Paar muss für mehrfachen Diebstahl ins Gefängnis
Prozess: Videos widerlegen die Lügen

Dülmen. Videoaufnahmen zeigten am Ende die Wahrheit: Vor dem Amtsgericht Dülmen musste sich am Dienstag ein Pärchen wegen diverse Ladendiebstähle verantworten - und kassierten am Ende Haftstrafen. Alle Infos dazu gibt es hier.

Dienstag, 04.05.2021, 19:15 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 19:20 Uhr
Paar muss für mehrfachen Diebstahl ins Gefängnis: Prozess: Videos widerlegen die Lügen
Foto: dpa

Zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung wurde am Dienstag vor dem Amtsgericht Dülmen ein Paar aus Ottmarsbocholt verurteilt. Der 44-Jährige muss für ein Jahr und vier Monate hinter Gitter, seine vier Jahre jüngere Lebensgefährtin für sieben Monate.

Sie waren schuldig befunden worden, in mehreren Fällen in Coesfeld und Dülmen vor allem Tabakwaren, aber auch Lebensmittel und Parfümflaschen entwendet zu haben, teilweise um den Drogenkonsum des Mannes zu finanzieren.

Gestohlen, um Drogenkonsum zu finanzieren

Vor allem der Mann kam nicht als unbeschriebenes Blatt in Saal II im zweiten Stock des Amtsgerichts. Mehrere Minuten dauerte es, bis der Vorsitzende des Schöffengerichts die bisherigen Verurteilungen aus dem Bundeszentralregister vorgelesen hatte.

Teilweise mehrfach jährlich war der gelernte Koch wegen Diebstahls verurteilt worden - vor allem in Hamm, aber auch in Soest, Dortmund, Bochum oder Wuppertal. Die Taten hatte er begangen, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. 23 Jahre sei er heroinabhängig gewesen, sagte er zu Beginn des vierstündigen Prozesses. Inzwischen nehme er Methadon.

Tabakwaren im Real-Markt gestohlen

Im Oktober 2019 hatte er mehrmals aus dem Edeka-Markt in Coesfeld und dem dort mituntergebrachten Zigarettenshop Lebensmittel und Tabakdosen mitgenommen, ohne sie zu bezahlen.

Wenige Wochen später, am 24. Januar 2019, entwendete er, nun gemeinsam mit seiner heutigen Lebensgefährtin, Tabakwaren im Gesamtwert von über 200 Euro aus dem Dülmener Real-Markt. Im darauffolgenden Juli folgte ein gemeinschaftlicher Diebstahl im Coesfelder Drogeriegeschäft Rossmann, wo der 44-Jährige allerdings im Kassenbereich von einem Ladendetektiv gestellt wurde.

Video überführt die Mittäterin

„Er ist im Prinzip mit dem Kopf unter dem Arm in den Gerichtssaal gegangen“, umschrieb der Anwalt des Ottmarsbocholters die Tatsache, dass sein Mandat vollumfänglich geständig war. Seine Freundin sei dagegen völlig unschuldig, betonte der Angeklagte. Was sie unterstrich: „Ja, ich war dabei. Ich habe aber nicht gesehen, was er gemacht hat. Ich selber habe nichts genommen.“

Diese Aussage konnte das Gericht widerlegen - die Videoaufzeichnungen aus den Einkaufsmärkten wurden im Gerichtssaal vorgeführt und belegten die Mitschuld der ehemaligen Dülmenerin.

Bewährungsfrist war gerade erst abgelaufen

Zusätzlich belastend wirkte sich im Strafmaß für die ebenfalls mehrfach Vorbestrafte aus, dass sie den gemeinschaftlichen Diebstahl im Real-Markt am Tag nach Ablauf der Bewährungsfrist für eine vorhergehende Straftat unternommen hatte. Das hatte auch die Staatsanwaltschaft nicht außer acht gelassen und acht Monate Freiheitsentzug für die ehemalige Dülmenerin gefordert. Ihre Verteidigerin hatte auf Freispruch plädiert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wie aktuell die Lage am Amtsgericht Dülmen ist und wie die Pandemie die Verfahren beeinflusst, das berichtet Gerichtsdirektor Dr. Marc Büning in der DZ-Ausgabe von Mittwoch.

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