Rückepferd statt Maschinen
Waldarbeit im Schongang

Münster -

Dicke Äste und dünne Stämme – dafür legt sich Greta gerne ins Zeug oder in ihrem Fall ins Geschirr. Greta ist eine Kaltblutstute, die mit ihrem Besitzer Hans-Hermann Hülsbömer für Ordnung in Wäldern sorgt. Sogenanntes „schwaches Holz“, das nur noch als Kaminholz verwendet werden kann, holen die beiden zurzeit aus der Hohen Ward. Eine Arbeit, bei der sich Tier und Mensch fast ohne Worte verstehen und vertrauen müssen. Das ist echte Teamarbeit.

Sonntag, 06.11.2016, 08:30 Uhr

Die Schwarzwälder-Fuchs-Stute Greta und Hans-Hermann Hülsbömer befreien die Hohe Ward von schwachem Holz.
Die Schwarzwälder-Fuchs-Stute Greta und Hans-Hermann Hülsbömer befreien die Hohe Ward von schwachem Holz. Foto: Wilfried Gerharz

Greta muss brav stehen bleiben, wenn Hülsbömer die Stämme anhängt. Geht sie zu früh los, könnte ihr Besitzer durch die plötzlich in Bewegung geratene Stämme verletzt werden. Erst auf Hülsbömers Pfiff setzt sich das Pferd in Bewegung. „Den Weg sucht sich Greta selbst“, erklärt der Rücke-Experte. „Sie weiß, wo das Holz abgelegt wird und wie sie dort am besten hinkommt.“

Gretas Arbeit wird belohnt

An der Stelle angekommen, bleibt sie wieder stehen und lässt Hülbömer das Holz abhängen. Ans Weglaufen denkt die Stute nicht. „Sie bleibt in meiner Nähe“, ist Hülsbömer sicher. Und er weiß warum. „Weil ich immer ein Stückchen trockenes Brot in der Tasche habe, mit dem gute Arbeit stets belohnt wird.“ Greta ist also bestecklich und lässt sich für ihr Mühe – aus ihrer Sicht – gut bezahlen. Ein Grund zu bleiben und gleich die nächsten Stämme zu holen.

700 Kilogramm Holz kann der Schwarzwälder Fuchs, – eine der kleinsten Kaltblutrassen – locker in einem Zug durch den Wald zu schleppen. Das Pferd hat übrigens keinen Vollzeitjob. „Holzrücken ist nur im Herbst und Winter möglich“, erklärt Hülsbömer. Im Frühjahr werde aus Rücksicht auf Flora und Fauna nicht im Wald gearbeitet, und im Sommer würden Stechmücken Pferd und Mensch zu sehr zusetzten. Greta macht in dieser Zeit Urlaub auf der Weide.

Arbeit mit Pferd schonender für den Wald

Franz-Josef Gövert vom städtischen Grünflächenamt in Münster findet es gut, dass Hülsbömer mit seinem Pferd die Arbeit in dem städtischen Wald übernimmt. „Hier mit schwerem Gerät anzurücken, ist nicht möglich, weil es sich bei der Hohen Ward um ein Trinkwasserschutzgebiet handelt.“ Insgesamt sei die Arbeit mit dem Pferd auch angenehmer und schonender für den Wald. Es müssen keine breiten Gassen geschlagen werden, damit Maschinen durchfahren können. Die Hufe verdichten den Boden nicht und schädigen ihn nicht. „Bäume haben es nämlich gar nicht gerne, wenn ihnen jemand über die Füße fährt“, erklärt Gövert.

Hülsbömer liebt die Arbeit mit dem Pferd – auch wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Er genießt die Ruhe und auch die Entschleunigung. Ein wenig Zeit bleibt auch zum Genießen der Natur. Mittags kommen immer ein paar Rehe vorbei, die sich an das Gespann schnell gewöhnt haben und wissen, dass von den beiden keine Gefahr ausgeht.

Feierabend nach sechs Stunden

Nach gut sechs Stunden Arbeit geht es in den Feierabend in den Stall. Greta bekommt noch Hafer und Heu und darf sich dann bis zum nächsten Morgen ausruhen.

Ein wenig bedauert der Holzrücker, dass sein Einsatz immer seltener gefragt ist. Im Sauerland , in unwegsamem Gelände seien Pferde noch öfter im Einsatz. „Wenn es irgendwie geht, setzten Waldbesitzer eben einfach lieber auf schneller arbeitende Maschinen.“

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