DZ-Bericht schlägt hohe Wellen im Ausschuss
Wie Flüchtlinge in Dülmen leben

Dülmen. Wie leben Flüchtlinge im Containerdorf am Leuster Weg? Ein DZ-Bericht darüber hat hohe Wellen geschlagen im Sozialausschuss. So kommen aktuell mehr Flüchtlinge als erwartet nach Dülmen, berichtete Sozialdezernent Christoph Noelke - der zudem Kritik in Richtung Bundesregierung äußerte.

Mittwoch, 18.09.2019, 16:43 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 16:47 Uhr
DZ-Bericht schlägt hohe Wellen im Ausschuss: Wie Flüchtlinge in Dülmen leben
Manche Menschen müssen Monate auf 14 Quadratmetern in einem solchen Container leben. Foto: mm

Der DZ-Bericht über die Lebensbedingungen im Containerdorf am Leuster Weg hat im Rathaus hohe Wellen geschlagen. Sozialdezernent Christoph Noelke nahm den Bericht zum Anlass, um die Situation um Sozialausschuss zu erläutern.

„Wir können die Menschen nur dauerhaft in Wohnungen unterbringen, wenn sie bei uns auch eine Bleibeperspektive haben.“ Leider dauere es aber häufig sehr lange, bis das Bundesamt die Anträge bearbeitet habe.

Deutlich mehr Neuankömmlinge als erwartet

Dennoch unternehme die Stadt große Anstrengungen, um die Wohnsituation zu verbessern. So seien allein in diesem Jahr 21 Wohnungen durch die Stadt angemietet worden.

„Wir hatten für 2019 mit 50 Neuankömmlingen gerechnet, doch diese Zahl war bereits im Mai erreicht“, ergänzte Noelke. Inzwischen seien bereits 92 Menschen nach Dülmen gekommen, die 100 könnten 2019 durchaus noch erreicht werden.

Kritik an Unterbringung von den Grünen

Wolfgang Müller (Grüne) kritisierte, dass Flüchtlinge häufig aufgrund ihrer Notlage in Wohnungen untergebracht wurden, die heruntergekommen, verschimmelt und gesundheitsgefährdend seien. Davon, versicherte Noelke, höre er zum ersten Mal.

Daniel Alfschnieder von der Stadt ergänzte: „Wenn die Bewohner ohne unser Zutun eigene Mietverträge abschließen, kennen wir den Zustand dieser Wohnungen natürlich nicht.“

Nachdem vor vier Jahren Verpflegung, medizinische Versorgung und ein Dach über dem Kopf im Vordergrund standen, müsse jetzt die Integration vorangebracht werden, betonte Noelke. „Die meisten, die seit 2015 zu uns gekommen sind, sind noch da. Es gibt kaum Rückführungen.“

Kritik vom Sozialdezernent an der Bundesregierung

Kritik äußerte der Sozialdezernent daran, dass die Bundesregierung sich aus der Finanzierung durch die Integrationspauschale zurückziehen will. Bereits heute würden von den 1075 Euro, die ein Flüchtling im Monat koste, nur 866 Euro erstattet.

„Sollte die Integrationspauschale, wie es ein Referentenentwurf vorsieht, auf ein Drittel zurückgefahren werden, reißt das ein Loch in den städtischen Haushalt“, berichtete Noelke.

Derzeit erhalten 306 Personen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, eine gute Bleibeperspektive haben 82 von ihnen.

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