N.N. Theater beim Dülmener Sommer
„Das kalte Herz“ erwärmt das Publikum

Dülmen. N.N Theater und Dülmener Sommer - das passt. Bereits zum 23. Mal trat das Kölner Ensemble jetzt beim Straßentheater auf. Und erzählte das bekannte Märchen „Das kalte Herz“ einmal ein wenig anders.

Mittwoch, 31.07.2019, 16:24 Uhr aktualisiert: 31.07.2019, 16:28 Uhr
N.N. Theater beim Dülmener Sommer: „Das kalte Herz“ erwärmt das Publikum
Musical-Nummer der Kapitalisten: Mit Seitenhieben sparte das N.N. Theater bei seiner neusten Inszenierung nicht. Foto: Kerstan

Nicht einmal Schuhe zum Tanzen hat der arme Köhler. Beim Dorffest verspotten die Leute ihn, und dann soll seine geliebte Lisbeth auch noch einen anderen heiraten. Kein Wunder, dass Peter Munk verzweifelt ist.

Zumindest die Schatzhäuserin, ein patenter Waldgeist, meint es gut mit ihm. Drei Wünsche gewährt sie dem Sonntagskind Peter - und auch noch ein paar aufmunternde Worte parat: Manch Köhler wurde ja schließlich schon Bundespräsident.

Rund 1000 Besucher kommen zum Theaterabend

Es sind solch Zwischendurch-Schmankerl, diese kleinen Seitenhiebe und aktuellen Anspielungen, die die Aufführungen des N.N. Theaters auszeichnen. Da ist „Das kalte Herz“, das neuste Stück der Kölner, keine Ausnahme. Auch dem Wilhelm-Hauff-Märchen wird ein frischer Anstrich verpasst - ohne das die Dramatik gerade im Schlussakt zu kurz kommt.

Um die 1000 Besucher sind am Dienstagabend auf den Hof der Hermann-Leeser-Schule gekommen, um die Stammgäste des Dülmener Sommer nicht zu verpassen. Bereits zum 23. Mal tritt die Kölner beim Straßentheater auf.

Das Wetter spielt mit

„Zum 25. lassen wir uns noch was einfallen“, verspricht dann auch Achim Portmann vom Kulturbüro zum Auftakt des Abends. Welcher übrigens durchweg trocken bleib. „Es ist halt immer spannend mit dem Wetter hier. Aber diesmal hat es gehalten“, freut sich später Michl Thorbecke. Stürmisch wird es somit nur auf der Bühne, wenn der böse Holländer-Michel den Schwarzwald erzittern lässt.

Auftritt des N.N. Theaters beim Dülmener Sommer 2019

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Von guten und bösen Waldgeistern

Dorthin nimmt das N.N. Theater seine Zuschauer hin mit. Hier spielt die Geschichte vom armen Köhler Peter Munk. Der ist zwar ein herzensguter Bursche, aber naiv und vielleicht auch nicht der allerhellste. Die Wünsche, die ihm die Schatzhäuserin gewährt, vergeudet er.

Hilfe bietet ihm der Holländer-Michel mit einem geradezu faustischen Pakt: Tauscht Peter sein Herz gegen einen Stein, so warten Reichtum und Wohlstand. Der nun wortwörtlich kaltherzige Peter wird zum skrupellosen Geschäftsmann. Getreu dem Motto: Was kümmert ihn das Elend der anderen, solange der eigene Profit stimmt.

Märchen mit viel Musik

Diese Steilvorlage nutzt das N.N. Theater geschickt, um sich die Auswüchse des Kapitalismus und geldgierige Manager vorzunehmen. Höhepunkt ist da eine kraftvolle Gesangsnummer. Tenor: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.“

Und auch sonst kommt „Das kalte Herz“ sehr musikalisch daher: Für ein flottes Tanzduell zwischen Peter und seinem Rivalen um Lisbeths Hand gibt es verdienten Szenen-Applaus.

Unglaublich wandelbare Darsteller

Mal wieder beeindruckend ist, wie das N.N. Theater mit nur wenigen Hilfsmitteln ständig neue Szenarien auf der Bühne erschafft. Ein Humor-Höhepunkt ist eine Floßfahrt den Rhein entlang: Die Loreley bekommt einen grandiosen Auftritt, das Abbremsen des Floßes quietscht gewaltig, und beim Anlegen in Köln und Amsterdam darf Bernd Kaftan, sonst hauptsächlich für die Musik verantwortlich, herrlich kölsch und niederländisch parlieren.

Dazu das ausdrucksstarke Spiel von Michl Thorbecke, Christine Per, Irene Schwarz und Oliver Schnelker, die alle gleich mehrere Rollen übernehmen - und fertig ist ein äußerst gelungener Sommertheater-Abend.

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