Reform der Pflegeversicherung
220 000 mehr Menschen mit Pflegeleistungen

Was hat die Pflegereform 2017 gebracht? Mehr Pflegeleistungen. Aber längst nicht für alle fließen auch hohe Beträge aus der Pflegekasse.

Montag, 23.10.2017, 14:07 Uhr

Nach der jüngsten Pflegereform bekommen deutlich mehr Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung.
Nach der jüngsten Pflegereform bekommen deutlich mehr Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Foto: Marijan Murat

Berlin (dpa) - Durch die jüngste Pflegereform ist die Zahl derMenschen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung stark gestiegen.So gab es von Januar bis September 220 000 zusätzliche Empfänger vonLeistungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dies geht aus einer neuen Erhebung der Krankenkassen her, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Sie stammt vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) in Essen.

Die meisten dieser Pflegebedürftigen wäre ohne die Pflegereform, dieAnfang 2017 startete, leer ausgegangen. Seither werden auchBeeinträchtigungen von Wahrnehmung und Erinnerung etwa bei Demenz undProbleme in der Alltagsbewältigung besser berücksichtigt. Allerdingsgeht aus den Zahlen nicht exakt hervor, wieviele Menschen Leistungenbekommen hätten, wenn es die Reform nicht gegeben hätte.

Das bis Ende 2016 geltende Verfahren, nach dem die Gutachter desMedizinischen Diensts Pflegebedürftige begutachteten, zielte vorallem auf körperliche Einschränkungen ab.

Insgesamt haben die Gutachter in den ersten drei Quartalen diesesJahres laut MDS über 1,11 Millionen Versicherte nach dem neuenVerfahren begutachtet. Bei rund 197 000 Versicherten empfahlen dieGutachter den neuen Pflegegrad 1, bei rund 324 000 Pflegegrad 2. BeiPflegegrad 1 können Versicherte 125 Euro pro Monat als Beitrag fürein Heim bekommen. Wie bei allen anderen Pflegegraden können sie auch125 Euro als Entlastung für zu Hause bekommen, etwa für Betreuungoder Unterstützung im Haushalt. Bei Grad 2 fließen bis zu 770 Eurofürs Heim.

241 000 Versicherte bekamen Pflegegrad 3 mit Leistungen bis zu 1262Euro fürs Heim, 139 000 Grad 4 mit bis zu 1775 Euro und rund 62 000Grad 5 mit bis zu 2005 Euro. Bei 151 000 Versicherten erkannten dieGutachter laut MDS keine Pflegebedürftigkeit.

586 000 der Versicherten haben erstmals Leistungen erhalten. DieGesamtzahl von 1,1 Millionen umfasst auch Versicherte, die etwa einenAntrag auf Höherstufung gestellt haben. Eine Höherstufung ist durchdie Reform für viele Pflegebedürftige deshalb attraktiver geworden,weil der von Heim zu Heim unterschiedliche Eigenanteil nicht mehr mitder Pflegestufe steigt. Früher lag der Anteil höher, je höher diePflegestufe war. Nun ist der Anteil gleich, egal welcher Pflegegrad.

In den ersten neun Monaten wurden zudem laut MDS über 268 000Versicherte nach dem alten Verfahren begutachtet, wenn sie schon vorInkrafttreten der Reform einen Antrag gestellt hatten.

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