Wenn die Oma live zugeschaltet wird
Standesamtliche Hochzeit wird immer mehr zum Event

Steinfurt -

Die standesamtlichen Trauungen stellen Beamte und Stadt auch in Steinfurt vor immer größere Herausforderungen. Denn das früher eher formelle Ja-Wort im Rathaus erhält schon seit Jahren eine immer größere Bedeutung.

Dienstag, 08.11.2016, 06:00 Uhr

 
  Foto: dpa

Weil nur noch bei einem Bruchteil der Paare auch eine kirchliche Trauung folgt, wird die standesamtliche Hochzeit oft ausgiebiger gefeiert. So gaben sich im vergangenen Jahr 154 Paare vor einem Steinfurter Standesbeamten das Ja-Wort, die Kirchen in Steinfurt verzeichneten im selben Jahr insgesamt 34 Trauungen – davon heirateten 21 Paare in der Pfarrei St. Nikomedes , neun Paare wurden in der Evangelischen Kirchengemeinde Borghorst-Horstmar getraut, 14 weitere in der Evangelischen Kirchengemeinde Burgsteinfurt.

Stadt reagiert auf Trend

Die Stadt hat schon vor Jahren auf den Trend reagiert und neben dem klassischen Trauzimmer im Rathaus weitere Möglichkeiten für das Ja-Wort geschaffen – beispielsweise im Kötterhaus, im Heimathaus , im Alten Rathaus oder in der Konzertgalerie im Bagno. „Das Kötterhaus ist am beliebtesten“, teilt das Standesamt der Stadt auf Anfrage mit. Das habe wohl zwei Gründe: Zum einen stehe das Kötterhaus nur begrenzt zur Verfügung, zum anderen können die Paare es für drei Stunden mieten – so wird der Sektempfang nicht durch die nächste Trauung gestört.

Zudem lassen sich im Kötterhaus 60 Personen zur Trauung bequem unterbringen. Denn die Zeiten, in denen nur die Trauzeugen, Eltern und ein paar Verwandte mit im Trauzimmer saßen, sind längst vorbei. „Es kommen immer mehr Gäste“, heißt es dazu aus dem Standesamt, „eigentlich nie unter 15“. Und noch etwas haben die Standesbeamten festgestellt, das früher meist der kirchlichen Hochzeit vorbehalten war: „Die Braut kommt immer häufiger in Weiß.“

Mehr Vorbereitung als früher

Für die Standesbeamten bedeutet diese Entwicklung zum Event mehr Vorbereitung als früher – das machten die fünf Mitarbeiter aber gerne, heißt es aus dem Rathaus. Einflechten von Musik, Persönliches zum Brautpaar, Wünsche der Gäste zum Ablauf – die Standesbeamten versuchen, auf die Paare einzugehen. Manchmal würden sie dabei schon fast zu Eventmanagern, teilt das Amt mit. Sei es die Live-Schaltung zur Oma ins Krankenhaus oder Verwandte, die Überraschungen planen – die Standesbeamten machen vieles möglich.

Dabei braucht es übrigens gar nicht viel zum Heiraten: Wer mit allen nötigen Papieren vorbei komme, könne dies auch sofort erledigen – wenn der Standesbeamte Zeit habe, teilt das Rathaus mit. Das kam im vergangenen Jahr zweimal vor. 40 Euro kostet der formale Akt der Eheschließung, 66 Euro wenn einer der Partner eine ausländische Staatsangehörigkeit hat. Denn dann müssen Papiere beschafft werden. Vor jeder Trauung setzen sich die Standesbeamten zudem mit dem Paar auseinander, machen sich Gedanken zur Rede, sammeln Sprüche und Gedichte. Der schönste Lohn dafür sei, wenn es den Paaren gefalle und diese sich nachher bedankten, heißt es aus dem Rathaus.

Kirche biete nicht nur die reine „Show“

Dass immer weniger Paare sich das kirchliche Ja-Wort geben, kann Pfarrer Markus Dördelmann nicht bestätigen. Die katholische Pfarrei St. Nikomedes notiert für die vergangenen drei Jahre sogar ein leichtes Plus auf einem stabilen Niveau. So waren es in 2014 20 Hochzeiten, in 2015 21 und in diesem Jahr bereits 25 Trauungen, die vor dem Altar geschlossen wurden. Häufiger komme es allerdings vor, dass Hochzeit und Taufe zur Traufe verbunden würden oder Paare vor den Altar träten, die schon seit Längerem standesamtlich verheiratet sind, so Dördelmann. Im Vorgespräch vertieft der Geistliche mit dem Brautpaar die Bedeutung der kirchlichen Trauung. Denn eines sei klar: Die Kirche biete nicht nur die reine „Show“. „Wir schauen, was es eigentlich heißt, sich zu lieben, zu achten und zu ehren“, so Dördelmann. „Die Liebe ist das Fundament, dazu bieten wir Gottes Segen“, so Dördelmann.

Auch Pfarrer Holger Erdmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Borghorst-Horstmar sieht eine gewisse Stabilität bei der Zahl der Trauungen. So ließen sich 2013 sieben Paare trauen, 2014 fünf und 2015 neun. In der Evangelischen Kirchengemeinde in Burgsteinfurt waren es 2012 13 Paare, 2013 elf, 2014 15 und 2015 14 Paare.

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