Wüste im Süden Tunesiens
Wo Sternenkrieger Karl May begegnen

Seit jeher fasziniert die Wüste Schriftsteller. Sie ist gewaltig, archaisch, schön, gefährlich – und leer wie ein weißes Blatt Papier: Idealer Hintergrund für große Dramen um Liebe, Schicksal und Tod.

Freitag, 15.03.2019, 10:04 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 10:28 Uhr
Das Wüstencamp Zmelaliegt einsam am Rande der Sahara. Von hier aus sind problemlos kleine Wanderungen in die Unberührtheit dieses gewaltigen Sandmeers möglich. Achim Giersberg
Das Wüstencamp Zmelaliegt einsam am Rande der Sahara. Von hier aus sind problemlos kleine Wanderungen in die Unberührtheit dieses gewaltigen Sandmeers möglich. Achim Giersberg

Karl May wusste das, auch ohne jemals vor Ort gewesen zu sein. Den mit über 5000 Qua­dratkilometer größten Salzsee Nordafrikas, den Chott El Djerid im Süden Tunesiens, kannte er nur aus seiner Phantasie und dem „Baedecker“ und doch lässt er seine Helden Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar im 1892 erschienen Roman „Durch die Wüste“ dort Abenteuer er­leben, als wäre er hautnah dabei gewesen.

George Lucas, ein Karl May unserer Tage, war wirklich hier und tief beeindruckt. „So schwierig es auch war, Tunesien war der Ort, der die meisten Erinnerungen in mir wachrief. Es sieht aus wie Tatooine – hier musste „Star Wars“ gedreht werden “, erinnert sich der Regisseur. Nicht nur die Landschaft, auch die Menschen inspirierten ihn. Der ­Burnus, ein traditioneller, weit geschnittener Kapuzen­mantel war Vorbild für die Kluft der „Sandmenschen“, und die Stadt Tataouine gab dem Wüstenplaneten Tatooine seinen Namen. So viele Sternenkrieger-Drehorte gibt es in Süd-Tunesien, dass man problemlos entlang ihnen eine ganze „Stars Wars“-Tour planen könnte.

Geblieben sind nur Kulissen

Darth Vader, Obi-Wan Kenobi und Luke Skywalker sind längst fort, geblieben sind nur ein paar Kulissen – und die Menschen, die schon immer hier lebten und die jetzt versuchen, vom ­Mythos „Star Wars“ ein paar Münzen abzubekommen. „Foto, Foto?“, ruft der Junge, der auf einem Esel angaloppiert kommt, kaum dass er die Besucher entdeckt hat. Ein anderer führt ein Kamel als Fotomotiv heran: „Only one Dinar“. Am Eingang des Weltraumdorfs verkaufen Männer Sand­rosen und im Holzkohlenfeuer gebackene Brotfladen. Ge bleichte Knochen und ein Lichtschwert, das schon bessere Tage ge­sehen hat, dekorieren Stände aus Holzstöcken und Palmenwedeln . „Authentisch“ finden das manche, andere sehen verpasste Chancen: „Da könnte man doch mehr draus machen“.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, hat es versucht. Sie hat das Gelände bei Ong Jmel, auf dem George Lucas 1976 für den ersten „Star Wars“-Film die Stadt „Mos Eisley“ erschuf, eingezäunt, eine Toilettenanlage gebaut, Info-Tafeln aufgestellt. Eine Wanderdüne, die den Drehort zu verschütten drohte, wurde im Rahmen eines Fundraising-Projekts von Behörden und der Fangemeinde erfolgreich umgeleitet. Aber die Wüste gibt nicht auf, langsam aber sicher erobert sie das Gelände zurück, lässt die Bauten zerbröckeln. Auch Copyright-Probleme rund um die mittlerweile zum Disney-Konzern gehörende „Star Wars“- Marke erschweren die Vermarktung.

Tourismus hat wieder zugenommen

Erstaunlich gut erhalten sind dagegen die vielen über 1000 Jahre alten Ksours, burgähnlich befestigte Speicher­ anlagen, rund um die Städte Tataouine und Matmata am Rande der Sahara. Im Ksar Ouled Soltabe, (Drehort von „Episode I: Die dunkle Bedrohung“ von 1999) präsentieren Frauen in Berbertracht Kunsthandwerk. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 25 Prozent und mehr ranken sich ihre Hoffnungen um den Tourismus. Der hat seit den Terror­anschlägen im Tuniser Bardo-Nationalmuseum und auf ­ein Hotel bei Sousse im Jahr 2015 zwar wieder deutlich zu­genommen, aber es ist immer noch „Luft nach oben“. Vor ­allem in der klimatisch vorteilhaften Nebensaison außerhalb der Sommerferien-Monate sollen mehr Besucher in den Süden Tunesiens kommen und das Hinterland der Badestrände der Insel Djerba entdecken, nicht nur bei einem eintägigen Ausflug. Bleiben sollen sie, drei Tage, eine Woche oder länger.

Informationen

Von Frankfurt mit Tunis Air oder Lufthansa in 2,5 Stunden nach Tunis, per ­Inlandflug nach Tozeur oder Djerba und von dort mit Bus oder Mietwagen weiter. Es gibt Hotels aller Kategorien, meistens mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Wüstencamp Zmela: www. campement-zmela.com Das Auswärtige Amt rät von Reisen südlich der Linie Tozeur – Douz – Tataouine ab. Ein großer Teil der Region südlich dieser Linie befindet sich in einem militärischen Sperrgebiet. Die genannten Städte selbst und die touristischen Zentren gelten als sicher und die ­tunesische Polizei zeigt hier eine erhöhte Präsenz. www.discovertunisia.com.

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An Attraktionen über „Star Wars“ hinaus mangelt es nicht: Auf dem Dromedar durch die Wüste reiten, vom halbstündigen Schnupper-Ausflug bis zur mehrtägigen Trekking-Tour mit Übernachtungen unter freiem Himmel. Offroad-Touren mit dem Jeep oder dem Squad. Auch Wandern ist möglich. Vor allem aber lohnen malerisch gelegene Bergdörfer wie Douiret oder Chenini, die einzige noch bewohnte Berber-Berghöhlensiedlung in Tunesien, einen Besuch.

Restaurant und Höhlen-Hotel

Ob er sich vorstellen könne, Chenini einmal zu verlassen und sein Glück in der Stadt, vielleicht sogar in Europa, zu suchen? Ahmed schüttelt den Kopf, nein, er wolle bleiben, er liebe sein Heimatdorf und das einfache Leben hier. Und der junge Berber könnte tatsächlich eine Zukunft finden in der süd­tunesischen Wüste. Der von den tunesischen Kerkennah- Inseln stammende Zahnarzt Dr. Habib Belhedi betreibt hier ein Restaurant mitsamt Höhlen-Hotel und engagiert sich dafür, dass Chenini den Status eines Unesco-Weltkulturerbes erhält. Die Chancen dafür stehen gut, aber: „Die Auflage ist, Kabel und Stromleitungen unterirdisch zu verlegen und auch die blechernen Wasserbehälter müssen aus dem Sichtfeld,“ sagt Dr. Belhedi. Dazu aber brauche es Geld und Unterstützung von der tunesischen Regierung. In den Suiten seines Höhlenhotels lässt es sich trefflich übernachten: Das Sand­gestein wärmt im Winter und kühlt im Sommer. Viele ver­fügen sogar über ein eigenes Bad.

Das ist im „Camp Zmela“ anders. Schon die Anfahrt in das westlich von Tataouine gelegene Camp ist ein Abenteuer. Viele Kilometer über Schotter- und Sandpisten muss ein Jeep überstehen, bis er das Lager am Rande der Sahara-Dünen erreicht. 50 dauerhaft stehende Zelte hat Amara Ben Salem hier rund um ein Restaurant- und Service-Gebäude errichtet. Kerzen statt Strom, keine Heizung, Toiletten und Duschen in Gemeinschaftsanlagen, möbliert nur mit je zwei Feldbetten und dicke Decken gegen die empfindlich kalten Nächte: Was an Komfort fehlt, macht Wüstenfeeling pur mehr als wett. Und bedenkt man, dass alles Wasser von einer sechs Kilo­meter entfernten Quelle in diese lebensfeindliche Um­gebung herbeigeschafft werden muss und das Restaurant dennoch eine hervorragende Verpflegung anbietet. ist das Camp ein Ort des Luxus. Direkt aus dem Zelt in die unberührte Dünenlandschaft der Sahara hineinwandern, das ist ein einmaliges Erlebnis.

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