Archäologen werden am Bült fündig
Das war Dülmens allererste Flaniermeile

Dülmen. Noch bevor die Marktstraße zur Flaniermeile Dülmens wurde, hatte der Bischof im 11. Jahrhundert eine Paradestraße anlegen lassen. Teile davon haben Archäologen jetzt freigelegt. Und das Team hat noch mehr entdeckt.

Donnerstag, 19.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 23:18 Uhr
Archäologen werden am Bült fündig: Das war Dülmens allererste Flaniermeile
Eine Paradestraße am Bült haben die Archäolgen freigelegt. Foto: Michalak

Dr. Hans-Werner Peine, beim Landschaftsverband Westfallen Lippe (LWL) zuständig für Mittelalterarchäologie, zeigte sich vom Fund einer befestigten Straße am Bült beeindruckt. „Diese sehr gut erhaltene Straße ist so einzigartig, dass wir sogar darüber nachgedacht haben, einen Block daraus als Ausstellungsstück zu bergen und in einem LWL-Museum zu zeigen.“

Doch die Museen waren mit ähnlichen Funden bereits ausgestattet. „Aber es spricht natürlich nichts dagegen, dass die Stadt Dülmen dieses Bodendenkmal hebt“, gab er eine Anregung. Wenig hält er hingegen davon, ein solches Bodendenkmal mit einer Glasplatte sichtbar zu machen. „Diese Platten verschmutzen sehr rasch.“ Der Wartungsaufwand sei zudem sehr hoch.

Zuerst Knüppeldamm aus dem 14. Jahrhundert entdeckt

Zunächst stieß das Team um Grabungsleiter Dr. Gerard Jentgens am Bült, direkt neben dem neuen einsA, auf einen Knüppeldamm aus dem 14. Jahrhundert. Quergelegte Hölzer, welche die Befahrbarkeit über den morastigen Untergrund erleichterten, wie Peine erklärte.

Dann wurde es interessant: „Darunter kamen mehrere ältere Pflasterungen zum Vorschein, die mit kleineren Kieselsteinen und an anderer Stelle mit größeren Schluffsteinen, die für die Region typisch sind, angelegt worden waren.“

Archäologen graben dann eine Paradestraße aus

Stück für Stück legten die Archäologen eine bedeutende Paradestraße frei, die durch den inneren Kern der Dülmener Siedlung führte und Teil einer Fernstraße zwischen Münster und Haltern war.

„Es ist ein Glücksfall, eine solche Straße, die im Auftrag des Bischofs befestigt wurde, in einem solchen Erhaltungszustand zu finden“, erklärt Peine. Es darf durchaus angenommen werden, dass damals noch nicht die Marktstraße, sondern diese Straße Dülmens Haupt-Flaniermeile war.

Straße soll weiter freigelegt werden

Die Archäologen wollen den Verlauf der steinernen Prachtstraße Richtung St. Viktor-Kirche weiter verfolgen. Mit einem Abschluss der Arbeiten ist nicht vor Jahresende zu rechnen.

„Wir arbeiten sehr gut mit der Stadt zusammen, die uns auch hilft, Kabelstränge oder Leitungen aus dem Weg zu räumen“, bedankt sich Jentgens für die Unterstützung. Auch Klaus Christmann von der städtischen Bauaufsicht sieht in Jentgens einen Partner, der „stets Baufortschritt und Forschungsarbeit gleichermaßen im Blick hat.“

Archäologische Ausgrabungen in der Innenstadt 2019

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  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
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  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens
  • Foto: Markus Michalak / Jentgens & Partner Archäologie/G. Jentgens

Stadtgeschichte wird Stück für Stück freigelegt

Das Jentgens-Team ist seit 2011 kontinuierlich mit archäologischen Arbeiten in Dülmen befasst. „So setzt sich für uns Stück für Stück die Stadtgeschichte zusammen“, erklärt Peine.

Die Glockengussgrube, das Kloster Agnetenberg, Grabungen an Lohwall und Overbergplatz: „In unseren Jahresbänden befassen sich in den letzten Jahren sechs, sieben Artikel nur mit der Dülmener Stadtgeschichte“, freut sich Peine.

Befestigungsgraben in der Marktstraße

Ein weiteres Kapitel könnte auch ein aktueller Fund in der Marktstraße beisteuern. Dort, wo ein neuer Steinteppich verlegt wird (DZ berichtete), konnte das Jentgens-Team einen größeren Befestigungsgraben freilegen.

„Das Fundgut aus Schlachtabfällen, Lederresten und Keramik weist darauf hin, dass der Graben um 1200 aufgegeben und überpflastert wurde“, erläutert Jentgens. „In karolingischer Zeit befand sich hier sehr wahrscheinlich eine curtis, also eine befestigte Hofanlage“, ergänzt er.

Dass dieser Fund nicht bereits bei der ersten Verlegung des Steinteppichs gemacht wurde, hat einen einfachen Grund: Der LWL wurde damals nicht benachrichtigt..

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