt nur Beton und Kunststoffrohre. Eine Wohlfühloase wird das nie werden. Aber das steht auch nicht im Lastenheft für die neue Autobahn-Talbrücke Exterheide.

Zehn Leitersprossen führen in das 430 Meter lange Untergeschoss der Verkehrsader. Regenabläufe und Lüftungsgitter in jedem der Brückenabschnitte fehlen. „Aufgeräumt werden muss auch noch“, sagt Bernd Heine. Das hört sich so gelassen an, wie es sich liest. Mitte bis Ende August, so schätzt der für den Bau der drei Tahlbrücken Verantwortliche, werde der Verkehr auf die neue Brücke geleitet.

Belastung durch den Verkehr besser verteilen

Kurz vor dem nördlichen Ende liegen zwei Betonklötze auf dem Boden. Würfelförmig. Damit wird nicht in den Pausen gespielt, sie dienen der Sicherheit. „Es sind Proben vom Beton, mit dem dieser Brückenabschnitt gegossen wurde“, erläutert der Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW. 28 Tage werden sie im Hohlraum liegen. Dann werden sie seziert.

„Ist der Beton der Würfel in Ordnung, trifft das auch auf dieses Brückenteil zu.“ Schließlich stammt das Material aus einer Lieferung. Bislang habe es keinen Grund zu Beanstandungen geben. Die Freude darüber ist Bernd Heine anzuhören.

Am nördlichen Ende des „Tunnels“ fehlt noch die Überleitung von der Brücke auf festen Boden. Die Schalung steht schon, der Beton kann kommen.

Auf dem Rückweg erklärt der Fachmann, was es mit den Kunststoffrohren auf sich hat. Die zehn Zentimeter durchmessenden „Fäden“ sind bis zu 200 Meter lang. In jedem von ihnen befindet sich, unter einem Korrosionsschutz-Gel, das Stahlseil. Externe Bewehrung lautet der Fachbegriff. Für den Laien: Dadurch wird die Belastung durch den Verkehr besser verteilt.

Selbst für den Fall, dass sich die Zahl der Fahrzeuge so rasant weiter entwickelt wie in den vergangenen 15 Jahren, ist vorgesorgt. „Durchschüsse“ an den „Rippen“ im Tunnel bieten die Möglichkeit, weitere Stahlseile einzuziehen. „Reine Vorsorge“ bringt es Bauüberwacher Heiner Gebing auf den Punkt. 50 Zentimeter dick ist die Betonschicht unter den Füßen. Die Kopffreiheit in der Röhre liegt deutlich über zwei Meter.

Addiert man einen knappen halben Meter dazu, steht man auf dem Beton, der in wenigen Wochen asphaltiert wird. Das heißt, Asphalt und Beton werden nicht in direkten Kontakt kommen. An einem Regenabfluss beschreibt Bernd Heine, wie Korrosion im Baukörper vorgebeugt wird. Da ist zunächst eine Kunststoffmanschette, die den Abfluss umgibt. Der Beton im näheren Umkreis ist mit einer speziellen Versiegelung gestrichen.

Hinter dem Zeitplan

„Vor dem Asphaltieren wird über die gesamte Fahrbahnbreite eine Schweißbahn als Wasserschutz verlegt.“ Darauf kommen zwei Schichten Asphalt. Fertig ist die neue Fahrbahn. Und die misst auf der Brücke ganze acht Zentimeter. Ein halber Zentimeter für die Schutzbahn, vier Zentimeter Schutzasphalt, 3,5 Zentimeter Fahrbahn, das war´s.

Wenige hundert Meter weiter ist die Talbrücke Smanforde, das kleinste der drei Bauwerke, bereits fertig. Habichtswald und Exterheide sind in etwa auf dem gleichen Stand. Dennoch: „Wir hinken dem Zeitplan etwas hinterher“, räumt der Baustellen-Chef ein.

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Die Gründe: Untersuchungen auf Kampfmittel und die Pleite der ursprünglich beauftragten Firma haben am Habichtswald für Verzögerungen gesorgt. In Exterheide gab es Probleme mit dem Boden bei den Pfahlgründungen für die Brückenpfeiler. „Natürlich sind vorher Bodenproben gemacht worden. Aber wie´s wirklich ist, sieht man erst wenn man baut“, kommt Bernd Heine einer entsprechenden Nachfrage zuvor.

in Spitzenzeiten schuften 80 Mitarbeiter auf den Brücken-Baustellen

Vor ziemlich genau zwei Jahren ist die Baustelle für den Neubau der drei Talbrücken – bestehend aus jeweils zwei separaten Bauwerken – der Autobahn 1 zwischen der Anschlussstelle Lengerich und dem Lotter Kreuz eingerichtet worden. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen werden – wurde damals geplant. Doch das könnte eng werden. Möglicherweise rollt der Verkehr erst Anfang 2019 über die neuen Bauwerke.

Was bei der Bauzeit nicht klappt, deutet sich aber bei den Kosten an: „Die bleiben im Plan“, sagt Bernd Heine. Mit der Einschränkung, dass man erst nach Abrechnung der letzten Maßnahmen Genaues sagen könne. 51,1 Millionen Euro soll der Ersatz für die drei Talbrücken kosten.

Etwa zwei Wochen wird es dauern, bis im August die Verkehrsführung in der Baustelle umgestellt ist. Bislang rollt der Verkehr über die alten östlichen Brücken Exterheide und Smanforde sowie das westliche Bauwerk Habichtswald. Danach werden die neuen Brücken unter die Räder genommen und die alten abgerissen.

Vollsperrungen hat es seit Baubeginn „vier oder fünf gegeben“. Der Grund: Auf den alten Brücken rollt der Schwerverkehr jetzt über die alte Überholspur. „Durch die größere Belastung wird die nachverdichtet“, erläutert der Fachmann. Dadurch entstehen Risse. Regelmäßige Kontrollfahrten dienen der Schadenserkennung. Für die Reparatur wird die Autobahn dann gesperrt – über Nacht.

„Das bedeutet jedes Mal einen hohen logistischen Aufwand“, stellt der Mann vom Landesbetrieb Straßen.NRW fest. Fahrzeuge, Material und vor allen Dingen Personal müssen dann zur Stelle sein. Und auch dann gilt, was immer gilt: Prüfen, prüfen, prüfen. Beim Beton beispielsweise, ob er wie bestellt fließt. Passt die Mischung nicht, kann der Laster umdrehen und zurück ins Werk fahren.

Arbeiten im Schnitt zehn bis zwölf Leute auf jeder Brücke, werden es in Spitzenzeiten bis zu 80 insgesamt. Mit den drei Talbrücken beschäftigt sich Bernd Heine seit zehn Jahren. Sein neuestes „Betreuungsobjekt“ liegt wenige Kilometer weiter nördlich: Der Neubau der Brücke der Autobahn 30 über die Autobahn 1. „Im Sommer 2019 soll das fertig sein“, zitiert er aus dem Zeitplan. 

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