Kunst-Lieder
Artpop für Feinschmecker: no-man und Nits

Lange nichts mehr von no-man gehört, dem Duo-Projekt von Artrock-Star Steven Wilson und Tim Bowness. Doch 2019 war es mal wieder soweit. Auch das niederländische Artpop-Trio Nits ist weiterhin aktiv.

Mittwoch, 25.12.2019, 15:55 Uhr aktualisiert: 26.12.2019, 10:36 Uhr
Steven Wilson und Tim Bowness haben lange an «Love You To Bits» gebastelt.
Steven Wilson und Tim Bowness haben lange an «Love You To Bits» gebastelt. Foto: Carl Glover

Berlin (dpa) - Mit seiner Neo-Prog-Band Porcupine Tree und unter eigenem Namen ist Steven Wilson zum Rock-Superstar aufgestiegen. Nun veröffentlicht er mit dem Artpop-Langzeitprojekt no-man das erste Album seit elf Jahren. Von den niederländischen Artpop-Veteranen Nits gibt es ebenfalls etwas Neues.

Während das Trio aus dem westlichen Nachbarland erst vor zwei Jahren mit «Angst» eine Platte herausgebracht hatte und schon davor regelmäßig aktiv war, kommt das Comeback von NO-MAN überraschend. «Love You To Bits» (Caroline International) bedeutet eine Rückkehr der auch solo erfolgreichen Musiker und Songschreiber Wilson (52) und Tim Bowness (56) zum Duo-Format, das sie 1987 unter dem witzigen Bandwurm-Namen «No Man Is An Island (Except The Isle Of Man)» gegründet hatten.

Wie es sich für Artpop gehört, spielen Song-Längen in dieser «Disco-Oper» (O-Ton Wilson) - dem sechsten Studioalbum von no-man - keine Rolle. Über rund 36 Minuten entwickelt das Album eine beachtliche Sogwirkung, obwohl es in nur zwei ausufernde Stücke («Love You To Bits» und «Love You To Pieces») gegliedert ist, die wiederum jeweils fünf Einzelteile enthalten. Gitarrenrock, Synth-Pop, Dancefloor, Elektro und auch Jazz werden in den zehn Tracks kunstvoll verwoben, so dass keine Langeweile aufkommt, obwohl eigentlich nur ein gleichbleibendes melodisches Thema variiert wird.

Angeblich stecken fast zehn Jahre Arbeit von Wilson/Bowness in «Love You To Bits» - dafür hätte man sich freilich etwas mehr Abwechslung vorstellen können. Ein großer Pluspunkt ist aber - wie immer bei no-man - die weiche, sehnsuchtsvolle, oft an Paddy McAloon (Prefab Sprout) erinnernde Lead-Stimme von Tim Bowness, der die Brillanz des Multi-Instrumentalisten Wilson kongenial ergänzt.

Es soll Musikfans geben, die sich heute noch freudig an den einzigen großen Hit der NITS aus Amsterdam erinnern: die Single «In The Dutch Mountains» vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1987. Seither haben Henk Hofstede (Gesang, Gitarre), Robert Jan Stips (Keyboards) und Rob Kloet (Drums) viele weniger bekannt gewordene, aber doch gute bis sehr gute Platten veröffentlicht.

Als ein Höhepunkt dieser Karriere knapp unter dem Radar gilt «Ting» (1992). Neben der minimalistischen Besetzung mit zwei Klavieren und Percussion prägten die klingenden Steine des Schweizer Bildhauers Artur Schneiter einen avantgardistischen und zugleich federleichten Artpop.

Auch «Knot» (Werf Records/Bertus) setzt auf reduzierte Arrangements. Zu hören sind zarte Piano- und Orgel-Tupfer, jazziges Schlagwerk, manch ungewohnte, improvisierte Sound-Ideen, freie Songstrukturen sowie die manchmal an Paul Buchanan (The Blue Nile) erinnernde Hofstede-Stimme.

Das Trio konnte sich aus 20 Stunden Material bedienen und schuf für «Knot» elf fragile, vielschichtige Kunst-Lieder. Das 24. Studioalbum der Nits in gut 40 Jahren ist von gewohnter Kompromisslosigkeit - und bezaubert mit einer für diese tolle Band typischen, leicht bizarren Schönheit.

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