Demonstration bei Mitgliederversammlung
Deutsches Milchkontor sieht Sparzwang

Münster -

Begleitet von Protesten hat das Deutsche Milchkontor (DMK) am Montag auf einer regionalen Mitgliederversammlung in der Halle Münsterland etwa 400 Landwirte über den zukünftigen Kurs des Unternehmens informiert. Neben der Entwicklung des Milchpreises waren hinter verschlossenen Türen die Teilbetriebsschließung des Verwaltungsstandortes Everswinkel und der Verkauf des Werks in Coesfeld Schwerpunktthemen.

Montag, 31.10.2016, 16:37 Uhr

 
  Foto: Meyer

Während die Stimmung bei den Milchlieferanten im Kongresszentrum laut DMK-Pressesprecher Hermann Cordes „emotional, aber sachlich“ war, demonstrierten vor Veranstaltungsbeginn knapp über 20 Verwaltungsmitarbeiter aus Everswinkel gegen den Abbau ihrer Stellen. 120 Vollzeitarbeitsplätze sollen im Kreis Warendorf bis Ende 2017 wegfallen. „Das ist aber nicht gleichzusetzen mit 120 Kündigungen“, betonte Cordes am Rande der Veranstaltung. Dennoch zeigte er Verständnis für die Demonstration : „Es ist das gute Recht der Mitarbeiter, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Wir gehen respektvoll miteinander um.“ Wie viele Stellen ersatzlos gestrichen werden, sei derzeit noch unklar, teilweise würden aber Arbeitsplätze nach Bremen verlagert werden. Diesbezüglich gebe es in den kommenden Wochen Gespräche mit den Betroffenen.

Effizienz steigern, Arbeitsplätze abbauen

Ingo Müller , Sprecher der Geschäftsführung des DMK, sagte laut einer Mitteilung gegenüber den Landwirten: „Das Unternehmen ist gesund: Unsere Finanzstruktur ist solide, wir haben eine gute Eigenkapitalquote.“ Um die Effizienz zu steigern und den Landwirten angemessene Preise für ihre Milch zahlen zu können, sei aber eine Reduzierung der Kosten notwendig. Insgesamt werden rund 250 der 4100 Arbeitsplätze in der Milchverarbeitung gestrichen. „Wir wissen um die Härte und Reichweite der Maßnahmen, aber es gibt keine Alternative“, erklärte Cordes.

Zur Kostenreduktion sei auch das Werk in Coesfeld verkauft worden, sagte der Sprecher. Da an anderen Standorten effizienter produziert werden könne und zusätzliche Aufträge ausgeblieben seien, gehe das Werk ab 2017 in die DMK-Tochtergesellschaft Fude + Serrahn Milchprodukte GmbH & Co. KG über. Etwa zwei Drittel der 119 Arbeitsplätze sollen dadurch wegfallen.

Milchpreise setzen Landwirten zu

Notwendig sind die Einsparungen vor allem aufgrund der Milchmarktkrise 2015/16. „Die Landwirte haben klar gemacht, dass die Betriebe so auf Dauer nicht zu halten sind“, sagte Cordes. Nicht nur, dass der Markt generell eingebrochen war, auch die Struktur des DMK trug zu den historischen Tiefpreisen bei. „Unser Milchpreis ist im Vergleich zum deutschen Durchschnitt zu niedrig und somit nicht wettbewerbsfähig“, stellte Müller fest. Daran ändere auch nichts, dass sich der Preis zuletzt leicht erholt hat und derzeit bei 30 Cent pro Liter notiert. Diese Summe garantiert das DMK seinen Landwirten auch mindestens für die nächsten Monate. An einer weiterhin positiven Entwicklung würden die Landwirte zudem direkt und zu 100 Prozent profitieren, versicherte Cordes. „Und wir sehen derzeit Tendenzen, dass der Preis noch steigt.“

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