Shepherd In A Sheepskin Vest
Bill Callahan: Der spröde Schäfer kehrt zurück

Seine spröde Bariton-Stimme ist unverwechselbar - auch nach langen Jahren der Kreativpause. Nun kehrt Bill Callahan mit einem Album zurück, das zumindest von der Zahl der gebotenen Songs her sehr üppig ist.

Dienstag, 25.06.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 25.06.2019, 14:02 Uhr
Shepherd In A Sheepskin Vest: Bill Callahan: Der spröde Schäfer kehrt zurück
Foto: Drag City

Berlin (dpa) - Fünf Jahre ließ sich Bill Callahan Zeit, um seine Fans nach Familiengründung mit Ende 40 und einer insgesamt ruhigeren Lebensphase mit neuen Liedern und seinem unnachahmlich trockenen Bariton zu verwöhnen.

Dann aber auch so richtig: «Shepherd In A Sheepskin Vest» (Drag City) enthält gleich 20 Tracks - von kurz und skizzenhaft bis (relativ) ausgeformt. Es sind oft reduzierte Lieder, beschränkt auf Gitarre, Pedal-Steel, Bass, Piano und etwas Schlagzeug oder Drum-Machine, die der mittlerweile 53 Jahre alte Singer-Songwriter aus Austin/Texas hier präsentiert.

Man fühlt sich an Neil Young in einer seiner Country-Folk-Phasen erinnert, an Kurt Wagner von Lambchop, Jeff Tweedy im Solo-Modus, Mark Kozelek oder Damien Jurado. Stille, introvertierte Songs, gelegentlich mit einem leicht exotischen (klassisch-spanischen) Gitarrenklang - aber selten so üppig wie die meist langen Stücke der Meisterwerke «Sometimes I Wish We Were an Eagle» (2009) und «Dream River» (2013).

Callahan ist hier natürlich weit entfernt von den Anfängen als LoFi-Songwriter, der seine damals noch kargen, spröden Lieder in den 90er Jahren auf Vier-Spur-Rekordern aufnahm, zunächst noch unter dem Alias-Namen Smog. Aber in punkto Zugänglichkeit und epische Größe war er schon mal weiter als jetzt mit «Shepherd In A Sheepskin Vest».

Was keine Kritik sein soll, denn auch diese neuen Stücke entfalten nach mehrmaligem Hören mit ihrer Ruhe und Reife den typischen Bill-Callahan-Sog. «Where have all the good songs gone?», fragt der 53-Jährige in «Writing». Man darf wohl sagen: Etliche gute Lieder sind wieder mal bei diesem formidablen Singer-Songwriter gelandet.

Auch nachzuhören am 8. Oktober beim bislang einzigen für Deutschland angekündigten Callahan-Konzert in Berlin.

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