Ausnahme-Künstler
Tolle Tribute-Alben für Tom Waits und Mose Allison

Viele starke Künstlerinnen prägen zwei neue Tribute-Alben für Mose Allison und Tom Waits. Dem berühmtesten Krächz-Sänger der Rockmusik erweisen sogar ganz allein Frauen ihre Reverenz.

Dienstag, 24.12.2019, 14:48 Uhr aktualisiert: 24.12.2019, 14:50 Uhr
Großer Poet, starke Stimme, eigenwilliger Kauz: Tom Waits.
Großer Poet, starke Stimme, eigenwilliger Kauz: Tom Waits. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Anfang Dezember wurde Tom Waits 70 - fast gleichzeitig erschien ein von Frauen bestrittenes Tribute-Album für den Musiker mit der Raspelstimme. Und auch für den großen Jazz- und Blues-Mann Mose Allison (1927-2016) gibt es seit kurzem eine angemessene Würdigung.

Ein Trio mit dem Männer-Vornamen Joseph macht den Anfang bei der Verbeugung vor Waits, die nach dem Opener «Come On Up To The House - Women Sing Waits» (Dualtone/SPV) benannt ist. Die Verbindung mag zunächst etwas befremdlich wirken, aber schnell wird klar: Waits war und ist trotz seiner ruppigen Stimme und der oft furchterregenden Erscheinung ein so vollendeter, sensibler Songpoet, dass die hier vertretenen Frauen seine prächtigen Lieder kongenial umsetzen können.

Besonders gut gelingt das der wunderbaren Aimee Mann («Magnolia»), die «Hold On» von Waits' Grammy-Gewinner-Werk «Mule Variations» (1999) fantastisch interpretiert. Bei «Georgia Lee» vom selben Album macht auch die in den vergangenen Jahren zum Shooting-Star der US-Songwriterinnen-Szene avancierte Phoebe Bridgers alles richtig. Die Schwestern Shelby Lynne und Allison Moorer finden die perfekte Mischung aus Folk-Schmerz und Country-Schmelz für ihre Version des frühen Waits-Stücks «Ol' 55», das die Eagles bekannt machten.

So geht es weiter mit tollen Neufassungen von «Take It With Me» (Angie McMahon) und «Jersey Girl» (Corinne Bailey Rae), das Waits für seine künftige Ehefrau Kathleen Brennan schrieb, bevor es 1984 Bruce Springsteen coverte. Die durch Rod Stewart berühmt gewordenen Lieder «Downtown Train» und «Tom Traubert's Blues» werden von Courtney Marie Andrews und The Wild Reeds herrlich gesungen. Extrem berührend: «You Can Never Hold Back Spring» in der Version der jungen Texanerin Kat Edmonson.

Patty Griffin, Rosanne Cash und Iris DeMent vervollständigen das Line-up dieser feinen Tribute-Platte im Countryfolk- und Popballaden-Modus. Zwar repräsentieren die zwölf Stücke nicht die wilde, sperrige, avantgardistische Seite des Tom Waits', aber womöglich haben die Damen auch erkannt, dass Gekrächze und «kaputte» Sounds nicht ihre Kernkompetenzen sind. Man kann «Come On Up To The House» mithin - im Gegensatz zu manchen Waits-Platten - eigentlich zu jeder Gelegenheit und auch im Hintergrund genießen.

Zu den interessantesten Würdigungs-Alben dieses Jahres gehört auch «If You’re Going To The City: A Tribute To Mose Allison» (Fat Possum Records). Hier sind ebenfalls einige sehr renommierte Sängerinnen unter den Interpreten von 15 Liedern des US-amerikanischen Jazz- und Blues-Musikers, der vor drei Jahren mit 89 Jahren starb: Die zuletzt viel zu selten präsente Fiona Apple (im swingenden «Your Molecular Structure» mit The Tippo Allstars), Chrissie Hynde, Bonnie Raitt und Amy Allison, die Tochter des legendären Songwriters.

Neben diesen Frauen zeigen männliche Musiker - etwa Elvis Costello, Taj Mahal, Iggy Pop, Ben Harper mit Charlie Musselwhite, Loudon Wainwright III, Richard Thompson, Jackson Browne oder Frank Black (Pixies) - ihre Verehrung für John Mose Allison Jr. Dieser hatte mit seiner einzigartigen Stilmixtur Künstler wie Jimi Hendrix, J.J. Cale, The Yardbirds, The Rolling Stones, Pete Townshend (The Who) beeinflusst - und übrigens auch Tom Waits.

Vor allem Rockmusiker der 60er wurden auf Mose Allison aufmerksam, der 1927 im Mississippi-Delta geboren wurde und bereits Alben wie «Back Country Suite» (1957) und «Young Man Mose» (1958) herausgebracht hatte. Einige davon sind nun in einer BBC-Dokumentation mit dem ironischen Titel «Ever Since I Stole The Blues» zu erleben, die dem Tribute-Album als DVD beiliegt.

Wer diese CD/DVD erwirbt, tut übrigens nicht nur sich selbst Gutes: Die Einnahmen gehen an die Charity-Organisation «Sweet Relief», die Musikern Unterstützung und finanzielle Hilfe im Krankheitsfall, bei Behinderung oder im Alter bietet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7152821?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F1110655%2F1112233%2F
Nachrichten-Ticker