Johanna Gremme berichtet aus Italien
Virus statt Karneval in Venedig

Die Dülmenerin Johanna Gremme studiert in Florenz. Eigentlich wollte sie zum Karneval nach Venedig. Doch der wurde wegen des Corona-Virus abgeblasen. DZ-Redaktionsleiter Markus Michalak fragte die 24-Jährige, wie es ihr dort geht.

Dienstag, 25.02.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 25.02.2020, 19:16 Uhr
Auch die Karnevalisten tragen in Venedig derzeit Mundschutz.
Auch die Karnevalisten tragen in Venedig derzeit Mundschutz. Foto: Johanna Gremme

Seit wann sind Sie in Venedig und warum?
Johanna Gremme: Ich bin seit Samstag in Venedig. Vorher war ich ein paar Tage am Comer See. Eigentlich wollte ich den berühmten Karneval von Venedig erleben. Aber der fällt aus.
Wie erleben Sie derzeit die Stimmung in Venedig?
Gremme: Die Venezianer sind ganz ruhig. Eine Kellnerin hat mir gesagt, dass keiner wisse, wie die nächsten Tage ablaufen würden. Viele sind enttäuscht, dass der Karneval abgesagt wurde, er ist das Großevent des Jahres. Fast alle laufen mit einem Mundschutz durch die Gegend oder binden sich den Schal um Mund und Nase. Einige tragen sogar unter ihren Karnevalsmasken Mundschutz. Insgesamt würde ich die Stimmung als ruhig beschreiben, die Hysterie aus den anderen Städten ist noch nicht angekommen. Aber die Stadt ist leer.
Gibt es Hamsterkäufe? Wie spielt sich das öffentliche Leben ab, wo ja Veranstaltungen abgesagt wurden, Schulen und Museen gesperrt sind?
Gremme: Es gibt tatsächlich Hamsterkäufe. Über Whatsapp habe ich von Freunden Bilder von leer gefegten Supermarktregalen in Bergamo und Mailand erhalten. In Venedig sind die Regale noch nicht leer, die Stadt ist noch nicht „abgeriegelt“. Unklar ist, wer für die finanziellen Schäden aufkommt, die die isolierten Städte erleiden werden. Die Straßen sind leer und in Städten wie Venedig oder Mailand, wo die Scala alle Aufführungen abgesagt hat, sind die Einbußen groß - Venedig lebt ja fast ausschließlich vom Tourismus. Daher glaube ich, dass wenn die erste Hysterie vorbei ist, erst richtig klar wird, was die Sperrungen von Schulen, Museen und Veranstaltungen bedeuten.

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