Dr. med. Gregor Dresemann beantwortet Fragen zur Corona-Pandemie
„Ende des Lockdowns ist vertretbar“

Dülmen. In einem DZ-Interview hatte der Onkologe Dr. Gregor Dresemann für einen anderen Blick auf die Corona-Pandemie geworben. Und versprochen, Fragen der DZ-Leser zu beantworten. Die Dülmener Zeitung bringt in ihrer Samstagsausgabe die ersten Antworten.

Freitag, 05.06.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 20:23 Uhr
Dr. med. Gregor Dresemann beantwortet Fragen zur Corona-Pandemie: „Ende des Lockdowns ist vertretbar“
Symbolbild Foto: dpa

Ich arbeite in einem Altenhilfezentrum. Wie sehen Sie die Lockerung im Hinblick auf diese hoch gefährdete Personengruppe?

Gregor Dresemann: Das Gefährdungspotenzial der Bewohner scheint davon abhängig zu sein, ob in deren Umgebung mit (multi-)resistenten Keimen (MRSA) zu rechnen ist. Diese Einschätzung legen alle Beobachtungen z. B. in Norditalien oder die Obduktionsergebnisse eines Hamburger Pathologen nahe.

Wie sind die hohen Infektionszahlen und Todeszahlen in Italien und Spanien zu erklären?

Dresemann: In Norditalien liegen die Infektionszahlen auf vergleichbarem Niveau von 20 bis maximal 30 Prozent der Bevölkerung. Aber es gibt deutlich schwerere Krankheitsverläufe mit erheblicher Todesrate. Die häufigste Todesursache: Folgen einer gleichzeitigen bakteriellen Infektion. Ein möglicher Hinweis auf die Ursache: Während in Norditalien die Kliniken und Krankenhäuser gegenüber den Hausärzten ein sehr hohes Ansehen genießen, haben Kliniken und Krankenhäuser in Süditalien ein deutlich geringeres Ansehen, also die Kontaktwahrscheinlichkeit eines Corona-Infizierten mit einer stationären Einrichtung in Süditalien deutlich geringer ist als in Norditalien. In Spanien und Frankreich liegen die Dinge ähnlich wie in Norditalien.

Sehen Sie ein Risiko einer zweiten Welle im Falle nach einem Ende des Lockdowns?

Dresemann: Definiert man als „zweite Welle“ den moderaten, für die Bevölkerung nicht relevanten Anstieg der Infektionsrate durch Beendigung des Lockdown, so wird es diese „zweite Welle“ als kurze Welle mit maximal zehn- bis 20-prozentigem Anstieg der Infektionszahlen mit großer Wahrscheinlichkeit geben, ohne dass das Gesundheitssystem in Deutschland überlastet wird und ohne eine Erhöhung der Sterblichkeit in der Bevölkerung.

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