Montagabend Vortrag beim Theologischen Bildungswerk
Interview mit Dr. Mouhanad Khorchide

Dülmen. Prominenter Besuch in Dülmen. Am heutigen Montag - und nicht wie in der DZ angekündigt am morgigen Dienstag - ist um 19.30 Uhr Professor Dr. Mouhanad Khorchide Gast beim Theologischen Bildungswerk im Pfarrheim Heilig Kreuz. Die Dülmener Zeitung hatte vorab Gelegenheit für ein Interview mit dem Islamwissenschaftler.

Montag, 07.10.2019, 10:40 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 15:22 Uhr
Montagabend Vortrag beim Theologischen Bildungswerk: Interview mit Dr. Mouhanad Khorchide
Dr. Mouhanad Khorchide ist am heutigen Montagabend Gast beim Theologischen Bildungswerk. Foto: privat

Haben Sie Verständnis dafür, wenn Christen dem Islam mit Skepsis begegnen? War nicht Mohammed auch ein Kriegsherr?

Mouhanad Korchide: Der Islam wird vor allem seit dem 11. September als Religion der Gewalt rezipiert. Das Aufkommen vom IS und die terroristischen Anschläge im Namen des Islam haben diese Wahrnehmung noch stärker geprägt. Extremisten versuchen ihre Gewalteinstellungen zu legitimieren, indem sie sich auf ein kriegerisches Bild von Mohammed berufen, sie bedienen sich eines gewalttätigen Verständnisses der Geschichte Mohammeds. Dabei lesen wir im Koran unmissverständlich, dass die Kriege, die Mohammed geführt hat, Verteidigungskriege waren, um sich, wenn es nicht anders ging, vor den sehr aggressiven Mekkanern zu schützen. Es handelte sich keineswegs um den Einsatz von Gewalt, um Menschen zum Islam zu zwingen. Denn was hat ein Gott von einem nicht überzeugten, sondern erzwungenen Glauben an ihn? Wir benötigen heute einerseits ein starkes friedliches Narrativ des Handelns Mohammeds, aber auch eine selbstkritische Distanzierung von vielen Gewaltakten innerhalb der islamischen Geschichte, die im Namen Gottes verübt wurden. In Wirklichkeit waren es lediglich hegemoniale Machteroberungen durch den einen oder anderen Herrscher.

Selbst Terroristen berufen sich bis heute auf den Islam. Liefert der Islam eine Rechtfertigung für die Anwendung von Gewalt?
Korchide: Es hängt immer davon ab, wie wir Muslime den Islam verstehen. Nehmen Sie das Beispiel der Gewaltverse im Koran. Extremisten und Fundamentalisten beharren auf eine wortwörtliche Lesart des Korans ohne Rücksicht auf den historischen Kontext. Es ist ein grundsätzlicher Unterschied, ob ich die Gewaltverse im Koran als Aufforderung an mich heute lese oder als Beschreibung einer kriegerischen Auseinandersetzung, die im siebten Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel stattgefunden hat.

Das ganze Interview bringt die DZ in ihrer Dienstagsausgabe.

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