Protest auf der Brötchentüte
Bäcker wehren sich gegen Einführung der Hygieneampel

Münsterland -

Die Bäcker in der Region laufen Sturm gegen die geplante Hygieneampel. Mit verschiedenen Aktionen wollen sie Verbraucher auf das aus ihrer Sicht völlig ungeeignete Gesetz zur Sicherstellung der Sauberkeit im Betrieb aufmerksam machen.

Dienstag, 08.11.2016, 07:04 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 08.11.2016, 06:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 08.11.2016, 07:04 Uhr
Auch wenn es in der Backstube blitzsauber ist, kann ein Fehler in der Dokumentationspflicht künftig zu einer für jedermann einsehbaren Abwertung des Betriebes führen.
Auch wenn es in der Backstube blitzsauber ist, kann ein Fehler in der Dokumentationspflicht künftig zu einer für jedermann einsehbaren Abwertung des Betriebes führen. Foto: colourbox.de

„Das Gesetz bringt nur mehr Bürokratie und sagt nichts über die tatsächliche Sauberkeit in der Backstube aus“, ist Michael Bartilla , Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbandes Westfalen-Lippe, überzeugt. Die Prüfkriterien seien in dem Landes-Gesetzentwurf nicht klar gekennzeichnet, letztlich hänge alles an der subjektiven Entscheidung eines einzigen Prüfers.

Da reiche ein Fehler in der Dokumentationspflicht oder auch schon mal ein schlechter Tag eines Kontrolleurs und schon stehe die Ampel auf Rot. „Und dabei ist egal, ob in der Backstube nicht ein einziges Staubkorn zu finden ist.“ Und auch der umgekehrte Fall sei möglich. Ein Bäcker könnte alles bestens protokolliert haben, aber in der Backstube fühlen sich Käfer wohl.

Das kann Existenzen zerstören – und das bei Betrieben, in denen gute Arbeit gemacht wird. Den Makel bekommen sie nie wieder weg.

Michael Bartilla

„Wir wollen keine schwarzen Schafe schützen“, stellt Bartilla klar. Wer nicht sauber arbeite, der müsse bestraft werden, darüber gebe es keine Diskussion. Aber die Ampel trage dazu in keiner Weise bei, die bisherigen Kontrollen und Maßnahmen reichten völlig aus.

„Das Ergebnis der künftigen Prüfung hängt in der Schaufensterscheibe und wird im Internet veröffentlicht“, sagt Bartilla. „Das kann Existenzen zerstören – und das bei Betrieben, in denen gute Arbeit gemacht wird. Den Makel bekommen sie nie wieder weg.“

„Egal, wo der Zeiger des Kontrollbarometers steht – Sie haben damit nicht den Durchblick“, kritisieren die Bäcker im Kreis Steinfurt die Hygieneampel , auch Kon­trollbarometer genannt, mit der die Landesregierung das Ergebnis von Lebensmittelkontrollen öffentlich machen will.

Protest auf 200.000 Brötchentüten gedruckt

Um ihren Protest deutlich zu machen, haben sie den Spruch auf 200.000 Brötchentüten gedruckt. Mit Erfolg: Unterstützung haben die Bäcker von der Steinfurter Kreisverwaltung erhalten.

Echte Hygienemängel seien extrem selten

Kreis-Veterinär Dr. Christoph Brundiers bezweifelt, dass das neue Gesetz nötig ist. Echte Hygienemängel seien extrem selten, eine mögliche Gesundheitsgefährdung bewege sich im Promille-Bereich. Rückendeckung kommt auch von der Kreishandwerkerschaft, die von einem „Generalverdacht“ spricht, unter den Lebensmittelbetriebe gestellt würden.

„Wir können für unsere Mitglieder sagen, dass bei ihnen in der Backstube alles clean ist“, sagt Bartilla. Der Verbraucher kann nicht nachvollziehen, wieso ein Betrieb abgewertet wird. „Zeigt die Ampel Rot, glaubt der Kunde womöglich, dass die Ratten dort Samba tanzen. In Wirklichkeit hat sich der Inhaber lieber der tatsächlichen Sauberkeit sowie seiner Arbeit gewidmet und deshalb aus Sicht des Prüfers nur eine Kladde nicht richtig geführt“, bringt ein Mitarbeiter der Innung die Sorgen der Bäcker auf den Punkt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4420478?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker