Bürgermeisterin
Haushaltsrede 2019

Dülmen. In ihrer letzten Haushaltsrede beschreibt Bürgermeisterin Lisa Stremlau nicht nur den Ist-Zustand, sondern entwirft auch eine Vision.

Dienstag, 10.10.2017, 20:37 Uhr
Bürgermeisterin: Haushaltsrede 2019
Bürgermeisterin Lisa Stremlau Foto: Archiv

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Haushaltsrede ist der Moment, um zurück zu blicken auf das, was im Jahr 2019 bisher passiert ist, aber natürlich auch, um nach vorne zu schauen. Dies gilt insbesondere für mich: Dies wird nach der letzte Haushalt sein, den ich als Bürgermeisterin einbringen werde.

Und es wird der letzte Haushalt sein, den diese Stadtverordnetenversammlung nach eingehender Beratung hoffentlich auf den Weg bringen wird. Anders als in den vergangenen Jahren nutze ich aus diesem Grund bereits den Anfang meiner Rede, um Danke zu sagen. Danke für die vertrauensvollen und respektvollen Beratungen der vergangenen Jahre. Wir haben diskutiert, gestritten – aber dabei nie die Achtung voreinander verloren. Für diese Form der Zusammenarbeit bin ich Ihnen sehr dankbar und ich hoffe, dass diese Tradition auch zukünftig in diesem Gremium und mit dem neuen Bürgermeister / der neuen Bürgermeisterin weiter gelebt wird.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
zur Vorbereitung habe ich einen Blick in meine erste Rede zur Einbringung des städtischen Haushaltes geworfen…. Damals, 2010, war die Stimmung in Deutschland und in Dülmen eine grundsätzlich andere. Unsere Gesellschaft war erschüttert von einer der größten Wirtschafts- und Finanzkrisen. Themen wie Rezession und Arbeitsplatzverluste prägten auch unser Handeln in Dülmen. Bei der Haushaltseinbringung redeten wir über ein Defizit von 11 Millionen Euro, zudem über die Vorlage eines Haushaltssicherungskonzeptes. Bei all dem schwang eine sehr düstere Stimmung mit. Als ich diese Zeilen gelesen habe, konnte ich mich gut erinnern. Und doch ist das Ganze gefühlt lange her.

In der Zwischenzeit ist vieles passiert. Natürlich hatte die Stadt Dülmen auf die weltweite Finanzlage einen – sagen wir mal, eher geringen – Einfluss, aber gemeinsam ist es Politik und Verwaltung, ist es uns gelungen, in ein ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Wir haben uns Gestaltungsspielräume geschaffen und diese genutzt. Auch der Ihnen jetzt vorliegende Haushaltsentwurf ist weit mehr als nur ein dickes Zahlenbündel.

Er ist ein Paket voller Beiträge für die Zukunft unserer Stadt. Darin findet sich Geld für notwendige Straßensanierungen, aber auch für die Realisierung kleiner und großer Visionen – beispielsweise für den Umbau von Markt- und Kirchplatz oder den Neubau und die Umgestaltung des Bahnhofsareals. Dies alles sind Projekte, die nicht nur das Gesicht unserer Stadt, sondern auch die Art der Begegnung und ein wenig auch das Lebensgefühl für unsere Bürgerinnen und Bürger verändern werden.

Ich bin ebenfalls Bürgerin dieser Stadt und Sie können sicher sein: Auch wenn mein letztes Jahr als Bürgermeisterin begonnen hat, liegt nicht weniger Herzblut für diese / für unsere / für meine Stadt in diesem Haushalt. Der Haushaltsentwurf ist ein Gemeinschaftswerk der Stadtverwaltung: Hier arbeiten ebenfalls viele Menschen, deren Lebensmittelpunkt Dülmen ist und die sich mit Dülmen verbunden fühlen und identifizieren.

Diese Verwaltung lebt durch ihre engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jedes Jahr wieder viel Einsatz und Ideen in das Aufstellen des Haushaltes investieren. Auch Ihnen allen an dieser Stelle schon einmal ganz herzlichen Dank!
Seit ich als Bürgermeisterin angetreten bin, habe ich mich dafür stark gemacht, gemeinsam einen Handlungsleitfaden zu erarbeiten, an dem sich Maßnahmen und Projekte orientieren können.

Einen Kompass, der es möglich macht, bei Entscheidungen über zukünftige Entwicklungen einen gemeinsam erarbeiteten „Maßstab“ anzulegen und uns zeigt, in welche Richtung sich diese Stadt entwickeln kann. In der vergangenen Woche haben wir den Startschuss zur Heimatwerkstatt Dülmen geben dürfen und ich freue mich sehr darüber, dass diese Form des gemeinsamen Gestaltens und der direkten Bürgerbeteiligung nun am Ende meiner Amtszeit doch noch Realität wird. Nach knapp einer Woche sind bereits über 100 Einträge von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen, ein Zeichen dafür, dass das Angebot den Nerv der Zeit trifft.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,auch wenn die Idee nun quasi die Klammer um meine Amtszeiten legt, haben wir den Grundgedanken in den vergangenen Jahren meiner Meinung nach bereits sehr gut gelebt.
Es ist uns gelungen, zahlreiche große Projekte auf den Weg zu bringen und dabei haben wir immer Wert darauf gelegt, die Menschen mitzunehmen und frühzeitig in Prozesse einzubinden.

Bürgerbeteiligungen und Informationsveranstaltungen sind selbstverständlich. Zudem entwickeln wir die Instrumente stetig weiter und setzen auch hier vermehrt auf zusätzliche digitale Beteiligungsverfahren. Kürzlich haben die Workshops zu den Fahrradstraßen oder zur Umgestaltung von Markt- und Kirchplatz eindrucksvoll gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger sich bei der Entwicklung ihrer Stadt aktiv mit einbringen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben. Dass sie dann nicht zwangsläufig immer einer Meinung mit unseren Vorstellungen sind und wir auch mal ordentlich Kritik ernten, gehört bei einem solchen Prozess dazu.

Wenn wir darüber reden, dass wir unsere Stadt weiter entwickeln, sie zukunftsfähig aufstellen möchten, dann bildet der Haushalt den Rahmen, in dem wir uns bewegen können. Leider ist dieser auch in diesem Jahr nicht zufriedenstellend. Der Haushaltsentwurf, den wir Ihnen für das Jahr 2020 heute vorlegen, weist ein Defizit von 1,4 Mio. Euro auf. Nur durch den Griff in die Haushaltsrücklage stellt sich der Entwurf als fiktiv ausgeglichen dar.

Glauben Sie mir, ich hätte mir gewünscht, dass am Ende unter dem Strich eine „echte“ schwarze Zahl steht, aber leider gibt es verschiedene große Faktoren, die unsere Planung beeinflussen. Lagen die Schlüsselzuweisungen für den Haushalt 2019 noch bei rund 7,5 Millionen Euro, rechnen wir für 2020 mit 6,3 Millionen Euro, alleine diese Position bedeuten also 1,2 Mio. Euro weniger. Bei der Integrationspauschale reichen die Bundes- bzw. Landesmittel auch für 2020 nicht aus, um die Kosten zu decken. Rund 1 Mio. Euro wird die Stadt hier mehr beisteuern müssen.

Um die nächsten Schritte gehen zu können, gilt es zu prüfen, wo man steht und wie die Ausrüstung aussieht, die das Vorwärtskommen ermöglicht. Mit Blick auf den städtischen Haushalt reden wir hier leider nicht über moderne Rennschuhe sondern eher über etwas in die Jahre gekommene Standardturnschuhe. Schuhe, in deren Sohle an der einen oder anderen Stelle auch einmal Löcher zum Vorschein kommen könnten, egal wie sorgsam man mit ihnen umgeht.

Der Kämmerer wird in seiner Rede gleich wie gewohnt die größten Investitionen und wichtigsten Veränderungen benennen. Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, Dülmen und die grundsätzliche Entwicklung der Stadt in den Blick zu nehmen. Dies möchte ich in drei Schritten tun: Ich werde Ihnen meine Perspektive auf die Ist-Situation darlegen, anschließend mein persönliches Zukunftsbild für unsere Stadt aufzeigen und dieses zuletzt mit möglichen Maßnahmen und Konsequenzen untermauern.

Ist-Situation
Unsere Stadt ist zur Zeit eine riesige Baustelle – dies ist manchmal eine ziemliche Herausforderung, auch mal ein Ärgernis, aber Bauen bedeuten auch, das etwas im Fluss, in Bewegung ist. Politik und Verwaltung haben gemeinsam in den vergangenen Jahren Rahmenbedingungen für die derzeitige Innenstadtentwicklung geschaffen. Entstanden ist daraus das StadtQuartier mit dem Mezzomar, der Bau des einsA, die Umgestaltung des Marktplatzes oder die Einrichtung einer Rathausgastronomie. Auch an den „weichen Faktoren“ wie dem Samstags- oder Abendmarkt, dem Dülmener Sommer und dem Dülmener Winter haben wir erfolgreich gearbeitet.

Trotz all dieser Anstrengungen schließen viele Geschäfte - Fakt ist: Der Internethandel boomt, die Art des Einkaufens ändert sich. Mit dieser Herausforderung stehen wir nicht alleine da, sondern in einer Reihe mit vielen anderen Städten und Gemeinden. Das macht die Situation aber nicht besser. Es ist uns – zugegeben – noch nicht gelungen, das Patentrezept zu finden, mit dem wir dieser Entwicklung entgegenwirken können. Es gibt viele Menschen, die derzeit die Köpfe zusammenstecken und Ideen entwickeln – das stimmt mich durchaus hoffnungsvoll.

In den Bereichen Mobilität und Klimaschutz hat Dülmen einen zukunftsweisenden Weg eingeschlagen. Der Bürgerbus wird angenommen (heute war zu lesen, dass nach einem Jahr rund 6000 Fahrgäste das Angebot genutzt haben), mit dem Bahnhofsneubau wagen wir ein Projekt mit einem starken Bekenntnis zum Klimaschutz und einer sich hoffentlich verändernden Mobilität.

Im Bereich der Digitalisierung sind wir mit dem Glasfaseranschluss für die Schulen gut gestartet, aber auch hier ist noch „deutlich Luft nach oben“. Gerade werden die Polygone Dernekamp und Dülmen-Süd für die Anwohner erschlossen. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch die übrigen Stadtbereiche sich für die Technologie der Zukunft öffnen, damit wir in Dülmen ein flächendeckendes Angebot vorhalten können.

Digitalisierung bedeutet dabei nicht nur, Glasfaserkabel zu verlegen, sondern es bedeutet sich komplett zu hinterfragen. Dies gilt auch für uns als Verwaltung. Sind die Prozesse, die wir über Jahrzehnte eingeübt haben und durchführen, mit digitalen Möglichkeiten zu verbessern oder lassen sie sich sogar komplett neu denken? Unser Serviceportal, das wir vor wenigen Wochen freigeschaltet haben, ist hier ein erster wichtiger Schritt. Die ersten Nutzerstatistiken zeigen, dass viele Bürgerinnen und Bürger dieses zusätzliche Angebot schätzen. Knapp 16.000 Besucher in den ersten 30 Tagen, mehr als 500 pro Tag, sind eine Zwischenbilanz, die sich sehen lassen kann.

Wirtschaftsförderung: Ein spannendes, viel diskutiertes Thema. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Dülmener Betriebe und potentiell interessierte Neuansiedler flexible und kompetente Ansprechpartner. Sie pflegen gute Kontakte zu den Unternehmern und Geschäftsleuten und erarbeiten gemeinsam mit Dülmen Marketing immer wieder kreative Lösungsansätze. Gerade am Montag hat der erste Pop-Up-Store in der Marktstraße eröffnet. Ein Geschäftsmodell von dem ich hoffe, dass sich noch der ein oder andere Existenzgründer dafür begeistern kann. Aktuell arbeiten wir mit dem Gewerbegebiet Nord oder der Linnertstraße daran, Flächen vorzuhalten und führen schon jetzt verschiedene Gespräche mit vielversprechenden Interessenten.
Dülmen bietet ein großes kulturelles Angebot – in meinen Augen reden wir hier über einen absolut wichtigen Standortfaktor. Der Dülmener Sommer und die verschiedenen Veranstaltungen des Kulturteams stehen weit über die Stadtgrenzen hinaus für Qualität. Unsere Musikschule, das Stadtarchiv, die VHS und die gerade modernisierte Stadtbücherei sind überzeugende Aushängeschilder. Hinzu kommt ein vielfältiges Angebot von Kulturvereinen.

Integration: Immer noch kommen Menschen zu uns, die aus ihren Heimatländern fliehen – und zwar jährlich mehr als prognostiziert. Diese Menschen zu integrieren, sie in unsere Gesellschaft aufzunehmen, ist und bleibt eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte. Was wir als Kommune neben den vielen Aktiven, die sich in verschiedenen Bereichen wie der Sprachförderung einsetzen, dringend benötigen, ist eine adäquate finanzielle Ausstattung. Noch immer bekommen wir für geduldete Flüchtlinge nach drei Monaten keine weiteren Zahlungen. Das kann, nein das darf so nicht sein!

Zusammenfassend lässt sich sagen: All unsere bisherigen Bemühungen reichen nicht, um eine permanente Belebung der Innenstadt zu erreichen. Die Dülmener beklagen Wohnungsknappheit. Viele der Bürgerinnen und Bürger sind außerdem Pendler, finden hier vor Ort keinen passenden Arbeitsplatz. Blicken wir auf den Bildungsbereich ist nicht zu verhehlen – die Schulen haben zum Teil einen erkennbaren Sanierungsstau. Zudem stehen wir vor der politischen Aufgabe, Lösungen für die weiterführenden Schulen zu finden. Im Bereich der Kindergartenbedarfsplanung wäre es wichtig, „vor die Lage“ zu kommen, was sich aufgrund des relativ kurzen Planungszeitraumes mit konkreten Kinderzahlen sehr schwierig gestaltet. Und bei allen Veranstaltungen, die wir als Stadt oder die vielen Ehrenamtlichen auf die Beine stellen, bleibt das ganz große Problem: Wir haben einfach keine optimalen Veranstaltungsräume.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Sie alle kennen den viel zitierten Spruch von Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat sollte besser zum Arzt gehen.“ Ich bin – und das unterstreicht auch der Wunsch nach einem Zukunftsbild – überzeugt davon, dass politisches Handeln nur mit Visionen funktionieren kann. Viel zu oft sind wir gefangen im alltäglichen Klein-Klein; öffnen unseren Blick nicht oder wagen es nicht, Dinge zu denken, die jetzt noch unmöglich scheinen. Wer von Ihnen hätte es für möglich gehalten, dass wir derzeit Flugtaxis testen oder große Unternehmen wie Amazon das Ausliefern per Drohne perfektionieren? Ich bitte vielmals um Verzeihung Herr Altbundeskanzler, aber die richtige Zeit für Visionen, für Zukunftsziele, ist genau jetzt.
Und die jungen Menschen machen uns aktuell vor, wie wichtig es ist, sich für die eigene Zukunft einzusetzen. Die „Fridays for future“-Demonstrationen haben mich sehr bewegt. Ich möchte hier mit Ihnen nicht das Für und Wider der Schulpflicht diskutieren, sondern vielmehr etwas Grundsätzliches festhalten. Seit Jahren schimpfen wir „Erwachsenen“, die Generationen „Atomwaffen nein Danke“ darüber, dass die Jüngeren sich für nichts mehr interessieren oder engagieren. Die Null-Bock Kinder, die sich doch nur noch frontal vom Smartphone oder Tablet bespaßen lassen. Und dann ist es genau diese Generation, die die Augen aufmacht, die sieht, was wir in den vergangenen Jahren verschlafen haben, die auf die Straße geht, mit Regeln bricht, um uns auf die Füße zu treten. In meinen Augen wird es die große Herausforderung der kommenden Jahre sein, klimaneutral zu werden und gleichzeitig wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. Denn aus meiner Sicht braucht eine Kommune wirtschaftliches Wachstum, um eine gute Daseinsvorsorge leisten zu können.

In diesem Sinne, inspiriert vom Engagement von Millionen von Menschen für ihre Zukunft, für den Klimaschutz, nehme ich mir in meiner letzten Haushaltsrede die Freiheit, den Blick zu heben und eine kurze, wenn auch deutlich kleinere Vision für Dülmen zu entwickeln – natürlich aus meiner Perspektive.

Zukunftsbild (Vision)
Stellen Sie sich vor:
Es ist ein Donnerstagmorgen, 7.30 Uhr in Dülmen. Auf den Straßen und in den Wohngebieten herrscht rege Betriebsamkeit. Kinder machen sich auf den Weg in die Schule – sie sind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Roller unterwegs. Als klimabewusste Schülerinnen und Schüler verzichten sie schon lange darauf, dass ihre Eltern sie mit dem Auto zur Schule bringen. Das ist gut für die Umwelt und entspannt die Verkehrssituationen rund um unsere Schulhöfe deutlich.
Apropos Auto. Das lassen die Dülmenerinnen und Dülmener ohnehin wenn möglich stehen. Die Innenstadt ist inzwischen schließlich autofrei und in ganz Dülmen einschließlich der Ortsteile ist der E-Hop-on-hop-off-Shuttle unterwegs (sozusagen der Bürgerbus 2.0, auf den man jederzeit aufspringen kann). An dessen Haltepunkten stehen Fahrräder und Roller bereit, die per Smartphone geortet und gebucht werden können. Ein zentraler Knotenpunkt ist dabei natürlich unser top-moderner „Klima-Bahnhof“.
Pendler stellen hier ihre Räder in der neuen Fahrradstation unter, außerdem gibt es zahlreiche Lademöglichkeiten für E-Bikes und E-Autos. Doch nicht nur unsere Bahnstrecken führen auf direktem Wege ins Ruhrgebiet und nach Münster – auch die neuen Radschnellwege werden rege genutzt.

Viele Dülmenerinnen und Dülmener müssen ihr Zuhause aber gar nicht mehr verlassen, um zur Arbeit zu gelangen – das Home-Office ist für viele Arbeitnehmer zum Standard geworden. Dank des flächendeckenden Glasfasernetzes in Dülmen-Mitte und allen Ortsteilen ist das überhaupt kein Problem! Und natürlich profitieren auch die vielen Unternehmen in Dülmen-Nord und den anderen Gewerbegebieten von der erstklassigen Anbindung an die (Daten-)Autobahn. Unsere Wirtschaftsförderung hat immer ausreichende Gewerbeflächen für neue Interessenten in der Hinterhand, denn der neue Landesentwicklungsplan bietet den Kommunen mehr Handlungsspielraum. Durch gute Kommunikation und Kooperation zwischen Bund, Land und Kommunen gelingt der Spagat, dem Klimaschutz Rechnung zu tragen und gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten für eine prosperierende Wirtschaft zu bieten. Dies bedeutet auch, dass die Stadt gewachsen ist und nun rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt.

Dabei erfolgt die Ausweisung neuer Baugebiete in Dülmen mit sehr viel Bedacht. Mehr als nur auf zusätzliche Flächenversieglung setzen wir auch auf die Modernisierung der bestehenden Wohngebiete im Stadtkern. Im Butterkamp und anderen Wohnquartieren haben die Häuser aus den 50er Jahren eine energetische Frischzellenkur bekommen und teilen sich im Rahmen der Nahwärmeversorgung gemeinsame Heizanlagen. Photovolatik-Anlagen oder begrünte Dachflächen sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit im Stadtbild. Parks und Grünflächen sind beliebte Treffpunkte im Quartier.
Die Wege in die Innenstadt sind kurz. Deshalb lohnt sich in der Mittagspause auch immer ein Abstecher ins Intergenerative Zentrum einsA, das zu einem neuen, lebendigen Mittelpunkt der Innenstadt geworden ist. Ob Kindergartenkinder, Senioren oder Berufstätige – sie alle treffen sich dort gerne zum gemeinsamen Mittagstisch und nutzen natürlich auch sonst die vielfältigen Angebote des Hauses. Auch das Café Extrablatt im Rathaus wird von den Dülmenerinnen und Dülmenern sehr gut angenommen.

Es einfach toll, unter dem Glasdach oder auf dem neu gestalteten Marktplatz zu sitzen und eine Tasse Kaffee zu trinken, während Kinder am Wasserspiel oder auf den neuen Spielgeräten toben, die aber auch genügend Raum für große Veranstaltung lassen.

Auch, wer noch etwas bei der Stadtverwaltung zu erledigen hat, findet zentral in der Innenstadt alle wichtigen Anlaufstellen, denn alle Fachbereiche sind wieder unter einem Dach untergebracht. Zwar wird ein großer Teil der „Behördengänge“ inzwischen online über das Service-Portal abgewickelt, doch natürlich bleiben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung auch weiterhin für die Bürger ansprechbar. Und Menschen, denen es nicht möglich ist, in die Stadt zu kommen, erhalten dank mobiler Arbeitsplätze persönlichen Besuch zuhause.

Nicht nur die Dülmener schlendern gerne und oft durch die Innenstadt, die neben einem vielseitigen Einzelhandel auch eine hohe Aufenthaltsqualität, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten bietet. Schließlich hat das Team vom Dülmener „Zukunftsmanagement“ die lokalen Entwicklungen täglich im Blick und kann flexibel reagieren und neue Impulse setzen. Auch der Tourismus in Dülmen boomt, seit es die neuen Wohnmobilstellplätze am düb und weitere, attraktive Hotels in unserer Stadt gibt. Und natürlich ist auch unser neues Kultur- und Veranstaltungshaus ein wahrer Publikumsmagnet, der Gäste aus nah und fern nach Dülmen lockt.

Ebenso haben sich zukunftsweisende Lösungen für unsere Schulen und den erhöhten Bedarf an Kindergartenplätzen gefunden. Für den Aufbau entsprechender Infrastruktur engagieren sich auch die örtlichen Unternehmen, denn es ist ihnen wichtig, ihren Mitarbeitern und deren Familien attraktive Rahmenbedingungen vor Ort zu bieten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich glaube, an Ideen mangelt es uns allen nicht und Sie könnten sicherlich noch zahlreiche Beiträge zu dieser Sammlung ergänzen. Einige der gerade genannten Punkte werden schon in absehbarer Zeit Realität werden. Andere sind tatsächlich noch Visionen. Aber ich glaube, wir sollten manchmal den Mut haben, nicht nur ein bis zwei Jahre in die Zukunft zu schauen.
Da wären wir dann wieder bei der Heimatwerkstatt und ich bin sehr gespannt, welche Ideen und Visionen wir gemeinsam mit unseren Bürgerinnen und Bürgern in den kommenden Monaten noch entwickeln werden. Und wenn es uns dann gelingt, nur einige dieser Visionen Wirklichkeit werden zu lassen und Maßnahmen zu entwickeln, um diese zu erreichen, dann haben wir schon viel gewonnen.

Und nein, lieber Christian, verehrter Kämmerer, ich habe nicht vergessen, dass wir uns bevor wir uns auf den Weg machen, über unsere Schuhe unterhalten müssen: Stichwort solider Turnschuh mit drohendem Loch in der Sohle.

Agenda /Maßnahmen Was brauchen wir, was braucht unsere Stadt? Auf diese Frage gute Antworten zu finden, das ist die gemeinsame Aufgabe von Verwaltung und Politik. Eine Verantwortung, der wir uns stellen und aus der heraus wir in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg bringen konnten. Dies zeigt sich beispielsweise bei dem aktuellen Thema „Schaffung von Wohnraum“. Hier haben wir bei der jüngsten Vorstellung der Pestel-Studie ein gutes Zeugnis sowohl für die Bestandssituation als auch für die städtebauliche Planung ausgestellt bekommen. Beim sozialen Wohnraum gehören wir zu den Spitzenreitern in NRW.

Aktuell steht die Entwicklung des Baugebietes „Auf dem Bleck III“ auf der Agenda. Eine Bürgerinformationsveranstaltung ist noch für dieses Jahr geplant, damit sich 2020 die Baukräne drehen können.

Auch die Ortsteile attraktiv und lebendig zu halten, durch den Erhalt der Infrastruktur und die Anbindung an die Stadtmitte – hieran arbeiten wir seit Jahren intensiv und man darf sagen: Sehr erfolgreich. Ich freue mich aktuell über das positive Signal der katholischen Kirche zu einem Bau einer Kindertageseinrichtung in Merfeld.

Basis einer funktionierenden Zusammenarbeit mit der Politik ist eine vernünftige Personalausstattung der Verwaltung. Nur so kann es gelingen, unsere Stadt zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Sie können politische Anträge stellen oder Entwicklungsaufträge an die Verwaltung geben – es bedarf dann auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den entsprechenden Kenntnissen und fachlichen Voraussetzungen, um diese Aufträge umzusetzen.
Dabei darf Verwaltung natürlich kein starres Konstrukt bleiben. Wir arbeiten intensiv an der Digitalisierung, betrachten sehr genau Strukturen und überprüfen Prozesse.

In den letzten Monaten hat die Verwaltung außerdem mit dem Personalmanagementkonzept ein Instrument entwickelt, das die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Blick nimmt und Handlungsfelder aufzeigt. Es geht darum, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft zu binden. Ich halte dies für einen überaus wichtigen Prozess. Unternehmen reden seit Jahren von Fachkräftemangel und Fachkräftesicherung.

In diesem Wettbewerb um kluge Köpfe befindet sich auch eine Stadtverwaltung. Sie muss auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber sein. Das Personalmanagementkonzept hat dafür einen Grundstein gelegt. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, die verschiedenen Ansätze des Konzeptes zu realisieren und zu leben.

Eine weitere wichtige Maßnahme, die aus der Verwaltung heraus derzeit erarbeitet wird, ist eine Gebäudestrategie. Die Stadt Dülmen besitzt rund 65 Liegenschaften. In einer langfristigen Planung geht es darum, Instandhaltungen und grundsätzliche Gebäudevoraussetzungen dauerhaft genau im Blick zu haben. Hieraus können und sollen sich perspektivisch nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen auch für Schulgebäude ergeben. Ergänzend benötigen wir hier Anregungen und Beratung von Außen, um neue Möglichkeiten und Konzepte aufgezeigt zu bekommen – Stichwort: Bildungscampus.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
der Klimaschutz wird auch zukünftig eine große Herausforderung bleiben, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Mit dem EEA-Prozess hat Dülmen sich schon länger auf den Weg gemacht, diesen Weg gilt es nun konsequent weiter zu beschreiten. Die Begrünung von Hausdächern, Garagen; den Ausbau von Fahrradstraßen und des Bürgerbusverkehrs; Entwicklung von Grünflächen in der Innenstadt oder Klimaschutzsiedlungen sind nur einige Beispiele.

Wenn es eine Voraussetzung gibt, die für alles, was wir bewegen wollen, gleichermaßen gilt ist es die Tatsache, dass es nur gemeinsam geht. Die Stärke Dülmens ist das Netzwerken. Dort, wo es uns gelingt, die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen, entstehen tragfähige Ideen.

Ich denke hier beispielsweise an das Jour Fixe von Dülmen Marketing, bei dem Gewerbetreibende, Kaufmannschaft, Marketing, Wirtschaftsförderung, Verwaltung und Politik sich regelmäßig und sehr erfolgreich austauschen. Auch die ÖFID ist ein beeindruckendes Beispiel für die Stärke von Gemeinschaft. Allerdings braucht es für jede gute Idee am Ende auch die finanziellen Umsetzungsmöglichkeiten. Ich möchte daher an dieser Stelle nochmal betonen, dass wir als Kommunen auf eine adäquate Ausstattung durch Land und Bund angewiesen sind.

Verehrte Ratsmitglieder, Ich möchte auch im Jahr 2020 gemeinsam mit Ihnen alles daran setzen, gute Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Stadt Dülmen zukunftsfähig aufgestellt ist. Eines ist mir ganz besonders wichtig: Seit rund 4 Wochen kennen wir das Datum der Kommunalwahl: Am 13.9. wird Dülmen einen neuen Bürgermeister / eine neue Bürgermeisterin bekommen. Mir ist sehr daran gelegen, einen guten Übergang zu gestalten, um die Arbeit von Politik und Verwaltung gut weiterzuführen. Daher werde ich meinem Nachfolger / meiner Nachfolgerin für Hintergrundgespräche und den Austausch zu verschiedenen Themen gerne zur Verfügung stehen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
dass all meine Visionen, die ich in dieser Rede skizziert habe, Wirklichkeit werden, davon gehe ich nicht aus. Aber um es mit den Worten von Herbert von Karajan zu sagen: „Wer all seine Ziele erreicht, der hat sie zu niedrig gewählt.“ Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, für die Zukunft unserer Stadt!
Für den Schluss benötige ich meine Notizen und mein Redemanuskript nicht. (Es folgt eine freie Ausführung). Wahrscheinlich wiederhole ich mich jetzt, denn ich habe bereits zu Beginn Danke gesagt für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.

Es ist meine letzte Haushaltsrede und ein besonderes Anliegen. Hier im Raum sitzen Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien – jeder mit eigenen Charakteristika, mit Stärken und Schwächen.
Was uns aber alle vereint, egal ob CDU, SPD, Grüne, FDP oder Linke, ist das Ziel, für unsere Stadt das Beste zu erreichen. Über die Instrumente und die Werkzeuge mögen wir streiten, nicht aber über das Ziel. Für diese konstruktive Zusammenarbeit bin ich überaus dankbar. Streiten Sie weiterhin für unsere Stadt, bleiben Sie mit ihrem Ohr weiterhin eng an den Sorgen und Wünschen der Bürgerinnen und Bürger – damit in diesem Saal auch weiterhin kein Platz ist für populistische Parteien, für rechte Rattenfänger und für Menschen, die unsere Gesellschaft spalten möchte. Dies ist, abseits aller Visionen, mein größter Wunsch.
Ein besonderer Dank geht zum Schluss auch an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung. Ich freue mich auf die verbleibenden Monate meiner Amtszeit, weil ich ein super Team habe. Ich bin sehr dankbar, Bürgermeisterin dieser Stadt und dieser Stadtverwaltung zu sein.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

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