Totalausfall von Pumpwerk in Merfeld
Der Schlamassel mit den Feuchttüchern

Merfeld. In Merfeld ist kürzlich das Pumpwerk für Schmutzwasser komplett ausgefallen. Der Grund war schnell gefunden: Feuchttücher, die über die Toilette entsorgt wurden. Und das ist nicht nur in Merfeld ein Problem.

Donnerstag, 11.07.2019, 14:12 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 14:15 Uhr
Totalausfall von Pumpwerk in Merfeld: Der Schlamassel mit den Feuchttüchern
Feuchttücher verstopfen das Laufrad der Pumpe „Am Sportplatz“ in Merfeld. Foto: Stadt Dülmen

Zu einem Totalausfall des öffentlichen Schmutzwasserpumpwerks „Am Sportplatz“ ist es am vergangenen Sonntag in Merfeld gekommen: Beide Pumpen der Doppelstation waren verstopft.

Der Bereitschaftsdienst des Abwasserbetriebs, bestehend aus Kanalspülwagen, Anlagenelektroniker und Kanalmeister, rückte aus und konnte den Störfall umgehend beseitigen. Die Ursache war schnell gefunden: eine enorme Ansammlung von Feucht- und Hygienetüchern.

Wie die Pumpen verstopfen konnten

Während der langen Trockenzeit hatten sie sich in der Kanalisation abgelagert und wurden durch den Regen am Samstag in das Pumpwerk gespült. Ein Problem, das leider kein Einzelfall ist, wie die Stadt Dülmen betont.

Feucht- und Hygienetücher bestehen aus einem Polyester-Viskose-Gemisch oder Fasern, die mit Kunstharzen gefestigt sind. Werden diese Tücher über die Toilette entsorgt und gelangen in die Kanalisation, lösen sie sich - entgegen der Versprechen der Hersteller auf der Packungsrückseite - nicht auf, sondern bilden Ablagerungen bis hin zu Verstopfungen im Kanal.

Besonders problematisch wird es, wenn Feucht- und Hygienetücher in die Abwasserpumpen gelangen: Dort bilden sich daraus zähe und verfilzte Stränge, sogenannte Verzopfungen. Diese verfangen sich in den Laufrädern der Abwasserpumpen.

Warum alle die Kosten für den Schaden zahlen

Pumpenleistung und Fördermenge fallen dann drastisch ab, bis hin zum Totalausfall. Die Abwasserpumpen müssen dann gereinigt, gewartet und bei Bedarf Instand gesetzt werden. Das beeinflusst die Entsorgungssicherheit und verursacht zudem unnötige Kosten, die letztlich über die Abwassergebühren getragen werden müssen.

„Feucht- und Hygienetücher gehören nicht in die Toilette, sondern in die Restmülltonne“, appelliert Jochen Gerle, Betriebsleiter des Abwasserwerks. „Bei Beachtung dieses Grundsatzes kann die Störanfälligkeit der Schmutzwasserpumpen bereits deutlich reduziert oder sogar vollständig beseitigt werden.“

Gefahr auch für private Leitungen

Die Gefahr von Ablagerungen, Verstopfungen und Betriebsproblemen durch Feucht- und Hygienetücher betrifft aber nicht nur den öffentlichen Kanal. Erhöhte Risiken gibt es auch im Bereich der privaten Anschlussleitungen auf den Grundstücken, da diese Leitungen noch deutlich kleinere Querschnitte haben.

Auch der Einsatz verbesserter Pumpen- und Anlagentechnik kann das Problem jedoch nicht dauerhaft lösen. Das Abwasserwerk setzt daher auf entsprechende Information. „Eine störungsfrei arbeitende Entwässerungsanlage dient der Entsorgungssicherheit, dem Umweltschutz und sollte daher auch im eigenen Interesse der Bürger liegen“, sagt Gerle.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6770300?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819647%2F
Nachrichten-Ticker