Welcome To Hard Times
Charley Crockett: Honkytonk und Italo-Western

Klassischer Klimper-Country, ein wenig Rhythm&Blues, dazwischen noch eine Prise Spaghetti-Western - Charley Crocketts neues Album «Welcome To Hard Times» zeigt, dass sich Country Music durchaus neu erfinden lässt.

Samstag, 01.08.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 06:02 Uhr
Charley Crockett hat seine ganz eigene Vorstellung von Country.
Charley Crockett hat seine ganz eigene Vorstellung von Country. Foto: Bobby Cochran

Nashville (dpa) - Angeblich hat Charley Crockett den amerikanischen Volkshelden Davy Crockett, der im Kampf gegen die Mexikaner 1836 in der legendären Schlacht von Alamo in Texas starb, in der Ahnentafel. Prüfen lässt sich das nicht so genau, zumindest aber stammt der Musiker aus San Benito im Süden von Texas.

Und er liebt alte Western-Filme, denn sein neuestes Album «Welcome To Hard Times» trägt den selben Titel wie ein Film mit Henry Fonda in der Hauptrolle aus den 60er Jahren. Und «Der Mordbrenner aus Texas», so der deutsche Titel, bestimmt mit seinen Charakteren - Kriminelle, Spieler und Knast-Insassen - den Weg zu dem nunmehr besungenen Leid.

«Das Leben ist ein Casino, die Würfel sind gezinkt, alles im Leben ist gezinkt, mein Leben ist nicht fair - willkommen in schweren Zeiten», singt Crockett im Titelsong. Er selber sieht das ganze Leben als Spiel mit gezinkten Karten und Würfeln. «Und trotzdem musst du die Würfel werfen, auch wenn du über das falsche Spiel Bescheid weißt.»

Ähnlich düster klingt der einstige Straßenmusiker in den anderen Songs. In «The Poplar Tree» sinniert er gar über den bevorstehenden Tod nach, denn schließlich soll er an der besungenen Pappel gelyncht werden - der Vergleich zum klassischen Lied von Tom Dooley drängt sich auf.

Crockett hat in den 15 Songs mehrere Stilrichtungen unter einen Cowboy-Hut gebracht - Retro-Country, Honkytonk, Soul und Blues treffen aufeinander und ergänzen sich. Und die Melodien von Italo-Western sind auch nicht zu überhören, etwa in «Paint It Blue». «Ich wollte einfach stilistisch etwas zusammenbringen - Küste am Golf von Mexiko, Country und auch Western», sagt er zu seinem Stil. «Country Music war eben schon immer eklektisch.»

Der «Self-Made-Musiker» hat sich vom Straßensänger zum weitgehend unabhängigen Sänger und Songwriter in der Country-Szene hochgearbeitet. «Meine Musik ist inspiriert von dem, was ich in den U-Bahnen oder schnell zusammengewürfelten Bands gespielt habe, um essen zu können», sagt er über sich selbst. «Ich habe auf Farmwiesen gesessen und alles in meinen eigenen Sound gegossen.» Und wenn das nicht richtiges Country sei, «dann weiß ich nicht, was Country ist».

Crockett sind harte Zeiten nicht fremd. Im Vorjahr wurde er wegen einer lebensgefährlichen Herzerkrankung notoperiert. Er meint, dass diese Erfahrung ihn zu dem Album inspirierte, das er sich wirklich wünschte. «Die Narbe erinnert mich an die begrenzte Zeit, die mir noch bleibt», sagte er. Und daher da wollte er einfach ein Album herausbringen, «das die Diskussion über Country Musik auf eine komplett neue Ebene stellt.»

© dpa-infocom, dpa:200624-99-545535/5

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