Punkpop-Pionierin
Chrissie Hyndes brillantes Cover-Album

Als Pretenders-Frontfrau war Chrissie Hynde vor 40 Jahren die wichtigste weibliche Stimme einer von Punk infizierten Rockmusik. Nun zeigt sie mit Cover-Versionen zwischen Jazz, Pop und Reggae, dass sie zu den besten Sängerinnen ihrer Generation zählt.

Dienstag, 10.09.2019, 09:53 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 09:56 Uhr
Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde beim Glastonbury Festival.
Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde beim Glastonbury Festival. Foto: Yui Mok

Berlin (dpa) - Wenn berühmte Singer-Songwriter reine Cover-Alben vorlegen, darf man schon mal Sorge haben: Ist da kein kreativer Funke mehr, keine Inspiration für eigene Lieder? Falls dabei jedoch ein so schönes Pop-Jazz-Album wie «Valve Bone Woe» von Chrissie Hynde herauskommt, ist Gemäkel völlig fehl am Platz.

Die Auswahl der in London mit großem Orchester aufgenommenen Stücke ist extrem geschmackssicher: aus dem Pop «Caroline, No» von Brian Wilson (The Beach Boys), «River Man» von Nick Drake oder «No Return» von Hyndes Ex-Mann Ray Davies (The Kinks); aus dem Jazz die Instrumentals «Naima» (John Coltrane) und «Meditation On A Pair Of Wire Cuts» (Charles Mingus). Und dann noch die Balladen des Great American Songbook: etwa der Sinatra-Klassiker «I'm A Fool To Want You» oder «I Get Along Without You Very Well» von Hoagy Carmichael.

Ein Ereignis sind zudem die fantastischen Arrangements der 14 Coverversionen - und Hyndes wunderbar warmer Gesang. Einen Tag nach Veröffentlichung von «Valve Bone Woe» - am 7. September - wird die US-Amerikanerin 68 Jahre alt. Ihre Stimme aber klingt noch so frisch und betörend wie damals, als sie «Stop Your Sobbing» (1979) oder «Don't Get Me Wrong» (1986) sang.

In «Wild Is The Wind», einem durch David Bowie bekannt gewordenen Lied, schweben Hyndes sehnsuchtsvolle Alt-Vocals über einem unerwarteten, langsamen Dub-Reggae-Rhythmus. Aber auch jede andere Vorlage macht sich die einstige Punkpop-Pionierin mit viel Gefühl und mancher produktionstechnischen Überraschung zu eigen. 

«Eigentlich habe ich kein übermäßig großes Interesse, mich als leidenschaftliche Rocksängerin in anderen Musikgenres zu bewegen», sagt Hynde. «Jedoch bin ich mit Jazzmusik aufgewachsen und habe seitdem eine kleine Schwäche für den Jazz.» Letztlich sei dies «die kreativste und innovativste Musikform des 20. Jahrhunderts. Ich springe nur zu gern auf diesen Zug auf.» Das Ergebnis ist ein würdiges erstes Alterswerk einer der besten Sängerinnen ihrer Generation.

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