Musik
Extrem laut und selten leise: Frank Turner

Viel Lärm und eine positive Botschaft: Die neue Platte von Singer-Songwriter Frank Turner verabschiedet sich vom melodischen Folk und erinnert an die alten Punkzeiten des Engländers.

Mittwoch, 12.08.2015, 12:25 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.08.2015, 12:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.08.2015, 12:25 Uhr
Frank Turner mag es laut.
Frank Turner mag es laut. Foto: Herbert P. Oczeret

Berlin (dpa) - Laute Gitarren und eine kraftvolle Stimme dazu: Frank Turners neues Album «Positive Songs for Negative People» ist nichts für Leute, die sich in Selbstmitleid wälzen wollen. Es macht Krach und soll aufrütteln. «So schwer das Leben auch sein kann, du musst kämpfen anstatt dich heulend auf den Boden zu legen», sagt Turner über die Platte .

WER?

Bereits mit Album Nummer Sechs meldet sich der wohl vielen noch unbekannte Singer-Songwriter Frank Turner zurück. Der ehemalige Frontmann der Punk-Hardcore-Band Million Dead sieht seine Musik selbst irgendwo zwischen Folk, Punk Rock und Rock 'n Roll. Auf großen Bühnen steht der 33-jährige Engländer schon seit einiger Zeit. So spielte er auf der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London vor rund 80 000 Menschen. Turner ist ein Bühnenmensch. «Das Touren ist mein Leben», erzählt er. «Es ist mein Handwerk. Manche Menschen sind Ärzte, Handwerker oder Mechaniker. Ich bin ein verdammter Künstler.» Im vergangenen Jahr war Turner vier Monate nicht auf Tour. Eine längere Pause habe es nicht gegeben, seit er 19 Jahre alt war. Turner ist rastlos. «Ich weiß nicht, wie ich erwachsen sein kann - nur an einem Ort.»

WIE?

Das neue Album ist rockiger und lauter als seine Vorgänger - der Folk kommt nur hier und da noch durch. «Es ist ein positives Album», findet Turner. Es sei die Art Platte, die den Moment beschreibt, wenn man vom Fahrrad fällt und dann wieder aufsteht. Turner produzierte das Album mit dem Musiker Butch Walker , der schon mit Avril Lavigne und Taylor Swift zusammenarbeitete. Das war aber nicht der Grund, wieso Turner mit Walker produzieren wollte. Walker macht selbst Musik, Turner liebt seine Alben. Der Plattenfirma war Walker allerdings zu teuer. Deshalb fragte Turner auf Facebook, ob ihn jemand kenne. Es stellte sich heraus, dass die Beiden viele gemeinsame Freunde hatten. Sie trafen sich, redeten kurz über Musik, einigten sich und betranken sich anschließend.

FÜR WEN?

Wer Turner zuvor mochte, wird auch das Album mögen - aber die ruhigen Töne vermissen. Neben vielen lauten Songs, in denen sich Turner die Seele aus dem Leib zu brüllen scheint - wie etwa bei «Out of Breath» - gibt es auch ein paar ruhige Momente. Besonders «Song for Josh» sticht heraus. Die Live-Aufnahme ist dem Sicherheitschef eines Clubs in Washington, D.C., Josh Burdette, gewidmet, der sich das Leben nahm. «Wir waren gute Freunde», erzählt Turner. Etwas melodisch wird es bei «The Next Storm» - ein Song, mit dem Turner Hoffnung verbindet. Turners Ziel war es, ein Album zu machen, dessen Lieder wie ein Schlag ins Gesicht sind - die man sich sofort merkt. Das ist ihm gelungen. Wuchtige Gitarren und die manchmal fast grölende Stimme erinnern an seine Wurzeln im Punkrock. Doch fehlt manchmal dieses alte Gefühl von nur ihm und seiner Gitarre - es ist extrem laut auf dieser Platte, selten leise.

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