Isabel Varell in Lengerich
Mutig, ehrlich, fröhlich

Lengerich -

Auf Einladung des Kulturforums präsentierte Isabel Varell in Lengerich ihr Erstlingswek „Mittlere Reife“. Bei der stimmungsvollen Lesung gewährte sie tiefe Einblicke in ihre Lebensgeschichte.

Samstag, 29.10.2016, 06:44 Uhr

Bereitwillig schrieb Isabel Varell Widmungen in ihre Bücher und auf Autogrammkarten.
Bereitwillig schrieb Isabel Varell Widmungen in ihre Bücher und auf Autogrammkarten. Foto: Detlef Dowidat

„Eine außergewöhnliche Frau”, schwärmte nicht nur Achim Glörfeld . Viele Besucher taten es ihm an diesem nebligen Herbstabend im kuschlig-warmen Veranstaltungsraum der Stadtsparkasse gleich. Isabel Varell löste Wohnzimmer-Atmosphäre aus während ihrer musikalischen Lesung.

Sie stellte ihr Erstlingswerk „Mittlere Reife” in einer Offenheit vor, wie es die Kulturforums-Dauergäste bislang kaum erlebt haben. „Sie haben Maßstäbe gesetzt”, lobte Stadtsparkassenvorstand Glörfeld. „Sie sind eine sympathische Frau und natürlich geblieben. Sie haben uns zwei vergnügliche Stunden beschert“, lobte eine Besucherin, der Isabel Varell neben vielen anderen bereitwillig eine persönliche Widmung schrieb.

Mutig, ehrlich, fröhlich und manchmal nachdenklich blickte die Künstlerin am Donnerstagabend auf prägende Lebenssituationen zurück: ihre ersten Versuche als Sängerin, ihre Beziehung und Ehe mit Drafi Deutscher („Mamor, Stein und Eisen bricht“), ihre Entscheidung, beim Dschungelcamp mitzumachen oder ihr ehrenamtliches Engagement im Hospiz.

Es habe Situationen gegeben, die sie fast umgeworfen hätten. Sogar das Leben wollte sie sich nehmen. „Aber immer wieder habe ich es geschafft, aus den Krisen etwas Wertvolles fürs Leben mitzunehmen. Auch wenn ich nur Mittlere Reife habe, ist etwas aus mir geworden”, lächelte sie ins Publikum. „Mehr habe ich auch nicht”, warf Achim Glörfeld in den Dialog ein. „Und nun haben sie einen Tresor voller Geld”, gab die Künstlerin keck zurück.

„Scheiß’ drauf, gib nicht auf: Wie wollen die schon wissen, wer du bist und wie du drauf bist?“ lautete einer ihrer Songs, die sie zusammen mit dem Gitarristen Raphael Hansen, der sie musikalisch begleitete, zum Besten gab. Sie verdeutlichte damit eine Trotzhaltung. Das führte die als Isabel Wehrmann geborene Rheinländerin zu Isabel Varell, die aus einer zerrütteten Ehe und einer turbulenten Schulzeit ins Rampenlicht aufsteigen sollte.

Locker vom Hocker sang und plauderte das zierliche und temperamentvolle Multitalent. Ihrer Ausstrahlung konnte man sich schwer entziehen. Mit ihrer Lebendigkeit gewann sie sofort die Herzen der Zuhörer. „Wer glaubt, man hätte schon alles erreicht, ist – alt. Und bei uns Erwachsenen bedaure ich den schleichenden Verlust des unbeschwerten Albernseinkönnens.“ Sie kann sich von dieser Aussage getrost ausnehmen, denn sie entdeckt immer wieder etwas Neues für sich. So ist sie mit 40 angefangen zu laufen und hat inzwischen acht Marathonläufe absolviert. „Der Hammer war New York . Da habe ich soviel Emotionen gesammelt und nachdrücklich festgestellt: Wir müssen viel mehr den Hintern nach draußen bewegen.”

Es gäbe noch viele Facetten von dem Abend zu erzählen. „Doch das lesen sie doch in diesem Buch nach”, betrieb Isabel Varell geschicktes Marketing für ihr Erstlingswerk, zu dem sie ihr bester Freund Hape Kerkeling förmlich getrieben habe. „Ich kann gar nicht beschreiben, was dieses Werk für mich bedeutet”, beteuerte sie, was ihr das Publikum sofort glaubte.

Zum Abschluss nahm sie die Besucher noch mit ins Boot. Gemeinsam wurde ein Abschiedslied gesungen. Wahrlich ein bemerkenswerter Abend.

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