Lisa Eckharts Kabarett
Die Entjungferung der Mutter Gottes

Dülmen. Ob Judenwitze, Naziwitze, frauenfeindliche Witze oder bitterböse Gotteslästerei: Die Österreicherin Lisa Eckhart kennt offenbar keine Tabus. So zündete sie ohne jede Hemmung in der Aula des Schulzentrums am Samstag ein Kabarett-Feuerwerk frei nach dem Motto „Besser einen guten Freund verlieren als auf eine gute Pointe verzichten.“

Sonntag, 06.10.2019, 18:55 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 10:55 Uhr
Lisa Eckharts Kabarett: Die Entjungferung der Mutter Gottes
Wasserstoffblondes Haar trifft rabenschwarzen Humor: Lisa Eckhart in der Schulaula. Foto: Michalak

Kostprobe gefällig? „Nennen Sie doch diese jämmerlichen Gestalten, die eine Reichsflagge vor sich hertragen, und weinerlich sagen, das hier sei ihr Land und nicht das Land der Syrer bitte nicht Nazis.“ Das sei schon mit Blick auf ihren Opa einfach eine Unverschämtheit. Der hätte die Reichsflagge nämlich gleich nach Syrien getragen, in die Erde gerammt und ausgerufen: „DAS ist jetzt unser Land!!“

Nicht nur Freunde

Wer so knallhart artikuliert, der macht sich tatsächlich nicht nur Freunde. Nicht alle Gäste in der voll besetzten Aula kehrten nach der Pause auf ihren Platz zurück. Wer geblieben war, erlebte eine junge, zierliche Kabarettistin, der ein Mikrofon und ein Barhocker völlig ausreichen, um auch große Säle vollständig in ihren Bann zu ziehen. Im knallig schwarzgelben Kimono, barfuß auf dem Hocker sitzend, haut Eckhart in einem charmant österreichischen Plauderton, ganz wie auf einem Kaffekränzchen eine bissige Anekdote nach der nächsten heraus.

Gott ist tot

So sei es doch völlig klar, dass Jesus Christus die Jungfrau Maria von innen heraus entjungfert habe. Das Hymen habe er auf dem Kopf getragen. „Noch heute erinnern die Juden mit Ihrer Kopfbedeckung daran. Das Programm drehte sich um „die Vorteile des Lasters“. Sünde und Ablass, Himmel und Hölle, all das sei völlig aus den Fugen geraten, als Gott plötzlich für tot erklärt worden war.

Stadt im Körper eines Dorfes

Sie spiele übrigens bedeutend lieber in Dülmen, als in Städten, erklärte sie zum Schluss. Als das Publikum nach zu raunen anfing, korrigierte sie sich artig: „Gut, sagen wir, Dülmen ist eine Stadt. Aber eine Stadt, gefangen im Körper eines Dorfes!“
Zwei Stunden Lisa Eckhart pur sind für niemanden eine leichte Kost.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6983110?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819647%2F
Nachrichten-Ticker