Dülmen
Glosse: Fernöstliche Wahlkampfkunst

Donnerstag, 12.04.2012, 18:51 Uhr

Rund 40 Plakate sorgen für mächtig Aufregung. Hartmut Tolksdorf und Willi Kappen nutzen, wie berichtet, den aktuellen Wahlkampf in NRW, um darauf aufmerksam zu machen, welche Fraktion in Düsseldorf sich gegen eine Dichtheitsprüfung ausgesprochen hatte.
Die SPD, so zeigt es das Plakat der Bürgerinitiative, zählt nicht dazu.

Wer genau hinschaut, kann unter dem Aufdruck erkennen, dass auch Bürgermeisterin Lisa Stremlau oder wahlweise der SPD-Landtagsabgeordnete André Stinka von den Plakaten herunterlächeln. Es handelt sich nämlich um ausrangierte SPD-Plakate aus früheren Wahlkämpfen, die Tolksdorf kurzerhand mit dem aktuellen Motiv der Bürgerinitiativen überklebt hat.

„Das werden wir uns nicht gefallen lassen, dass ein Geschenk unserer Partei an den Künstler Peter Grzan auf diese Weise gegen uns eingesetzt wird“, zeigt sich Dülmens SPD-Vorsitzender Heiner Kiekebusch sehr verärgert darüber, dass die SPD ungefragt als Plattform für die Dichtheitsprüfungsgegner herhalten muss. Und stattete am Donnerstag mit André Stinka Grzan einen Besuch ab.

Der sollte erklären, wie die Plakate, die die Genossen ihm für ein Schulprojekt zur Verfügung gestellt hatten, in die Hände der Bürgerinitiative gelangen konnten. Der Künstler hatte allerdings Glück und weilte in Frankreich. So richtete sich der Zorn der Genossen gegen Tolksdorf und seine Initiative: „Das ist wirklich unfair und geht unter die Gürtellinie. Ich habe mich der politischen Diskussion immer offen gestellt, aber diese Art der Auseinandersetzung akzeptiere ich nicht“, fordert Stinka, dass die Plakate sofort wieder herunter müssen.

Tolksdorf sieht die Sache anders: „Haben die wirklich nichts anderes zu tun, als sich über so eine Bagatelle aufzuregen? Die SPD sollte lieber eine bessere Kommunalpolitik machen“, spottet er. Und will die Plakate auf jeden Fall hängen lassen: „Die waren bei der SPD doch längst ausrangiert und standen uns damit auch zur freien Verfügung.“

Das überklebte Konterfei der SPD-Politiker sei doch ohnehin kaum zu erkennen. „Aber ich bin auch bereit, die Plakate von hinten zu bekleben, dann sieht man gar nichts mehr von der SPD“, schlägt er vor. Stinka geht das nicht weit genug: „Schon das Recht am eigenen Bild sollte Argument genug sein, um diese Plakate zu entfernen.“

Inzwischen hat Tolksdorf von der Stadt Dülmen den Auftrag, die „Wilde Plakatiererei“, für die er keine Genehmigung habe, rückgängig zu machen. „Das will ich schriftlich haben. Und wir werden uns gegen diese Willkür zur Wehr setzen“, bleibt Hartmut Tolksdorf im Plakatstreit eisern.

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