On All Fours
Frauen-Band Goat Girl: So geht guter Indierock

Wie sehr Frauen längst die moderne Rockmusik prägen, verdeutlicht das zweite Album von Goat Girl. Die vier Britinnen überschreiten mutig Grenzen - und setzen erste Maßstäbe für den Indie-Jahrgang 2021.

Mittwoch, 03.02.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 06:02 Uhr
Raus aus der Schublade: Goat Girl.
Raus aus der Schublade: Goat Girl. Foto: Holly Whitaker/Beggars

Berlin (dpa) - Der Bandname hat schon etwas Aufmüpfiges, und das spiegelt sich auch in den Texten von Goat Girl wider. Da wird gleich im Album-Opener mit dem F-Wort hantiert, und das chaotische «Vereinigte Königreich» der 2020er Jahre bekommt auch danach einige Male sein Fett weg.

Dass «On All Fours» (Rough Trade), das zweite Album der Londonerinnen, bei alledem ein zugängliches Indie-Gitarrenrock-Album geworden ist, macht die Sache noch besser. Goat Girl begeben sich nach dem noch roheren selbstbetitelten Debüt von 2018 mit spannenden Arrangements (inklusive Keyboard-Effekten, Loops und Synthie-Fanfaren wie im toll komplexen «Jazz In The Supermarket») auf den Weg in einen gehobenen Pop-Mainstream, ohne sich zu verbiegen.

Wie auch bei der zurzeit mächtig gehypten Postpunk-Band Shame hat die Musik der «Ziegenmädchen» ihren Ursprung in der frischen Szene des Londoner Südens - mit dem Brixtoner Club The Windmill als Zentrum. Der rotzige Debütsound der vier jungen Frauen war schon vor drei Jahren spektakulär - umso bemerkenswerter, dass sie ihre Klangwelt jetzt so mutig erweitert haben.

Holly Mullineaux, die derzeit aktuelle Goat-Girl-Bassistin, erklärt das laut Deutschlandfunk Kultur so: «Ich glaube, es gab einfach das Verlangen, aus dieser Schublade herauszutreten, in die Goat Girl als Teil der Windmill-Szene hineingesteckt wurden. (...) Wir wollten mit unserem Sound und unserer Ästhetik als Band spielen.» Am deutlichsten nachzuhören in den Tracks «Sad Cowboy» und «Closing In», die mit treibenden, bunten House- und Karibik-Elementen spielen.

Aber es gibt natürlich noch Konstanten bei dieser äußerst talentierten Frauenband: «On All Fours» wurde wie der Vorgänger vom derzeit angesagten Studiotüftler Dan Carey produziert. Und geblieben sind auch lässig groovende Postpunk-Gitarren (Anspieltipp: «The Crack») und bissige politische Texte über eine Youngster-Generation, die nun lernen muss, mit den Brexit-Folgen zu leben.

Goat Girl - das sind Sängerin Lottie Pendlebury alias Lottie Cream, Gitarristin Ellie Rose Davies (L.E.D.), Schlagzeugerin Rosy Jones (Rosy Bones) und Bassistin Holly Mullineaux (Holly Hole). Mit seinem zweiten Album beweist das Quartett, dass auch in der Rockmusik die Zukunft im hohen Maße weiblich ist. «On All Fours» setzt jedenfalls schon mal Maßstäbe für das Indiepop-Jahr 2021.

© dpa-infocom, dpa:210128-99-206632/3

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