Prozess um Brandstiftung im Amtsvenn
Ein Abend – drei Feuer

Gronau/Münster -

2800 Euro Geldstrafe und 80 Arbeitsstunden für den einen, 2000 Euro und 50 Arbeitsstunden für den anderen Angeklagten: So lautet das Urteil, das am Freitag im Prozess gegen zwei junge Männer aus Gronau und Ochtrup vor dem Landgericht in Münster gesprochen wurde.

Freitag, 04.11.2016, 14:41 Uhr

Vor dem Landgericht wurden am Freitag die Urteile gegen zwei der insgesamt fünf Angeklagten gesprochen, den Brandstiftung und versuchte Brandstiftung zur Last gelegt wird.
Mit ihren jeweiligen Verteidigern an ihrer Seite hörten der Gronauer (l.) und der Ochtruper das Urteil an. Sie wurden beide für schuldig befunden. Foto: Frank Zimmermann

2800 Euro Geldbuße und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit für einen Gronauer, 2000 Euro Geldbuße und 50 Arbeitsstunden für einen Ochtruper: So lautet das Urteil, das am Freitag im Prozess gegen zwei junge Männer vor dem Landgericht in Münster gesprochen wurde. Beide Männer wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Das Gericht sah im Fall des Gronauers eine vorsätzliche Brandstiftung in drei Fällen als erwiesen an, im Fall des Ochtrupers Beihilfe zur Brandstiftung in zwei Fällen. Alle Taten fanden nach Darstellung des Gerichts am Abend des 10. August 2011 in Wettringen und Ochtrup statt.

Brandstiftungen und versuchte Brandstiftungen im Jahr 2011

Insgesamt müssen sich – wie mehrfach berichtet – fünf junge Männer wegen Brandstiftungen und versuchter Brandstiftungen im Jahr 2011 verantworten. Das Verfahren gegen die beiden jetzt Verurteilten wurde aber vom übrigen Prozess abgetrennt.

In der Urteilsbegründung schilderte die Vorsitzende Richterin noch einmal den Tag der Taten, den 10. August 2011. Vier junge Männer – drei Gronauer und ein Ochtruper – waren an diesem Sommerabend gemeinsam in Bauerschaften von Wettringen und Ochtrup unterwegs. Am Steuer seines Wagens saß der Ochtruper. Dreimal hielt er im Laufe der Fahrt an. Jedes Mal stiegen zwei der Gronauer – der jetzt Verurteilte und ein weiterer Angeklagter – aus dem Auto aus und „verschwanden“ für einige Minuten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie in dieser Zeit jeweils Feuer legten. Einmal steckten sie einen Holzhaufen in Brand, zweimal Strohballen. Insgesamt entstand durch die Brandlegungen ein Sachschaden von rund 35.000 Euro.

Gruppendruck

In der Clique der jetzt Verurteilten habe seinerzeit ein gewisser Gruppendruck geherrscht. Brände zu legen sei zu einer Art Wettkampf geworden. Entsprechende Taten hätten die Zugehörigkeit zur Gruppe gefestigt. Das führte die Richterin auch als ein Motiv für die Taten an.

Insbesondere Zeugenaussagen, der SMS-Verkehr zwischen den Verurteilten und weiteren Angeklagten sowie die Bewegungsprofile, die aus den Handydaten der Männer erstellt wurden, haben die Kammer von der Schuld der Verurteilten überzeugt.

Dem Ochtruper hielten die Richter zugute, dass er bei der ersten Tat vielleicht noch nicht gewusst habe, was da vor sich gehe, doch spätestens beim zweiten Stopp habe er – auch durch Nachfragen – die Sache durchschaut und die Brandstifter billigend in ihrem Tun unterstützt und die Taten durch sein Verhalten ermöglicht.

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Bei der Höhe der Geldbußen und der Arbeitsauflagen habe das Gericht auch die lange Verzögerung des Verfahrens und die hohen Regressforderungen der Versicherungen berücksichtigt. Beides sei für die Verurteilten eine Belastung, räumte die Richterin ein.

In der Urteilsbegründung wurde deutlich, dass die Kammer auch einen der drei weiteren Angeklagten zumindest für die Taten am 10. August 2011 für schuldig hält. Das Verfahren gegen ihn und zwei Mitangeklagte wird am 16. November fortgesetzt.

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