Landwirt wegen Tierquälerei verurteilt
Katastrophale Bedingungen im Kuhstall

Der Prozess gegen einen Dülmener Milchvieh- und Bullenhalter vor dem Dülmener Amtsgericht zog sich vier Stunden lang hin: Schwere hygienische Mängel, ein fataler Investitionsstau und jede Menge Tiere in einem gesundheitlich desolaten Zustand, hatten das Kreisveterinäramt auf dem Bauernhof festgestellt.

Mittwoch, 12.02.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 13:39 Uhr
Ein Dülmener Rinderhalter musste sich vor dem Amtsgericht verantworten.
Ein Dülmener Rinderhalter musste sich vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: dpa (Symbolbild)

Doch der Vorsitzende Richter, Dr. Marc Büning, stellte sofort klar: „In diesem Strafprozess geht es nicht um die allgemeinen Bedingungen auf dem Hof. Es geht ausschließlich um die angeklagten Fälle.“

Tierarzt meldete den Fall

Aufmerksam auf die Missstände wurde das Veterinäramt nicht etwa durch Tierschutz-Aktivisten. Einem Tierarzt, der zufällig in der Gegend spazieren ging, waren 2018 mehrere lahme Rinder auf der Wiese aufgefallen. Er meldete das dem Kreisveterinäramt.

Zustände im Video festgehalten

Seit August 2018 steht der Betrieb unter Beobachtung. Die Tierärztin Dr. Kati Dieks hatte den Hof im Auftrag des Kreises mehrfach besucht. Und sogar ein Video von den aus ihrer Sicht katastrophalen Zuständen gedreht.

Im Prozess wurde deutlich: Der Mann ist mit dem Hof völlig überfordert. Drückende Schulden, kaum Erträge und dazu ein 18-Stunden-Arbeitstag. Das brachte das Gericht zu dem Schluss: Es hat hier Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben, aber nicht aus böser Absicht.

Deshalb - und weil der Landwirt derzeit praktisch über kein Einkommen verfügt - blieb es bei einer Geldstrafe von 400 Euro.

Erste Verbesserungen

Ein Tierhalteverbot als schärfstes Schwert schloss der Richter von vornherein aus. Auch der Kreis könnte den Hof schließen, wenn er die Haltungsbedingungen dort dauerhaft für unzumutbar hielte. Das Veterinäramt setzt jedoch bislang auf Verbesserungen. Inzwischen hat der Halter die Bullenzucht aufgegeben und konzentriert sich aufs Milchvieh. Im Detail konnten inzwischen auch erste bauliche Optimierungen in den Ställen erreicht werden.

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