Altenpflegeeinrichtungen bemühen sich um möglichst viel Normalität im Alltag
Abwechslung trotz Besuchsverbots

Dülmen. Die Altenheime stellen sich auf die Corona-Pandemie ein und versuchen, den Alltag für ihre Bewohner so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ärger gibt es über Berichte, die aus Sicht der Verantwortlichen unnötig Panik verbreiten.

Dienstag, 31.03.2020, 10:05 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 10:17 Uhr
Altenpflegeeinrichtungen bemühen sich um möglichst viel Normalität im Alltag: Abwechslung trotz Besuchsverbots
Foto: Michalak

Ein möglichst kurzweiliger Tag soll es für die Bewohner des Heilig-Geist-Stiftes werden. Denn aktuell sind Besuche aufgrund der Corona-Krise nicht erlaubt.

Viele Angebote

Dies gilt derzeit für alle Altenhilfeeinrichtungen in Dülmen und den Ortsteilen. „Wir haben viele Betreuungsangebote“, sagt Rainer Schmidt-Dierkes, Einrichtungsleiter des Heilig-Geist-Stiftes. „Unsere Bewohner können sich zudem im ganzen Haus bewegen und den Garten nutzen.“ Zwar finden derzeit keine Gottesdienste statt, „aber da gehen wir im Moment den Weg über das Fernsehen.“

Schon zwei Tage vor der offiziellen Anordnung hatte die Einrichtung das Besuchsverbot verhängt. Man habe auch schon die Frage gestellt bekommen, wann man es wieder aufhebt. „Und in Notfällen machen wir auch Ausnahmen“, berichtet der Leiter.

Täglich gibt es in der Heilig-Geist-Stiftung Sitzungen, die sich mit der aktuellen Lage beschäftigen. Man gehe transparent mit dem Thema um, Maßnahmen würden sofort umgesetzt. Und nehme das Thema „verdammt ernst“. Schmidt-Dierkes: „Wir sind im gesamten Verbund sehr gut aufgestellt.“

Der Einrichtungsleiter ärgert sich daher auch über Berichte, die von Isolationen ganzer Häuser, inklusive der Mitarbeiter sprechen. „Da wird Panik geschoben, das sorgt bei den Mitarbeitern für Hysterie.“ So sehe er es beispielsweise als sehr schwer an, „die Bewohner 14 Tage in ihren Zimmern zu halten. Für so etwas gibt es kein Szenario.“

Kontakt per Skype, Telefon und Brief

In der Pro Seniore Residenz Marienhof ist die Stimmung bei Bewohnern und Mitarbeitern gut. Auch hier gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Den Kontakt zu den Angehörigen halten die Bewohner per Skype, zudem werden Briefe geschrieben.

Über das Thema Corona werde in den verschiedenen Gruppen gesprochen. „Am Anfang war eine gewisse Unsicherheit da. Aber die Bewohner fühlen sich hier beschützt. Das sagen sie uns auch“, sagt Residenzleiter Frank-Stephan Illge. Natürlich gilt auch hier Besuchs- und Kontaktverbot. „Das macht sich bezahlt“, so Illge.

Zugang haben lediglich einige Therapeuten und die auch nur unter strengen Hygienevorschriften. Diese gelten aktuell auch für die Mitarbeiter. „Sie haben alle Desinfektionsmittel am Mann“, berichtet Illge. Dennoch habe sich für die Mitarbeiter bisher nicht viel geändert. „Und was uns besonders freut, ist, dass wir bisher keinen erhöhten Krankenstand haben.“ Mittlerweile können sich die Mitarbeiter in den Einrichtungen auch vorsorglich testen lassen, diese Verordnung gilt seit einigen Tagen.

Auch bei der Heilig-Geist-Stiftung sind die Hygieneregeln deutlich strenger. „Das beginnt schon mit dem Desinfizieren der Hände, wenn man das Haus betritt.“ Aktuell werden unter anderem Mundschütze genäht. Dabei helfen auch Mitarbeiter, die bereits im Ruhestand sind.

Im Annengarten in Buldern versucht man, den Alltag so normal wie möglich zu halten. Aber natürlich gibt es auch hier ein Besuchsverbot. „Und darunter leiden unsere Bewohner schon, auch wenn es natürlich absolut notwendig ist“, sagt Rafael Borgmann. Per Telefon versuche man, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Auch hier sind bisher alle Bewohner gesund. „Und auch Mitarbeiter haben wir genug - Stand heute.“ Diese seien in der aktuellen Situation „mit viel Herz und viel Zuwendung bei der Sache“, lobt Borgmann.

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